Wall Street: Nachbörslich notiert
Kolumne: Noch mehr Warnungen und Personalien

Rod Smyth hat das ganz richtig erkannt. "Für Anleger mit kurzem Zeithorizont ist das ein sehr schwieriger Markt", sagte der oberste Investment-Stratege von Wachovia Securities am Mittwochabend.

NEW YORK. Das ist nicht unbedingt neu, denn längst hat auch der verschlafenste Anleger gemerkt, dass auf die Schnelle kein Geld zu machen ist - weder mit Finanzaktien, noch mit High-Tech, weder mit den Zyklikern noch mit Konsumtiteln. Mit High-Tech vielleicht am allerwenigstens, denn nirgends sind Anleger derart empfindlich geworden, nirgends ist die Volatilität höher. Das ist nachvollziehbar, denn in diesem Bereich passieren solche Dinge wie eine nachbörsliche Warnung von Electronic Data Systems (EDS). Das Unternehmen weist noch einmal darauf hin, dass die IT-Investitionen amerikanischer Unternehmen wirklich schwach sind, und dass man daher enorme Umsatzeinbrüche zu befürchten hätte. Man geht bei EDS davon aus, die gesteckten Ziele im dritten und vierten Quartal nicht erreichen zu können. Die Aktie verlor im nachbörslichen Handel mehr als 30 %.

Konkurrent IBM ließ das nicht kalt. Die Aktie des Dow-notierten Hardware-Riesen verlor mehr als 5 % und war eine der meistgehandelten Aktien auf den virtuellen Plattformen.

Nebenbei machten nachbörslich auch einige Personalien die Runde. Merrill Lynch hat am späten Mittwochabend zwei Mitarbeiter entlassen - was nicht weiter ins Gewicht fallen würde. Doch handelt es sich um den Vize-Chairman Thomas W. Davis und um Schuyler Tilney, einen Investmentbanker aus Houston, der unter anderem mit Enron zu tun hatte. Beide hatten in den Untersuchungen von Justizministerium und Börsenaufsicht SEC in Sachen Enron die Aussage verweigert. Die Aktie von Merrill Lynch verlor nachbörslich - wahrscheinlich fürchten Investoren, die beiden könnten ein ähnlich absurdes Abfindungspaket bekommen wie es zuletzt in Wall Street-Kreisen üblich geworden ist.

Die wichtigste Personalie am Donnerstag dürfte sich um Dennis Kozloswski drehen. Der ehemalige Tyco-Chef wird morgen seinen ersten Tag hinter Gittern verbringen, wenn es ihm nicht gelingt, 10 Mio. $ Kaution herbeizuschaffen. Für den milliardenschweren Ex-CEO wäre das eigentlich kein Problem, doch haben die Behörden seine Konten gesperrt und man tuschelt, Kozlowski könne nicht einmal mehr zum Geldautomaten gehen, um sich 20 $ zu ziehen.

Gegen Ende der Woche stehen noch einige Ereignisse an, die den Handel an der Wall Street beeinflussen könnten. Zum einen trifft sich am Donnerstag die OPEC, um über die Ölfördermengen zu verhandeln und damit indirekt über den Ölpreis. Experten rechnen vor dem Meeting nicht damit, dass die OPEC-Staaten die Fördermengen erhöhen werden. Ein daraus resultierender steigender Ölpreis, der angesichts eines drohenden Irak-Krieges ohnehin wahrscheinlich ist, würde den Dollar im Vergleich zu den internationalen Währungen schwächen und der US-Konjunktur herbe Probleme machen.

Ebenfalls am Donnerstag stehen Zahlen aus der Baubranche und aus dem Arbeitsmarkt an, außerdem legt die Philadelphia Fed ihren Bericht für September vor, der vor allem über den Zustand des produzierenden Gewerbes Aufschluss geben soll.

Spannend dürfte die Entwicklung des Handelsvolumens sein. Das war zuletzt dauernd schwach, doch am Freitag ist dreifacher Hexensabbat und angesichts auslaufender Futures und Optionen wird Liquidität frei.

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