Wall Street: Nachbörslich notiert
HP und die Anleger träumen von der Trendwende

Die Tages-Charts von Dow und Nasdaq zeichnen ein schönes Bild. Das kleine Minus am Mittwochmorgen was nur ein trüber Start in einen sonnigen Tag. An der Wall Street scheint ein Stimmungsumschwung tatsächlich stattgefunden zu haben - wie begründet oder nicht der auch sein mag.

NEW YORK. Anleger haben sich am Mittwoch aus den klassisch defensiven Werten zurückgezogen und sind in die Werte gewechselt, die man zu besseren Zeiten einmal Wachstumswerte nannte. So kletterten Computer- und Chipaktien, drückten Dow und Nasdaq nach oben, und das doch nur aufgrund einiger eher kleiner Meldungen. Okay, Analog Devices hatte erstmals nach Jahren wieder ein Umsatzwachstum vorzuweisen, aber heißt das schon, dass die große Trendwende bevorsteht?

In Zeiten des großen Optimismus heißt es das zweifelsohne. Inwieweit nun der Wunsch Vater des Gedanken ist, wird sich zeigen, zunächst hangeln sich die Kurse aber von einer guten Nachricht zur nächsten, und positive Analystenkommentare wie den von Soundview am Mittwochmorgen nehmen sie gerne mit. Auch da sieht man einen Turnaround im Chipbereich für das erste Quartal des kommenden Jahres.

Die Quartalskonferenz von Hewlett-Packard am späten Mittwochabend dürfte die Hoffnungen der High-Tech-Freunde in der zweiten Wochenhälfte nun noch einmal befeuern. Der Computer- und Druckerriese hat auch bei der zweiten Konferenz seit der so spektakulären wie umstrittenen Fusion mit dem Computerkonzern Compaq gute Ergebnisse abgeliefert, und zwar deutlich bessere als man erwartet hatte.

Hewlett-Packard weist für das abgelaufene Quartal einen Gewinn von 721 Mio. $ oder 24 Cent pro Aktie aus, das ist mehr als das Dreifache dessen, was HP im Vergleichsquartal ohne den damals nicht profitablen Computerhersteller eingefahren hatte. Selbst nach Abzug aller Merger-bezogenen Kosten kommt der Konzern auf ein Plus von 390 Mio. $, was einem addierten Verlust von 505 Mio. $ im Vergleichszeitraum entgegen steht.

Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Sie geben zwar nicht unbedingt zuverlässig Auskunft über die Entwicklung einer Branche, aber doch über den Erfolg eines Mergers und die Führungsarbeit einer oft gescholtenen Carly Fiorina. Die hat nun aber offensichtlich noch mehr Synergien ausgenutzt als zu erwarten gewesen wäre, und Anleger sind mittlerweile optimistisch, dass sie auch ohne den kürzlich zu WorldCom ausgeschiedenen Ex-Compaq-Chef Michael Capellas das Ruder fest in der Hand hat. Im nachbörslichen Handel stützten sie deshalb die Aktie, die nach der Glocke mehr als 8 % zulegte, und die am Donnerstag eine der großen Stützen im Handel werden dürfte.

Des weiteren wird am Donnerstag General Electric für Aufmerksamkeit sorgen. Der Mischkonzern, ein Schwergewicht im Dow Jones Index, wird ein Analystentreffen abhalten, und man rechnet damit, dass sich das Management detailliert zu den Umsatz- und Gewinnaussichten im laufenden Quartal und im Gesamtjahr äußern wird.

Zu den Unternehmen, die Quartalszahlen offenbaren werden, gehören am Donnerstag Barnes & Noble und Borders Group und damit die beiden größten US-Buchhändler, dazu der Chiphersteller Brocade, die Sportkette The Sports Authority und die Tierhandlung PetCo, die für ihre Krisenfestigkeit berühmt ist. Bekanntlich kümmert sich der Mensch auch in Krisenzeiten um seine vierbeinigen Freunde.

Auf konjunktureller Seite wartet man auf die Notenbank, die das Beige Book vorlegt und darin Stellung zur konjunkturellen Lage nimmt. Der Index der Führenden Indikatoren lässt hingegen noch einmal einen Rückblick auf die Entwicklung der Wirtschaft im vergangenen Monat zu, der Index wirkt sich im Allgemeinen aber kaum auf den Markt aus.

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