Wall Street: Nachbörslich notiert
Micron vertreibt den Sonnenschein über „Palmen“

Die US-Börsen dürften heute so fortfahren, wie sie gestern schlossen: unbeeindruckt von allgemeinen Konjunkturdaten. Insbesondere die Nasdaq droht weiter abzustürzen.

NEW YORK. Am Dienstag waren es einmal mehr die High-Tech-Aktien, die die US-Börsen in den Keller drückten, dabei hatte es noch am Morgen gute Nachrichten seitens einiger Unternehmen der Großindustrie gegeben - und die hatten früher einmal den Ton angegeben an der Wall Street. Nun scheint es, als machten die weiter schwache PC-Nachfrage und betrübliche Aussichten für Netzwerker und Telekom-Unternehmen den Anlegern mehr Sorgen, als Wachstumsprognosen für Alu- und Chemie-Konzerne wieder wettmachen könnten.

Entsprechend sind es Meldungen eben aus dem High-Tech-Bereich, auf die Anleger weiter mit einem Fünkchen Hoffnung warten - immerhin sind sie es gewohnt, die entsprechenden Aktien als Wachstumswerte zu sehen. Am späten Dienstagabend kamen nun einige erfreuliche Nachrichten. Zum Beispiel von Palm: Der Hersteller von Taschencomputern und elektronischen Notizbüchern, den so genannten Organizern, hat die Erwartungen der Analysten im abgelaufenen Quartal geschlagen, und zwar in bezug auf Gewinn und Umsatz. Vor allem letzteres lässt Investoren aufhorchen - und kaufen. Die Aktie verbesserte sich nachbörslich um 3 %.

Auch 3Com, einst Muttergesellschaft von Palm, legt am späten New Yorker Abend deutlich zu. Um 8 % geht es für die Aktie nach oben, nachdem das Unternehmen statt einem prognostizierten Verlust von 2 Cent einen Gewinn von 4 Cent vorgelegt hat. So sah es eine Zeit lang wieder ganz gut aus für die Nasdaq, die sich vom Dienstags-Tiefschlag ein wenig zu erholen schien... doch dann meldete sich der Chiphersteller Micron zu Wort.

Der zweitgrößte Produzent von Speicherchips hat nicht nur die Gewinnerwartungen drastisch verfehlt und statt der erwarteten sechs Cent ein Minus von 4 Cent erwirtschaftet, sondern auch im Umsatz gepatzt. Statt erwarteter 908 Mio. $ liefen gerade einmal 771 Mio. $ durch die Bilanz - enttäuschend für Analysten und Anleger in einem zur Zeit äußerst sensiblen Markt. Dass Aktien von Micron im Laufe des Abends fast 10 % an Wert einbüßten, kam nicht überraschend, und es macht den Weg frei für weitere High-Tech-Verluste am Mittwoch, die die Nasdaq endgültig unter das September-Tief drücken dürften.

Daran dürfte auch Alan Greenspan nichts ändern. Am Mittwoch geht gegen 14 Uhr (Ortszeit, 20 Uhr MESZ) das zweitägige Meeting der Notenbank Fed zu Ende, und der Chairman wird sich wieder einmal eher allgemein zu den Aussichten für die US-Konjunktur äußern. Das diese so schlecht nicht sind, dass die Zinsen noch eine ganze Weile auf dem 40-Jahres-Tief von 1,75 % bleiben werden, das sind alte Hüte - und mehr wird Greenspan wohl auch nicht rauslassen. Einen Ausblick auf das zweite Halbjahr erwarten manche Anleger, schließlich ist es das Juni-Treffen der Fed und damit der rechte Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz, doch kann diese unabhängig von ihrem Tenor den Markt zur Wochenmitte bestimmt nicht stärken. Ebenso wenig übrigens wie Zahlen zur Bestellung langfristiger Güter. Notieren diese stark, dürften erneut einige Zykliker profitieren. Was das für den Handel bedeutet (siehe Dienstag): Nichts!

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