Wall Street: Nachbörslich notiert
Nach Intel die Sintflut – oder zumindest der Einbruch?

Ach, wie klingt das schön nach den Wochen des Schmerzes: 1000 Punkte in vier Tagen, 1000 Punkte ... doch jetzt ist wohl Schluss.

wsc NEW YORK. Auf einer Welle der Euphorie ritten die US-Aktien tagelang zu neuen Höchstständen, doch selbst Optimisten konnten nicht übersehen, dass die Rallye auch technische Gründe hatte. Schnäppchenjäger hielten sich die Waage mit Short-Sellern, die ihre Positionen löschen mussten, und ein paar gute Nachrichten um höhere Gewinne zu Beginn der Ertragssaison befeuerten die Kauflaune zusätzlich.

Am Abend zerstörte dann Intel die rosa Brille. Der Chip-Gigant, den die meisten Analysten im Vorfeld so optimistisch betrachtet hatten, verfehlte im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten. Zwar lag man beim Umsatz einigermaßen im Rahmen der Prognosen, doch weist das Unternehmen einen Gewinn von 11 Cent pro Aktie aus, erwartet hatte man ein Plus von 13 Cent. CEO Craig Barrett wies bei der Konferenz am späten Dienstagabend darauf hin, dass man die Kapitalinvestitionen weiter zurückschrauben würde, was im Mittwochshandel nicht nur der Intel-Aktie, sondern dem ganzen Chipsektor, den Zulieferern und anderen Computer- und High-Tech-Titeln einen herben Schlag versetzen dürfte.

Zu den Verlierern im späten Dienstagshandel gehörten dann auch bereits einige der Tech-Riesen. Der Dow-Wert IBM verlor fast 4 %, obwohl sich die Experten von Sound-View Technology eben noch optimistisch über die Zahlen von "Big Blue" geäußert hatten - die werden am Mittwoch vorgelegt. Ähnlich erging es Microsoft; der Software-Konzern gab nach der Glocke 4 % ab, obwohl Goldman Sachs erklärt hatte, das Unternehmen dürfte die Erwartungen wohl treffen. Microsofts Zahlen werden am Donnerstag bekannt.

Noch zahlreiche weitere High-Techs werden in den nächsten Tagen melden, darunter die Intel-Konkurrenten EMC und AMD, die Zulieferer Lam Research und PMC Sierra, der Computerhersteller Apple sowie die Softwareschmieden Siebel Systems und Peoplesoft. Wenn die den schwachen Intel-Trend bestätigen, dann dürfte noch ein weiterer Sektor in die Miesen gerissen werden: Der Elektronik-Einzelhandel. Michael McCallun, Analyst bei Pacific Crest, befürchtet jetzt schon, dass die Computernachfrage weiter schwach bleiben wird.

Einen großen Gewinner dürfte es im Mittwochshandel aber geben, der über die roten Zahlen der High-Techs nur lachen und dann davon brettern kann: Harley Davidson. Der legendäre Motorradhersteller hat den Umsatz gewaltig erhöht und die Gewinne um 48 % nach oben geschraubt. Mit einem Anteilsplus von 54 Cent liegt man deutlich über den Erwartungen der Wall Street - wie immer, eben. Das Management sieht weiter eine stabile Nachfrage nach den röhrenden Maschinen und setzt die Produktionsziele für das Gesamtjahr und für 2003 nach oben.

Viele Anleger dürften sich zur Wochenmitte nach einer Harley sehnen. Denn was gebe es Schöneres als angesichts fallender Kurse einfach auf das Stahlross zu steigen und in den Sonnenuntergang zu brettern.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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