Wall Street: Nachbörslich notiert
Kolumne: Die Terror-Angst kehrt zurück

Eine der ereignislosesten Wochen des Jahres neigt sich dem Ende zu. Nach einigen mehr oder weniger nachrichtenfreien Tagen schnitten in denen die großen US-Indizes unterm Strich mit Gewinnen ab.

NEW YORK. Doch am Donnerstag melden sich mit dem Netzwerker Ciena, dem Chiphersteller Marvell und dem-Zulieferer Novell sowie den Buchhandelsketten Barnes & Noble und Borders zumindest eine gute Handvoll Unternehmen - auch wenn sich deren Zahlen kaum marktbreit auswirken dürften.

Doch was wirkt sich heutzutage schon aus? Die Einschätzung eines Fed-Präsidenten, der eher belanglos aber immerhin mit leichtem Optimismus spricht, hatte am Mittwoch durchaus ihren Anteil an einer späten und bescheidenen Nachmittagsrallye. Die Angst einiger Investoren vor neuen Terrorangriffen hatte hingegen am Morgen den Markt getrübt, dabei war auf dem Flughafen in Miami nur ein wenig Baustaub in die Klimaanlage geraten und hatte Passagiere husten gemacht.

Letzteres beweist übrigens, dass der Markt doch auch ärger auf den bevorstehenden 11. September reagiert als erwartet. Vor Miami hatten schon drei weitere Meldungen für Unsicherheit auf dem Parkett gesorgt: In einem Hotel hatte man weißes Puder fälschlicherweise für Anthrax gehalten, auf der New Yorker George-Washington-Bridge hatte man einen verdächtigen Koffer gefunden und in Nairobi wurde ein Flugzeugabsturz gemeldet, der aber auch keinen besorgniserregenden Hintergrund hatte.

Weitere nervöse Reaktionen des Marktes auf unvorhersehbare Meldungen können für die nächsten Wochen also nicht ausgeschlossen werden. Im Gegenteil: Es ist sehr wahrscheinlich, dass übertriebene Kursverluste - zumindest kurzfristig - zunehmen.

Allerdings sehen Experten auch außerhalb des Themenkomplexes Terror einige Gründe, warum man noch nicht voreilig in den Markt einsteigen sollte. Der Aktienguru Laszlo Birinyi sieht wohl, dass sich der Markt zu erholen scheint - doch kann er keine Branche ausmachen, die eine Führungsrolle übernehmen könnte. Große Einsätze würde er nicht wagen, sagt er. "Sicher ist jetzt ein besserer Einstiegszeitpunkt als noch vor einem Jahr oder vor einem Monat", so Birinyi. "Der Optimismus im Markt ist aber stark übertrieben."

Allerdings ist auch nicht damit zu rechnen, dass die Indizes ihre jüngste Kletterpartie auf dramatische Weise fortsetzen werden. Schon am Donnerstag dürfte der Dow wieder im Minus eröffnen, was an Verlusten für JP Morgan liegen würde. Die Experten der Rating-Agentur Moody?s haben am Mittwoch nach Börsenschluss angekündigt, man würde unter Umständen die Kreditwürdigkeit der zweitgrößten US-Bank abstufen. Eine ähnliche Drohung kam bereits in der vergangenen Woche vom Konkurrenten Standard & Poor?s.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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