Wall Street: Nachbörslich notiert
Nichts los, oder: Das Warten auf ad-hoc

Großinvestoren und Fond-Manager hatten es schon vor einigen Wochen angekündigt. Es mache ihnen nichts aus, sagten sie, im Falle einer nachhaltigen Rallye die ersten 20 % des Aufschwungs zu verpassen.

Es ist nicht eine neue Bescheidenheit, die aus solchen Worten spricht, sondern die große Unsicherheit an der Wall Street, die unter anderem dadurch angefacht wurde, dass sich die Kurse nach der Rezession zu schnell erholt hatten und danach umso tiefer gestürzt waren.

Nun ist man tatsächlich vorsichtig geworden, was Investment in einen steigenden Markt betrifft. Dass die US-Börsen vier Wochen in Folge gestiegen sind, dabei 1500 Punkte gut gemacht und ein neues Sechs-Wochen-Hoch erstürmt hatten, machte Anleger nun wieder stutzig. Eine Erholung soll kommen - aber kann es sein, dass sich die Blue Chips so schnell aufrappeln? Viele Experten verließ am Dienstag der Mut, sie ließen die Kurse wieder ein wenig abrutschen - bei gewohnt schwachem Volumen, versteht sich.

In der letzten Handelsstunde war das nicht anders, und das allein dürfte man auf dem Parkett als einen frühen Indikator für den Mittwochshandel interpretieren. Denn zuletzt hatte sich gezeigt, dass meist unabhängig vom Handelsverlauf die letzte Stunde den Trend angibt. Schafft der Markt eine Nachmittagsrallye, dann setzt er die am nächsten Morgen fort. Ziehen sich Anleger in den letzten sechzig Minuten zurück, dann kommt auch am nächsten Tag keine Kaufstimmung auf.

Letzteres war am Dienstag der Fall, und auch nach Handelsschluss kehrte keine Euphorie in den Markt zurück. In den Stunden nach der Glocke bewegten sich nur noch wenige Aktien, und auch die nur leicht und trendfortsetzend.

Außer den Aktien einiger kleiner Unternehmen, die am Abend Quartalsergebnisse vorlegen sollten, achteten Investoren vor allem auf die Geschehnisse um Martha Stewart. Die einstige Sauberfrau der Nation, die jetzt des Insiderhandels in Zusammenhang mit einem Paket von ImClone-Aktien verdächtig ist, hatte bis 17 Uhr (Ortszeit, 23 Uhr MESZ) Zeit gehabt, alle Unterlagen über die strittigen Transaktionen bei der Staatsanwaltschaft einzureichen. Sie kam dieser Frist nach und gab denen Recht, die die Aktie schon im regulären Handel um 3 % hatten steigen lassen. Am Mittwoch dürfte es dennoch wieder ruhig sein um Stewart - es dürfte Wochen dauern, bis die Behörden die mehr als 1000 Seiten durchgeackert und eine Anklage gezimmert oder verworfen haben.

Was den Markt am Mittwoch viel mehr bewegen dürfte - nichts. In einer nahezu völlig ereignislosen Woche können höchstens ad-hoc-Meldungen Kursveränderungen bringen, ansonsten dürften viele Experten den Worten von Art Hogan zustimmen: Der Chefanalyst bei Jefferies & Co. sagt: "Um den Dow über die 9000-Punkte-Grenze zu schrauben, brauchen wir gute Nachrichten." Bislang hatten viele den Marktoptimismus überschätzt und erklärt, dass schon keine Nachrichten gute Nachrichten seien.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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