Wall Street: Nachbörslich notiert
Kracher, Böller, Blindgänger

Es war eine kurze Börsenwoche an der Wall Street, und sie endete mit einem Feuerwerk. Zwar nicht unbedingt mit einem Kursfeuerwerk - dagegen lässt sich fast wetten -, doch mit einem Reigen von Konjunkturdaten. In den vergangenen Handelstagen hatte Anlegern stets die Orientierung von gesamtökonomischer Seite gefehlt, endlich gibt es wieder Zahlen.

Neues wird es geben zum Verbrauchervertrauen, zur Produktivität, zu Bestellungen in der Industrie und zum Index der Einkaufsmanager in der Region Chicago. Doch wenngleich jeder einzelne dieser Marktfaktoren in der Vergangenheit Märkte ins Rutschen bringen oder zu Kletterpartien animieren konnte, so ist damit am Freitag nicht zu rechnen. Zu gering ist während der ganzen Woche das Handelsvolumen, und die Erwartungen im Vorfeld sind mehr als bescheiden:

Das Verbrauchervertrauen, dass die Universität Michigan zuletzt auf einen Indexstand von 96 Punkten ermittelt hatte, soll auch im Mai so geblieben sein. Für die Produktivität sehen Analysten ein Plus von 8,6 %, genau wie im Vormonat. Den Einkaufsmanagerindex sieht man vorab sogar fallen, wenngleich nur minimal und ungefährdet im Rahmen der Expansionszone. Und auch die Bestellungen im produzierenden Gewerbe sollen nicht mehr so stark angestiegen sein wie im Vormonat. Kracher und Raketen könnten am New Yorker Morgen als Blindgänger enden.

So liegt die Verantwortung um das Marktgeschehen wieder in den Händen von Unternehmen und Analysten - wo es zuletzt unruhig schlummerte. Besonderes Augenmerk dürften Anleger erneut der High-Tech-Branche schenken, die seit Wochen die Erfolge anderer Branchen überschattet und die Indizes ins Minus zwingt. Und über Nacht gibt es keine guten Nachrichten - im Gegenteil: Palm, der Hersteller kleiner Taschencomputer, warnt vor dem zweiten Quartal. Man werde weder im Umsatz den ursprünglichen Prognosen gerecht, noch werde man sein Ziel der Profitabilität erreichen. Schwarze Zahlen - später vielleicht. Die Aktie von Palm verlor schon am Donnerstag im nachbörslichen Handel 17 %, Konkurrent Palm ging gleich mit in den Keller und sogar der zuletzt stabilere Wettbewerber Research in Motion gab ab.

So könnte zum Wochenabschluss ein Spiegelbild üblicher Handelstage entstehen: Die Minis drücken die Großen ins Minus, die Taschencomputer stecken die High-Techs in den Sack. Doch die haben ohnehin schon lange kein Licht mehr gesehen und dürften sich an diesen Zustand gewöhnt haben.

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