Wall Street: Nachbörslich notiert
USA: Solide Rally oder hektischer Ausschlag?

Die zweite Riesen-Rally in nur vier Handelstagen - an der Wall Street könnte sich Euphorie breit machen. Denn vieles spricht auf den ersten Blick dafür, dass es sich bei den jüngsten Kursanstiegen nicht nur um eine Laune sondern eine solide Wende handelt. Doch zu oft schon hat man sich täuschen lassen, die Marktteilnehmer bleiben vorsichtig.

wsc NEW YORK. Was spricht dafür, dass der Markt einen Boden erreicht hat? Zum einen weisen Charttechniker auf eine gerade Linie bei 7500 Punkten hin, die Ausgangspunkt für die Rally 1998 war, und deren Boden neun Monate später. Zum anderen zeigt ein Blick in die Bücher der Trader, dass zwar die MittwochsRally überwiegend von Short-Sellern dominiert war, die ihre Positionen löschen wollten, dass die Montags-Rally aber von institutionellen Käufern getragen wurde.

Auch ein Blick auf die Tagescharts zeigt: Dow, Nasdaq und der marktbreit gefasste S&P 500 haben auf Tageshöchststand geschlossen - darauf baut der Markt erfahrungsgemäß gerne auf. Noch ein Plus für den Markt: Während die großen Indizes steigen, fällt die Volatilität steil ab - Sicherheit verdrängt zum großen Teil die Nervosität.

Und weitere Pro-Argumente lassen sich finden. Der Goldpreis notiert auf einem Drei-Monats-Tief, der Dollar ist wieder solide,... doch was gegen eine solide Rally spricht? - Sie kommt schon wieder viel zu schnell und zu stark.

Wenn Dow und Nasdaq in nur vier Handelstagen um 16 % zulegen und die nachhaltig angeschlagene Nasdaq 12 % zulegt, dann dürften sich viele Investoren schon wieder aus dem Markt stehlen, denn keiner will sich an einer weiteren Bärenmarkt-Rally die Finger verbrennen. Was heute aussah wie Pamplona im Juli, könnte sich schon morgen wieder wie der Yellowstone Nationalpark präsentieren, wo hinter jedem Baum ein Bär sitzt.

Auffällig ist schon jetzt, dass das Handelsvolumen am Mittwoch bei gigantischen 2,6 Milliarden Aktien lag - Rekord an der Wall Street! -, und dass am Montag nur noch die üblichen 1,7 Milliarden Papiere gehandelt wurden. Auch hielten sich am späten Montag die Käufer zurück, als die Börse in den nachbörslichen Handel ging. Die meisten Tagesgewinner gaben zu später Stunde leicht nach, darunter die Finanzaktien von JP Morgan und Citigroup, die Big Caps um Cisco, Intel und Microsoft und andere Tagesgewinner wie AOL, Tyco, Amazon oder Wal-Mart.

Die Wall Street harrt nun einer Entscheidung: Setzen die Investoren noch mal eines drauf oder ist ihnen die Rally zu aggressiv geworden. Viel wird davon abhängen, wie am Dienstagmorgen das Verbrauchervertrauen gemeldet wird, das Analysten vorab auf einen Indexstand von 102 Zählern festlegen. Das würde einem leichten Minus entsprechen. Auf lange Sicht ist der Arbeitsmarktbericht am Freitag ein Schlüsselindikator für den Markt - doch bis dahin ist es ein weiter Weg und der könnte steiniger werden, als die letzten Tage hätten vermuten lassen.

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