Wall Street: Nachbörslich notiert
Kolumne: Schnäppchen-Jäger und -Sammler

Heute hui, morgen pfui? - noch nicht mal das. Was Investoren am Mittwoch mit überraschender Begeisterung gekauft hatten, war im inoffiziellen Handel am Abend schon wieder uninteressant geworden. Die drei großen Indizes gaben nach Börsenschluss leicht aber spürbar ab.

NEW YORK. Überraschend ist das nicht, war doch die Kletterpartie am Mittwochnachmittag viel eher aus wenig heiterem Himmel gekommen. Nach einem Wochenauftakt mit einem historischen Minus von mehr als 4 % für die großen Indizes, hatten viele den Markt auf einem ersten Schritt in Richtung Kapitulation gesehen, darunter der anerkannte Chart-Techniker Paul F. Desmond. Der hatte am Mittag darauf verwiesen, dass die Märkte ein Abwärts-Volumen von mehr als 90 % gezeigt hätten, und dass - entgegen anderslautender Kommentare seitens der Investmentbanker - einen nachhaltigen Aufschwung nicht ohne mindestens fünf solcher Tage gebe. Diese nämlich, geprägt von Panik und dem Willen, alles hinzuwerfen, seien, die Grundvoraussetzung für eine Bodenbildung.

Wann diese kommt sollte indes auch nach dem verspäteten Wochenauftakt und den Verlusten des ersten Septembertages so unklar bleiben wie zuvor. Je eher desto besser, denn über den Schmerz über plötzliche starke Verluste dürften Anleger schneller hinwegkommen als um den schleichenden Verfall der vergangenen 3 Jahre.

Dass auch in der Tat nicht ausreichend Optimismus im Markt ist, beweist eben der Kursverfall am späten Mittwoch. Nur wenige Aktien konnten an ihre Tagesgewinne anknüpfen - interessanterweise notiert unter diesen auch der Chip-Riese Intel. Bereits vier Analystenhäuser haben die Gewinnprognosen für das Branchenschwergewicht reduziert, allein, einen Tag vor dem anstehenden Quartals-Update zeigen sich Anleger nun doch optimistisch. Oder sehen sie den Chipriesen ungeachtet anhaltender Schwäche einfach auf dem tiefsten Stand seit Jahren und können - der Mensch ist nun mal Schnäppchen-Jäger und-Sammler - dem Angebot nicht widerstehen. Intel für 16 $, das ist schon verlockend...

Weitere Einschätzungen über das Schicksal von Intel und dem Rest der Branche dürften den Handel am Donnerstag ebenso beeinflussen wie ein paar Konjunkturdaten, die im Laufe des Vormittags verlesen werden. Darunter ist der Einkaufsmanagerindex über das Dienstleistungsgewerbe, darunter sind auch die revidierten Zahlen zu Produktivität und den Fabrikbestellungen.

Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung dürfte sich auf den Markt hingegen kaum auswirken, nachdem man bereits am Dienstag Entlassungen auf einem historischen Hoch zur Kenntnis nehmen musste und außerdem auf den großen Arbeitsmarktbericht am Freitag wartet, der laut Expertenmeinung eine Arbeitslosenquote von 6 % oder mehr beinhalten könnte.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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