Wall Street: Nachbörslich notiert
Intel verwirrt, enttäuscht und entlässt

Irgendwie ist es ein schönes Gefühl: Die US-Börsen werden in dieser Woche einmal nicht von Skandalen dominiert, sondern von Unternehmensmeldungen und der Notenbank - wie sich das früher einmal gehört hat. Doch..

wsc NEW YORK. ...andererseits macht das die ganze Sache nicht einfacher, denn zum einen ist die Flut der Quartalszahlen kaum noch zu durchschauen, zum anderen widersprechen sich die Ergebnisse und Prognosen laufend und lassen wieder keine präzisen Schlüsse zu.

Am wenigsten übrigens die Zahlen von Intel. Der Chip-Gigant sorgte für Verwirrung, als er den Reingewinn vor Abzug mancher aber nicht aller Sonderbelastungen auswies und das Management die Zahlen etwa eine Stunde nach der Bilanzkonferenz noch einmal korrigieren musste - nach oben allerdings, sonst wäre die Aktie wohl erst einmal verloren gewesen. Unterm Strich bleibt Intel aus dem vergangenen Quartal nun ein Gewinn von 10 Cent pro Aktie, das ist einer weniger als die Analysten erwartet hatten. Beim Umsatz wurde man den Erwartungen fast gerecht - und leider auch in bezug auf die weitere Personalpolitik: Schon seit dem Morgen hatte man getuschelt, Intel plane Entlassungen, und tatsächlich müssen 4000 Mitarbeiter gehen. Das sind 5 % der Gesamtbelegschaft.

Während sich Intel im nachbörslichen Handel aber in überschaubarer Spanne mal rauf mal runter zitterte, ging es für einige Chip-Zulieferer in den Keller. Denn eine Zahl aus dem Bericht von Intel machte Investoren dann doch Sorgen: Das Unternehmen fährt erneut die Kapitalinvestitionen herunter und will in 2002 nur noch zwischen 5 und 5,2 Mrd. $ ausgeben - das sind bis zu 10 % weniger als man bisher geplant hatte. Größter Verlierer unter den Chip-Zulieferen war Kulicke Soffa - allerdings konnte man dafür nicht allein Intel verantworten: Das Unternehmen legte selbst schwache Ergebnisse vor.

Steil in den Keller ging es auch für das Papier von Apple. Der Computerriese stellte zwar einen Quartalsertrag im Rahmen der Erwartungen vor, schließt für die laufenden drei Monate Wachstum allerdings aus. Vor allem die anhaltende Schwäche im Markt für Computer in Schul- und Bildungseinrichtungen mache dem Unternehmen zu schaffen, meint der Finanzvorstand. Für den Handelsverlauf zum Ende der Woche dürften die Ergebnisse von Apple aber weniger von Belang sein als die Fachmesse "MacWorld", die am Mittwochmorgen in New York ihre Tore öffnet. CEO Steve Jobs wird noch vor Handelsbeginn zu Usern, Analysten und Medien sprechen.

Größter Verlierer am späten New Yorker Abend war aber der Handy-Herstellers Motorola. Die Aktie gab den größten Teil ihrer Tagesgewinne ab, nachdem das Unternehmen den größten Quartalsverlust seiner Geschichte gemeldet hatte. Zwar schnitt man nach Abzug der außergewöhnlichen Kosten leicht über den Erwartungen ab, doch bilanziert man unterm Strich einen Verlust von 3,4 Mrd. $ oder 1,02 $ pro Aktie.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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