Wall Street: Nachbörslich notiert
Kolumne: J.P. Morgans Warnung überschattet High-Tech-Zahlen

NEW YORK. Ein paar Tage lang hatte die Irak-Krise samt eines drohenden Krieges alle Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen - für andere Branchen und Probleme interessierte man sich fast nur noch am Rande. Das dürfte sich im Mittwochshandel schlagartig ändern. Denn eine Gewinnwarnung von JP Morgan könnte den ohnehin unsicheren wirtschaftlichen Aufschwung in den USA stark gefährden.

Das Management der zweitgrößten US-Bank hat am Dienstag nachbörslich ein Quartals-Update vorgelegt, nachdem man zwar an der Dividende festhalten will, aber einen trüben Ausblick auf die aktuelle Performance gibt. Im laufenden dritten Quartal werden man deutlich weniger verdienen als in den drei Monaten zuvor, bekannte CEO William B. Harrison. Dies liege vor allem an den hohen Kreditverlusten, die man im Zusammenhang mit einigen Pleiten in der Telekom - und Kabelbranche einstecken musste.

Dass einige illiquide Unternehmen ihre Verbindlichkeiten noch nicht oder vielleicht gar nicht zurückzahlen könnten, hat zweierlei Folgen. Die kleinere ist sicher, dass JP Morgan eine Menge Geld entgeht. Die größere ist, dass sich nicht nur dieses eine Institut, sondern auch alle Konkurrenten vom marktdominierenden Branchenriesen Citigroup über internationale bis hin zu regionalen Wettbewerbern ihre Richtlinien zur Kreditvergabe anziehen werden. Damit dürften zahlreiche Unternehmen enorme Schwierigkeiten haben, im Falle einer wirtschaftlichen Erholung zu expandieren, der Aufschwung wäre gebremst bevor er begonnen hat.

Diese Nachricht dürfte den Mittwochshandel belasten und vielleicht sogar die einigermaßen guten Nachrichten von Oracle überschatten. Auf die Quartalsergebnisse des zweitgrößten Software-Programmierers hatte man am Dienstagabend gespannt gewartet - und ohne viel Optimismus. Die Aktie hatte vor der Schlussglocke noch fast 3 % abgegeben. Doch dann meldete das Unternehmen in Höhe der Erwartungen, zumindest was den Gewinn pro Aktie angeht. Die Umsätze in Verkäufen und Lizenzierungen sind seit dem vergangenen Jahr erneut dramatisch gefallen.

Ebenfalls in Höhe der Prognosen beendete der Software-Hersteller Red Hat sein Quartal. Das Unternehmen schaffte vor Abzug außergewöhnlicher Kosten den Break-Even. Unterm Strich bleibt zwar ein Minus von 471 000 $ bei einem Umsatz von 21,2 Mio. $, doch ist es das Zeichen, das Investoren zunächst versöhnt. Die Aktie machte nachbörslich einen Teil ihrer Dienstagsverluste gut.

Den Handel mit den High-Tech-Werten dürfte unterdessen vor allem die "Book-to-Bill-Ratio" beeinflussen, die am Mittwoch vorgelegt wird. Sie gibt das Verhältnis zwischen Auftragseingängen und ausgelieferten Produkten wieder und ist ein anerkannter Indikator für das Wohl und Weh der Branche. Weitere wichtige Marktdaten wären die Verbraucherpreise sowie das Realeinkommen der Amerikaner, von Unternehmensseite melden sich der Elektronik-Händler Circuit City, das Brokerhaus Bear Stearns sowie Nike, Darden Restaurant und General Mills zu Wort.

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