Wall Street: Nachbörslich notiert
Konjunkturretter Amazon.com?

Am Donnerstagmorgen hatte es so ausgesehen, als reagiere der Markt gar nicht mehr auf schlechte Nachrichten: Trotz schwacher Ausblicke einiger Unternehmen, trotz möglicher Skandale bei AOL und Tyco handelte die Wall Street munter im Plus, erst am Nachmittag ging es in den Keller, und daran war freilich Saddam Hussein Schuld.

NEW YORK. Dass der irakische Diktator internationale Journalisten des Landes verwiesen hat, macht Anlegern offensichtlich Sorgen - zu nah wähnt man die USA einem Krieg. Dieser wäre eine Gefahr für die nach wie vor schwachen Märkte, aber nicht die einzige. Ein schwaches viertes Quartal ist nicht der Albtraum unverbesserlicher Pessimisten, im Gegenteil: Zahlreiche Unternehmen aller Sektoren haben bereits ihre Prognosen für Q4 und das Gesamtjahr revidiert, und auch die Konjunkturdaten lassen auf eine rasche Erholung längst nicht mehr hoffen.

Daran trägt mittlerweile der Verbraucher zumindest eine Teilschuld. Hatte man Otto Durchschnitts-Amerikaner direkt nach der Rezession noch als den Retter der Konjunktur gefeiert, so werden mittlerweile Zweifel an dessen wirklicher Stärke laut. Das Verbrauchervertrauen notiert auf einem historisch niedrigen Niveau, die Konsumausgaben sinken und die Immobilien- und Automobilblasen warten nur auf das große Platzen.

Doch da springt Amazon dem Markt zur Seite, und der weltgrößte Online-Einzelhändler zeigt Investoren, was ein selbstloser Einsatz für die Konjunktur ist. Das Unternehmen hat das abgelaufene Vierteljahr mit einem Break-Even beendet, damit besser als Analysten erwartet hatten - und nur, weil man in fast altruistischer Güte portofreien Versand auf alle Sendungen ab einem Warenwert von 25 $ gewährleistet. Das ist teuer, gibt CEO Jeff Bezos unumwunden zu, doch will man an dem Konzept festhalten. "Wir werden auch durch die Weihnachtssaison portofrei senden", verspricht er. Denn das Konzept bringt der Website das Interesse zahlreicher Neukunden. Die bringen zwar wenig Gewinn, aber dafür einen Haufen Umsatz.

Volkswirtschaftler wissen nun, dass starker Umsatz der Konjunktur mehr Gutes tut als ein gewisser Verlust einem Unternehmen schadet. Bei Amazon.com ist die Situation ohnehin nicht so wild, immerhin hat man sich auf eine ausgeglichene Bilanz gerettet. Kauflust hat man indes mit Erfolg geweckt, und die dürfte dem Buch-, Musik- und Filmversand im kommenden Quartal Gewinne bescheren. Man rechnet mit einem weiteren Umsatzplus von 10 % und dem Sprung in die Profitabilität.

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