Wall Street: Nachbörslich notiert
Starbucks und Präsident Bush: Alles kalter Kaffee?

Es wäre wünschenswert, wenn der Handelsverlauf am Dienstag von der Rede von Präsident George Bush mitgeprägt würde. Bush wird am späten Vormittag an der Wall Street über seine Ideen und Forderungen zur Bestrafung von Wirtschaftskriminellen sprechen.

Marktbewegend wäre das aber nur, wenn es Bush gelingen würde, Investoren von einer Trendwende zu überzeugen - und das ist mehr als zweifelhaft.

Schon vorab heißt es, dass sich der Präsident vor allem zu bereits gestellten Forderungen äußern und nicht viel Innovatives vorbringen werde. Bush macht darüber hinaus keine Anstalten, sich von seinem SEC-Chef Harvey Pitt zu distanzieren, der immer mehr ins Kreuzfeuer der Kritik, auch seitens der Republikaner, rückt.

In einer Pressekonferenz im Weißen Haus am späten Montagabend ließ er sein Konzept zur Stärkung der Börsenaufsicht durchblitzen: die Behörde bekomme ein höheres Budget. Dass dies Probleme löst und Vertrauen schafft, werden Anleger wohl nicht glauben.

Dazu kommt, dass Bush an einer härteren Gangart und Gefängnisstrafen auf Bilanzbetrug und Insider nicht gelegen sein kann, solange er selbst und sein Vize Dick Cheney keine weiße Weste tragen. Erst am Montagabend kanzelte er Journalisten, die mehr zu Bushs Aktiendeal beim Energiekonzern Harken wissen wollten, mit aufgesetzter Nonchalance ab.

Bush saß 1990 im Vorstand des Unternehmens und verkaufte massiv Anteile, bevor der Konzern drastische Gewinneinbrüche bekannt gab und die Aktie auf Sinkflug ging. Das ganze sei ein alter Hut, meint Bush heute, es gebe keinen Grund zu ermitteln oder an der Rechtschaffenheit des Präsidenten zu zweifeln.

Mit solch flachen Aussagen beeindruckt man allerdings niemanden mehr, weder an der Wall Street noch in Washington - das musste am Montag auch der ehemalige WorldCom-Chef Bernie Ebbers erfahren.

Statt sich mit einem schlichten Verweis auf sein konstitutionelles Schweigerecht aus der Affäre zu ziehen, beteuerte Ebbers in der WorldCom-Krisensitzung im Kongress mehrfach seine Unschuld, was die Abgeordneten prompt als Stellungnahme sahen und als Hinweis darauf, dass Ebbers doch aussagen müsse.

Mit Allgemeinplätzen hat sich der einstige Liebling der Neuen Märkte in Schwierigkeiten gebracht, die Ermittlungen gegen ihn, seine Nachfolger, Partner und den Analysten Jack Grubman von Salomon Smith Barney gehen weiter.

Abseits der Versuche zur Krisenbewältigung werden einige Meldungen aus der Softwarebranche schon am Morgen jede Kauflust zumindest aus dem High-Tech-Sektor nehmen. Mit Retek, Citrix und Caminus warnten gleich drei Software-Unternehmen für das Quartal. Sie gehen angesichts der anhaltenden IT-Schwäche davon aus, weder ihre Umsatz- noch Gewinnprognosen halten zu können.

Einzeln würde zwar keines dieser kleineren Unternehmen den Markt beeinflussen, doch reihen sie sich zu dritt bedrohlich in eine ganze Reihe schwacher Software-Performer ein und signalisieren deutlich, dass ein Aufschwung noch nicht bevorsteht.

Auf der Gewinnerseite dürfte am Dienstag hingegen Starbucks stehen, seit Monaten eine der stabilsten Aktien an der Nasdaq. Der Kaffeeröster hat sie Umsätze in Läden, die älter als ein Jahr sind, im vergangenen Monat erneut um 7 % gesteigert und damit die optimistischen Prognosen der Analysten getroffen.

Das Unternehmen bemüht sich erfolgreich um eine Art Kultstatus, unter anderem durch die Einführung cooler Sommerdrinks wie der Frapuccinos, die im heißen Sommer gut ankommen.

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