Wall Street: Nachbörslich notiert
Schwacher Trost: Es hätte noch schlimmer sein können

Wie gewonnen, so zerronnen: Nach einer dramatischen Rallye Ende der vergangenen Woche sind die ganzen schönen Gewinne wieder dahin - dabei hatte man doch so euphorisch gefeiert. Dow, Nasdaq und der S&P 500 stürzten am Mittwoch in ungeahnte Tiefen, und es spricht nichts dafür, dass der Trend drehen könnte.

Vor allem ein Indiz deutet darauf hin, dass die US-Märkte am Donnerstag weiter verlieren dürften: Die drei großen Indizes, und somit auch die meisten Aktien, schlossen am Mittwoch auf ihren jeweiligen Tagestiefständen - von Kauflust in letzter Minute, von Optimismus allgemein keine Spur.

Woher auch, hagelte es zur Wochenmitte doch weitere schlechte Nachrichten, wie über die Klage gegen Halliburton und den amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney, die das Vertrauen in die Regierung Bush nicht eben stärkt.

Das allgemeine Vertrauen in den Markt leidet hingegen erneut unter den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Qwest Communications - gegen das Unternehmen ist bereits die Börsenaufsicht SEC aktiv. Für Qwest dürfte es nach einem schwarzen Mittwoch mit Kursverlusten von über 30 % am Donnerstag weiter bergab gehen. Die Rating-Agenturen Fitch und Moody?s haben die Kreditwürdigkeit des bilanziell undurchschaubaren Telekomriesen auf das Müll-Level "Junk" abgestuft.

Gute Nachrichten gab es nachbörslich nur von einzelnen Unternehmen - aber immerhin. Eine kommt von Yahoo. Der Internet-Provider hat die Gewinnerwartungen im abgelaufenen Quartal geschlagen. Nach eineinhalb Jahren mit Verlusten weist man zum ersten Mal wieder einen Gewinn aus, und prompt verbesserte sich die Aktie nachbörslich um 3 %.

Deutlich verbessert hat sich der Bereich Online-Werbung, der in den letzten Monaten katastrophal schwach war und der nicht nur die Aktie von Yahoo belastet hatte, sondern auch andere Internet-Titel. Die dürfte die Entwicklung bei Yahoo nun freuen, denn sie könnte ein wenig den allgemeinen Ton für die Branche festlegen.

Auch zwei Biotech-Unternehmen meldeten am Abend positiv. Genentech hat die Quartalserwartungen der Wall Street um einen Penny geschlagen und Idec Pharmaceuticals hat erklärt, man werde die Prognosen im laufenden Viertel wohl einhalten.

Zu den nachbörslichen Gewinnern gehörte auch die Aktie von VeriSign, doch ist das eigentlich ein Trauerspiel. Das Unternehmen hat eine Gewinnwarnung für das laufende Quartal ausgesprochen und rechnet damit, statt der prognostizierten 18 bis 20 Cent pro Aktie nur noch ein Plus von 14 bis 15 Cent auszuweisen. Das ganze Elend des US-Aktienmarktes drückt sich darin aus, dass Analysten einer Meinung sind: Es hätt noch schlimmer kommen können.

Für Kmart kann es indes nicht mehr viel schlimmer kommen. Der ehemals zweitgrößte Einzelhändler, der seit Monaten im Konkursverfahren steckt, hat am späten New Yorker Abend erfahren, dass die Aktien an der NYSE vor dem Delisting stehen. Die gebeutelten Papiere erfüllen die Anforderungen der Börse nicht mehr und könnten vom Parketthandel ausgeschlossen werden.

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