Wall Street: Nachbörslich notiert
Neues Spiel, neues Glück

Welch bittere Bilanz: Der September ist zu Ende und er hat seinem Ruf alle Ehre gemacht, im Kalender der schlechteste Börsenmonat zu sein.

Auf Monatssicht hat der Dow 13 % verloren, die Nasdaq 11 % und der branchenübergreifende S&P 500 12



% - doch war das alles nur eine "self-fulfilling prophecy"? Eine üble Prophezeiung, die nur deshalb wahr wird, weil sich alle vor ihr fürchten und entsprechend handeln?

Wohl kaum. Sicher, man hatte den Monat schon verteufelt, bevor der August sich verabschiedet hatte, und man war alles andere als optimistisch in den Handel gegangen. Doch zum einen war das keine reine Monats-Tendenz, sondern nur die Fortführung eines Abwärtstrend der vergangenen Monate. Auf das dritte Quartal bezogen belaufen sich die Verluste auf 17 % für den Dow, 20 % für die Nasdaq und 18 % für den S&P 500. Soviel zum Blick zurück.

Und auch mit Blick nach vorne gab es eine ganze Reihe Fakten von Seiten der Unternehmen und aus dem konjunkturellen Umfeld, die darauf hindeuteten, dass eine Erholung der US-Märkte tatsächlich nicht bevorsteht. Mit Sicherheit jedenfalls nicht in den kommenden Wochen und Monaten und mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch nicht im Jahr 2003.

Schon in den nächsten Tagen dürften das viele Beobachter zugeben, wenn die Unternehmen ihre Quartalszahlen vorlegen. Im Vorfeld haben die Experten von Thomson Financial ein Verhältnis von negativen zu positiven Vorankündigungen bei 2,2 festgestellt. Im vorangegangenen Quartal hatte es noch bei 1,2 notiert. Einen schlechteren Wert als den Aktuellen hatte man zuletzt im vierten Quartal des Vorjahres, als die US-Wirtschaft in die Rezession steuerte.

Wie schlecht es wirklich um die US-Unternehmen sieht, das wird sich in den Tagen und Wochen nach Freitag zeigen, wenn die meisten der Unternehmen im S&P 500 ihre Bücher öffnen. Der Dow-notierte Stahlriese wird am Freitag den Anfang machen, am selben Tag wird der Arbeitsmarkt vorgelegt, für den Experten zwar immer noch einigermaßen optimistisch sind, der sich aber umso dramatischer auswirken könnte, wenn die Arbeitslosenquote doch auf oder über 6 % klettert. Nach den jüngsten Entlassungen und dem wöchentlichen Blick auf die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung muss man sich auf dem Parkett auf alles gefasst machen.

Doch noch ist nicht Freitag, zuvor stehen weiter Daten an. Am Dienstag und Mittwoch werden die Automobil-Konzerne zu ihren September-Verkäufen Stellung nehmen, ferner gibt es einen Blick auf den ISM Index zum Verarbeitenden Gewerbe und zum Dienstleistungssektor.

Unterm Strich werden sich vor Beginn der Ertragssaison viele die Oktoberlosung "Neues Spiel, neues Glück" vorschreiben, und wem das zu sehr nach Kasino klingt, der ist vielleicht von der Wahrheit gar nicht so weit entfernt. Denn die US-Börsen sind zu einem Zockermarkt verkommen, auf dem vielleicht hart gesottene Daytrader Gewinne machen können, der aber für Investoren mit mittelfristigem Anlagehorizont schlicht nicht interessant ist.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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