Wall Street: Nachbörslich notiert
„Morgen“ ist Ende September

Börsentäglich um 16 Uhr plagt Anleger und Analysten vor allem eine Frage: Was passiert morgen? Gestern war das anders, die große Frage lautet nachbörslich: Was passiert am 24. September?

Da tagt wieder die Notenbank, und zahlreiche Experten hatten schon auf eine Zinssenkung im September-Meeting gewettet, bevor Alan Greenspan bestätigte, dass man im August zunächst noch am aktuellen Leitzins von 1,75 % festhalten wolle.

Kommt die Zinssenkung im September, und wenn ja: Was bringt sie? Seit Monaten wurde die Politik der Fed nicht mehr so kontrovers diskutiert wie in diesen Tagen. Experten sind sich nicht nur über die Entscheidungen der Fed uneinig, sondern auch über deren Interpretation. Hilft ein Leitzins von 1,5 % dem Markt?

Oder muss Greenspan auf 1,25 % kürzen? Würde die Notenbank bei zu schnellen Zinsschritten Panik auslösen? Viele Meinungen werden diskutiert, niemand erhebt mehr Anspruch auf Objektivität - denn außer der Zinspolitik sind zu viele Unbekannte offen.

Den Kurssturz nach der Greenspan-Rede vom Dienstagmittag schreibt zum Beispiel William Ford gar nicht der Fed zu. Der ehemalige Präsident der Atlanta Fed sieht Anleger vor allem vor dem Hintergrund anhaltender Terror-Angst und zweier militärischer Krisenherde zurückschrecken. Außerdem stehe die Börse nach wie vor unter dem Fluch der Vertrauenskrise nach den Bilanzbetrügereien der vergangenen Monate.

Ist das so? - Möglich. Ford rechnet fest damit, dass auch bei den Unternehmen Bilanzbomben platzen, die bisher als unschuldig und sauber gelten. Denn diese haben umstrittene Bilanzprüfer wie Arthur Andersen gefeuert und durch neue Agenturen ersetzt. Was die in den Abrechnungen der vergangenen Quartale und Fiskaljahre finden, könnte die Wall Street noch einmal erschüttern, so

Apropos Bilanzen: Die lange erwartete und viel diskutierte Deadline am Mittwoch, die Vorstandsvorsitzende und Finanzchefs der größten US-Unternehmen zwingt, ihre Bilanzen persönlich zu unterschreiben und Verantwortung für deren Richtigkeit zu übernehmen, dürfte den Markt nicht beeinflussen.

Und das ist nur gut so, denn was manche CEOs seit Tagen voller Stolz ankündigen, nämlich zu ihren Bilanzen zu stehen, ist nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit. Lediglich Unternehmen, deren Manager sich weigern, die Bilanzen zu unterschreiben, dürften kritisch ins Visier genommen werden.

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