Wall Street: Nachbörslich notiert: Taktik bestimmt den Markt, nicht Fed und Krieg

Wall Street: Nachbörslich notiert
Taktik bestimmt den Markt, nicht Fed und Krieg

"Bush will speak to World tonight" - So lautet die Schlagzeile beim Internet-Provider AOL. Das ist etwas arrogant formuliert, aber so scheint sich das zuzutragen am späten Montagabend. Bush spricht, die Welt hört zu, und danach knallt?s. Keiner hält den Kriegstreiber auf, allein, die Börse macht das Beste draus und legt kräftig zu.

Die Rallye der vergangenen Tage, die den Dow ganze 10 % an Wert hat gewinnen lassen, könnte am Dienstag durchaus noch weitergehen. Wie weit? - The sky?s the limit, will man fast sagen, Kurssprünge um fast 300 Punkte sind ja offensichtlich möglich.

Doch während sich die alte Empfehlung, zu "kaufen, wenn die Kanonen donnern", auf den Handel an den US-Börsen sicherlich übertragen lässt, so ist es doch nicht die pure Kriegslust, die Aktien in die Höhe treibt. Das zeigt schon das außerordentlich hohe Volumen an Computer gesteuerten Kaufprogrammen. Es ist nicht politisch fundamentiertes Kaufen, was den Handel prägt, es sind Short-Verkäufe und der Markteintritt von Schnäppchenjägern, die den totalen Verfall der Börsen nun lange genug beobachtet haben.

Ewig werden diese dem Markt aber nicht die Stange halten können. Nach wie vor ist ein Engagement in US-Aktien gefährlich, schließlich ist der Irak ja nicht das einzige Problem, mit dem man sich in New York herumschlägt. Bereits am Montag tauchte hier und da der Begriff der "Post-Iraq Economy" auf - der problematischen Konjunktur nach der Schlacht im Golf. Den Unternehmen fehlen die Gewinne, die IT-Investitionen sind am Boden, die Produktivität ist schwach, die Kapazitätsauslastung gering, die Arbeitslosigkeit hoch...

Der Dienstagshandel dürfte also weniger von Bushs Rede am Montagabend abhängen, zumal bereits im Vorfeld klar ist, was der Präsident wohl sagen wird. Auch ist die Fed-Sitzung am Vormittag nicht unbedingt entscheidend für Wohl und Weh der Börse. Mehrheitlich rechnet man an der Wall Street damit, dass die Währungshüter die Einschätzung der Risiken für die weltgrößte Volkswirtschaft von "Neutral" auf "Negativ" senken, manche Experten gehen auch von einer Zinssenkung um 25 Basispunkte aus.

Der Dienstagshandel wird allerdings davon abhängen, ob Investoren nach einer Rallye um 10 % gewillt sind, weiter in die Hausse zu kaufen, oder ob man sich nach drei glorreichen Tagen doch wieder eine Auszeit gönnt.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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