Wall Street: Nachbörslich notiert
Weitere Warnungen bedrohen die US-Börsen

Die Stimmung an der Wall Street ist derzeit schlecht. Wenn zum Wochenende jeglicher Optimismus aus dem Markt gewichen ist, drohen weitere massive Abstürze, denn es ist dreifacher Hexensabbat; hohes Volumen und hohe Volatilität treffen auf - eben, die negative Stimmung.

NEW YORK. Zu Beginn der Woche hatte es noch so ausgesehen, als hinge alles von Oracle ab. Doch dann meldete der Software-Hersteller ein starkes Quartal - und nichts geschah, respektive nichts, was Anlegern der Branchenriesen gefallen hätte. Oracle ging am Mittwoch im Tech-Rutsch unter, nachdem Unternehmen aus den verwandten Sektoren Chips und Computer gewarnt hatten, darunter Apple, AMD und Ciena. Am späten Mittwoch sah es nun nicht besser aus. Einige Warnungen in den Bereichen Tech und Biotech dürften auch am Donnerstag dafür sorgen, dass die Kurse an Wall Street und Nasdaq nachgeben.

Den Abwärtstrend für die Netzwerker dürfte nach Ciena der Konkurrent Sycamore Networks weiter ausbauen, der für die laufenden drei Monate warnte. Einen wahrhaft bedrohter Sektor dürften derweil am Donnerstag die Aktien der Biotech-Unternehmen bilden. Branchenschwergewicht Genzyme warnte nach Handelsschluss am Mittwoch, man werde die Gewinnerwartungen nicht erreichen, bereits in den vergangenen Tagen hatten Anleger vergeblich auf positive Nachrichten von Amgen und Biogen gewartet.

Und dann macht weiterhin ImClone Sorgen: Nachdem die US-Börsenaufsicht SEC schon seit Tagen gegen den ehemaligen CEO Sam Waksal wegen Insidergeschäften im Zusammenhang mit der Erbitux-Pleite ermittelt, richtet man sich nun explizit gegen das Unternehmen als gesamtes. Ein entsprechendes Schreiben habe ImClone am Mittwochnachmittag erhalten, gab die Geschäftsführung bekannt. Die Aktien des gebeutelten Unternehmens verloren bereits nachbörslich 12 %.

Außerhalb des Geschehens am Aktienmarkt sorgte eine Meldung aus Washington für einen Schreck in der Abendstunde. Das Gebäude der Notenbank Fed musste zeitweise evakuiert werden, nachdem man "verdächtige Gegenstände" gefunden hatte. Das ganze erwies sich nach kurzer Zeit als Fehlalarm - das Gremium um Alan Greenspan dürfte erst in der nächsten Woche wieder Schlagzeilen machen, wenn die Juni-Sitzung auf dem Programm steht.

Was Analysten zur Zeit allerdings noch mehr Sorgen macht als jede Einzelmeldung ist die Stimmung der Investoren, denen nach monatelangen drastischen Verlusten jeder Esprit abhanden gekommen ist, in einen Aktie-Run einzusteigen. Eine Umfrage hat zur Wochenmitte ergeben, dass es der Mehrzahl der Anleger völlig egal wäre, die ersten 20 % einer Rallye zu verpassen. Damit wäre natürlich jeder kurz- und mittelfristige Aufwärtstrend im Keim erstickt.

Wall Street Correspondents

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