Wall Street: Nachbörslich notiert
Kolumne: Wie lange werden schlechte Nachrichten ignoriert?

Mit schlechten Nachrichten hatte die Woche begonnen, und dennoch kletterten die drei großen US-Indizes um jeweils 2,4 %. Damit tat die Wall Street weiterhin, was Ted Weisberg, Präsident von Seaport Securities, schon am Freitag erkannt hatte - sie ignoriert was nicht ins Konzept der guten Laune passt.

Ein Wochenstart mit dreistelligen Gewinnen kann sich sehen lassen, zumal die US-Börsen schon vier Wochen mit Punktgewinnen hinter sich haben und sich Dow und Nasdaq beeindruckend ruhig und gleichmäßig nach oben schieben - der Dow Jones übrigens immer näher an die mittlerweile schon wieder magische Grenze von 9 000 Punkten.

Dass einzelne Aktien am späten Montag im nachbörslichen Handel einen Teil ihrer Gewinne wieder abgaben, ist nicht überraschend. Vor allem zahlreiche Technologie-Titel, die im Tagesverlauf um bis zu 5 % zugelegt hatten, waren Anlegern offensichtlich zu heiß. Kein Wunder: Noch am Morgen hatten die Experten der Bank of America pessimistisch zum Chip-Sektor gesprochen und die Aktien der Chip-Ausrüster für alles andere als kaufenswert gehalten. Die Analysten von UBS Warburg und Salomon Smith Barney hatten die Gewinnerwartungen für die Unternehmen im S&P 500 zurückgefahren, und so taten sich Beobachter ohnehin schwer, die Montagsgewinne zu erklären.

Auch im nachhinein fällt das schwer. Denn was einige Händler sagen - auf konjunktureller Seite gelte in dieser Woche: Keine Nachrichten sind gute Nachrichten - ist nicht guten Gewissens zu unterschreiben. Das wäre sicherlich der Fall, wenn der Markt auf einer Welle des Optimismus surfen könnte, doch auch den hat man vielmehr in den Markt gedrückt als dort gefunden. Und dass Anleger nach einigen hektischen und ereignisreichen Wochen in diesen Tagen erstmals Zeit haben, einen Haufen Nachrichten zu verarbeiten und zu analysieren, ist auch nicht unbedingt ein Plus für den Markt.

Beispielsweise könnte man nämlich darauf kommen, dass es alles andere als ein gutes Zeichen ist, wenn Wal-Mart und Federated schwach melden und nur die Schnäppchenmärkte über den Erwartungen liegen. Oder man könnte über die Tatsache stolpern, dass das Handelsvolumen an NYSE und Nasdaq seit Tagen sommerlich flach ist, und dass die jüngsten Kursgewinne daher nicht zwingend von Dauer sein müssen.

Bis in ein paar Tagen, wenn die Masse wieder an die Börse zurück kommt, dürften einige zu der Überzeugung gelangen, dass die Kurse wieder zu schnell zu hoch gestiegen sind - wie das schon einmal der Fall war in den Wochen nach dem 11. September. Das ist nun fast ein Jahr her, die Verluste nach einer zunächst überraschend starken Rallye hat man aber nicht vergessen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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