Wall Street: Nachbörslich notiert
Weiße Weihnacht in den USA

Die Schlussglocke ertönt und die Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse sehen zu, dass sie schleunigst nach Hause kommen. Schließlich gibt es dieses Weihnachtswetter nicht alle Tage. Schnee, wohin das Auge blickt.

wsc NEW YORK. Den ersten richtigen Schnee an Weihnachten seit 1969, schreibt die New York Times. Papa musste zwar arbeiten am 2. Weihnachtsfeiertag, aber vielleicht kann ja nach Handelsende noch etwas Schlittengefahren werden mit den Kindern. In den Vereinigten Staaten ist der 25 Dezember, anders als in Deutschland, kein Feiertag. Und so lief der Handel an der Wall Street ganz normal, auch wenn die Umsätze gering waren. Der Dow ging mit einem Minus von 17 Punkten aus dem Handel und schloss mit einem Stand von 8430 Zählern. Und auch die Nasdaq verlor 0,34Prozent auf 1367 Punkte.

Die Weihnachtsgeschenke der Kinder dürften in diesem Jahr wohl etwas geringer ausgefallen sein als in den Vorjahren. Das Weihnachtsgeschäft könnte das Schlechteste seit über 30 Jahren gewesen sein. Diese Tatsache hatte der Markt aber scheinbar schon vorweggenommen. Trotz negativer Nachrichten des weltgrößten Einzelhandelskonzerns, Wal-Mart, konnten die Einzelhandelskonzerne leicht zulegen. Der S&P Einzelhandels-Index gewann am Donnerstag 0,5Prozent.

Auch wenn das "Last-minute-Geschäft" vor den Festtagen enttäuschend war, so setzen Börsianer nun scheinbar die Hoffnungen in das Geschäft zwischen den Jahren. Die Geschäfte ködern die Kunden mit sensationellen Discount Angeboten. Mit Preisnachlässen von bis zu 75Prozent versuchen Einzelhandelsketten wie J.C. Penny bei den Kunden nachweihnachtliche Kaufgelüste zu schüren. Der Dessous-Händler Victoria Secret hat heute einen acht Tage langen Sonderverkauf gestartet. Die Markenprodukte des zum Limited Brands gehörenden Unterwäscheherstellers werden um bis zu 50Prozent gesenkt. Und vielleicht kann Mann mit einem sexy BH zum Jahresswechsel die Frau oder Freundin über den Verlust des Arbeitsplatzes oder zumindest das kleiner als im vergangenen Jahr ausgefallene Weihnachtsgeschenk hinwegtrösten.

Vielleicht helfen den Amerikanern ja die Besucher aus Europa, das Geschäft zwischen den Jahren noch mal so richtig anzukurbeln. Gerade New York hat zur Weihnachts- und Neujahreszeit ein ganz besonderes Flair, das Menschen aus aller Welt in seinen Bann zieht. Auch wenn die wirtschaftliche Lage in Europa nicht wirklich besser aussieht, so könnte zumindest der Wechselkurs Europäer zum Kaufrausch in den Vereinigten Staaten verführen. Der US-Dollar ist am Donnerstag gegenüber dem Euro auf den tiefsten Stand seit drei Jahren gefallen.

Die steigende Kriegsangst dürfte dazu beigetragen haben. Nicht nur der Irak, seit einigen Tagen steht auch Nordkorea immer mehr im Blickpunkt der Bush-Administration. Das Land hatte zu Beginn der Woche angekündigt, eine stillgelegte und von der UNO versiegelte Fabrik für Massenvernichtungswaffen wieder in Betrieb zu nehmen. Der amerikanische Außenminister Powell reagierte darauf mit deutlichen Worten. Amerika sei jederzeit bereit, einen Krieg an zwei Fronten zu führen und zu gewinnen, so Powell. Ebenfalls besorgt zeigte sich der südkoreanische Präsident Kim Dae Jung. Er bezeichnete die Verschärfung der Lage als "tief besorgniserregend". Auch wenn die meisten Experten mit keinem unmittelbar bevorstehendem Militärschlag der Amerikaner gegen Nordkorea rechnen, so verdichten sich doch die Anzeichnen eines militärischen Konflikts gegen den Irak. Am 27. Januar 2003 berichten die UNO-Waffeninspekteure dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über die Lage im Irak. Dann wird sich herausstellen, ob die irakische Führung in ihrem 12 000 Seiten umfassenden Dokument wirklich alle Waffen benannt hat und somit nicht gegen die UN-Resolutionen verstoßen hat. Sollte sich gegenteiliges Herausstellen, was in Amerika angenommen wird, dürfte die Deadline Saddam Husseins Anfang Februar abgelaufen sein.

Diese Angst vor einem militärischen Konflikt hat nicht nur den Dollar-Kurs auf ein historisches Tief getrieben, gleichzeitig ist der Ölpreis auf ein 23-Monats-Hoch angestiegen. Der Preis pro Barrel für das schwarze Gold stieg in New York über 32 $ Investoren befürchten geringere Ölimporte aus der arabischen Welt, sollten sich die USA und ihre Verbündeten zum Schlag gegen den Irak entscheiden. Gleichzeitig belastet die Venezuela-Krise weiterhin den Ölpreis. Die vierte Woche des Generalstreiks in dem lateinamerikanischen Lands neigt sich dem Ende, und noch immer ist kein Ende der Krise abzusehen. Venezuela ist der fünftgrößte Ölexporteur der Welt, und war vor dem Beginn des Generalstreiks am 2. Dezember für 13Prozent der amerikanischen Ölimporte verantwortlich. Da konnten auch besser als erwartet ausfallende Daten für Lagerbestände nicht gegensteuern. Am Donnerstag teilte das American Petroleum Institute mit, dass die Lagerbestände für Öl trotz des Ausfalls der Importe aus Venezuela um 2,7 Mio. Barrel angestiegen sind. Analysten hatten mit einem Rückgang um 3,3 bis 4,1 Mio. Barrel gerechnet.

Am Freitag dürften Anlegern an der New Yorker Börse keine großen Überraschungen mehr ins Haus stehen. Eine Stunde nach Handelsbeginn stehen Konjunkturdaten an. Um 10 Uhr Ortszeit werden die New Home Sales, die Hausverkäufe für November veröffentlicht. Erwartet wird ein leichter Rückgang des Vormonatswertes. Unternehmensdaten stehen am Freitag, dem Schlusstag der letzten vollen Handelswoche im alten Jahr, keine auf der Tagesordnung.

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