Wall Street: Nachbörslich notiert
Kolumne: EMC warnt, Alcoa meldet

"Choppy" nennt man an der Wall Street den Handel, wenn er so aussieht wie in diesen Tagen. Der Ausdruck kommt von "to chop", also "abhacken", und spricht der Experte von einem "choppy market", dann heißt das, dass es steil auf und ab geht als würde da einer mit dem Messer auf einem Rettich herumhacken.

Warum ist der Markt "choppy"? Weil er nicht weiß wohin. Der Markt schlägt launisch aus. Geht es einmal ein paar Punkte runter, dann stehen die Schnäppchenjäger bereit, geht es dann wieder ein paar Punkte hoch, dann heißt es Gewinne mitnehmen. Den Börsen fehlt die Richtung, weil zahlreiche Meldungen aufs Parkett prasseln, die keine klaren Schlüsse zulassen. In dieser Woche fielen die Einkaufsmanagerindizes für das Produzierende Gewerbe unerwartet schwach aus, der Index für den Servicebereich notiert hingegen über den Erwartungen.

Ähnlich konfus präsentiert sich der Arbeitsmarkt: Mehr Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung und die Zahl der Langzeitarbeitslosen auf einem 19-Jahres-Hoch deuten auf eine hohe Arbeitslosenquote hin, und die wird den Handel nach Veröffentlichung am Freitagmorgen mitbestimmen. Eine Untersuchung des privaten Marktforschungsinstituts Challenger, Gray & Christmas will aber von Neueinstellungen auf dem höchsten Stand seit mehreren Monaten wissen. Zum Wochenschluss gibt?s Aufklärung.

Abgesehen von den Nachrichten aus dem konjunkturellen Umfeld darf eine Prognose schon gewagt werden: Erneut dürfte es mit den Chip-Werten und damit mit zahlreichen weiteren Papieren der High-Tech-Branchen abwärts gehen. Der Halbleiterriese EMC hat am Donnerstagabend nachbörslich eine Gewinnwarnung ausgesprochen. Man rechnet nicht länger damit, die Prognosen des Marktes erfüllen zu können, ein Verlust von 2 Cent pro Aktie dürfte unterm Strich stehen. Das Management hat erklärt, das abgelaufene Quartal habe bis Anfang September im Rahmen der Erwartungen gelegen, erst dann sei es bergab gegangen - das ist genau der Trend, den zahlreiche Warner immer wieder gesehen hatten.

Ebenfalls am Donnerstagabend gab EMC bekannt, noch einmal 7 % der Belegschaft zu entlassen, um Kosten zu sparen. Dass das Management im gleichen Zug einen Aktienrückkauf mit einem Volumen von 250 Millionen Papieren ankündigt, wird nicht unbedingt als ungebremster Optimismus gewertet, sondern eher als krampfhafte Anstrengung, den totalen Kursverfall zu bremsen. EMC hat seit Jahresbeginn gut 75 % seines Börsenwertes verloren.

Neben weiteren Warnungen und Vorankündigungen wird es zum Wochenschluss noch eine richtige Quartalskonferenz geben. Der Alu-Riese Alcoa eröffnet traditionell als erster Dow-Wert die Ertragssaison. Analysten rechnen mit einem Quartalsplus von 26 Cent pro Aktie.

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