Wall Street: Nachbörslich notiert
Zwischen Zahlenglück und Terrorangst

Obwohl Experten seit Tagen erklären, die aktuelle Rallye an den US-Märkten könne so nicht anhalten - vieles spricht dafür, dass die großen Indizes auch am Freitag an ihre Kletterpartie anknüpfen werden.

Denn der Optimismus, den sich Anleger jüngst herbeireden und der auch am Donnerstagnachmittag wieder zu einer beeindruckenden Rallye in den letzten Handelsstunden geführt hatte, könnte noch einmal stärker sein als die Angst vor weiteren Terrorakten.

Tatsächlich war es nämlich zuletzt allein diese Angst, die Dow und Nasdaq - stets unbegründet - hatte einbrechen lassen. Miami und Kenia am Mittwoch, New York am Donnerstag, wo immer ein verdächtiger Koffer rumstand oder ein Feuer ausbrach, man hörte davon auf dem Parkett und fühlte sich an schlimme Zeiten erinnert, als vom Drohbrief bis hin zum Backpulver-Scherz alles für Kurseinbrüche sorgte, was nur irgendwie an Anthrax oder den 11. September erinnerte.

Gegen weitere Kursgewinne spricht hingegen die Tatsache, dass Anleger immer noch ungern lange Positionen ins Wochenende mitnehmen. Das ist schon lange so, und vor dem 11. September dürfte sich der Faktor Unsicherheit auf den Freitagshandel wohl noch etwas stärker auswirken als bisher.

Ob die bloße Magie der "9000" ausreicht, Investoren noch einmal nachkaufen zu lassen? Das kann schon sein, denn runde Zahlen geben dem Dow immer ein wenig Unterstützung - allerdings heuer weit weniger als einst. Und in einer Zeit, in der neben der allgemeinen Unsicherheit auch eine gewisse Ratlosigkeit vor dem Markt selbst nicht zu leugnen ist, könnte die "9000" manchen Anleger schon wieder erschrecken. Dieses Gefühl kennt jeder Investor: Man freut sich ja darauf, irgendwann einmal 30 zu sein, wird am Vorabend aber dennoch unsäglich nervös. Vor dem vierzigsten Geburtstag, dem Fünfzigsten oder gar der (ersten) Hochzeit lässt sich noch viel weniger schlafen, und welche Auswirkungen die "9000" hat, das wird sich dann erst am Stichtag Freitag zeigen.

Freude hin, Angst her - am Freitag dürfte der Markt auch auf einige Unternehmensmeldungen eingehen, die am späten Donnerstagabend veröffentlicht wurden. Zum einen dürfte der Chipsektor auf die Quartalskonferenz von Novell reagieren. Der Chip-Hersteller Marvell Technology übertraf die Erwartungen der Analysten und meldete ein Quartalsplus von 11 Cent, zwei Pennies mehr als der Markt gedacht hatte. Die Software-Klitsche Novell beendete das vergangene Quartal ebenfalls mit einem Gewinn über den Analystenschätzungen.

© Wall Street Correspondents, Inc.

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