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Wall Street: Noch keine Richtung am „Hexensabbat“

Die Wall Street hat am Morgen eines spannenden Handelstages noch keine klare Richtung gefunden. Es ist "dreifacher Hexensabbat", und während man mit starkem Volumen und großer Volatilität rechnet, hat der Dow Jones ein frühes Plus abgegeben und ist in den roten Bereich gerutscht. Die Nasdaq handelt mit negativer Tendenz nahe der Null-Linie.

Einige Wirtschaftsdaten konnten dem Markt am Morgen keinen Ausschlag geben. Die Prognose der Universität Michigan zum Verbrauchervertrauen im März ist zwar mit einem Stand von 95 Punkten besser ausgefallen, als der Markt erwartet hatte, doch reagiert man auf dem Parkett nicht. Die Produzentenpreise sind im Februar um 0,2 Prozent, und damit im Rahmen der Erwartungen, gestiegen. Energie und Lebensmittel herausgerechnet notiert die Kernrate unverändert. Die Produktionszahlen der US-Industrie ist um 0,4 %, die Auslastung auf 74,8 % gestiegen, beides damit besser als erwartet.

Den Handel dominieren vielmehr Unternehmensmeldungen. Den Dow belastet zur Stunde die Aktie von Merck . Der Pharma-Riese hat einen Antrag zur Marktfreigabe des Arthritis-Medikaments Arcoxia bei der US-Gesundheitsbehörde FDA zurückgezogen. Der Antrag soll in einer modifizierten Form zu einem späteren Zeitpunkt erneut eingereicht werden. Zwar betont das Unternehmen, um den Negativ-Effekt der Meldung zu dämpfen, dass man an den Gewinnprognosen für das erste Quartal einhalten werde. Doch das geht auf dem Parkett unter. Die Aktie verliert 4,5 %.

Auch IBM verliert am Morgen 1 %. Im Wall Street Journal heißt es, bei "Big Blue" würden die Pensionseinnahmen erstmals seit 1996 wieder sinken, und damit die Rendite. Auch die angepeilte Steigerung der Jahresgewinne im unteren 10-%-Bereich dürfte dadurch erschwert werden.

Bewegung ist auch im Software-Sektor. Oracle hat am Vorabend Zahlen in Höhe der Erwartungen gemeldet - allerdings nur zwei Wochen nachdem man diese noch gesenkt hatte. Der Umsatz ist erneut um 13 % gefallen, und mit einem Anteilsplus von 9 Cent statt der ursprünglich angepeilten 10 Cent sind Anleger nicht zufrieden, zumal Oracle auch für das laufende Quartal die Vorgaben nach unten revidiert hat. In vier von fünf Quartalen hat Oracle die jeweiligen Prognosen nicht eingehalten, was man erneut der schwachen Konjunktur und dem schlechten Umfeld im Sektor anlastet, obwohl Konkurrenten wie Peoplesoft und Microsoft wieder Wachstum zeigen. "80 % der Probleme bei Oracle sind hausgemacht", sagt Robert Austrian von der Banc of America. Aktien von Oracle verlieren 4 %.

Ein anderer Software-Herstellerlegt um 3,4 % zu - Adobe Systems. Das Unternehmen hat die Erwartungen des Marktes geschlagen und die Prognosen für das laufende Quartal bestätigt. Man erwartet erneut Gewinnwachstum, unter anderem dank eines lange erwarteten Updates für das Bildbearbeitungsprogramm PhotoShop, dass in den nächsten Wochen ausgeliefert werden soll.

Weiter unter Beschuss steht der Netzwerk-Sektor. Die Analysten bei JP Morgan haben die Erwartungen für Extreme und Foundry Networks gesenkt, während die UBS Warburg die Aussichten für Tellabs und den Branchenführer Juniper Networks heruntersetzt. Grund sind vor allem die anhaltend schlechten Nachrichten aus dem Telekommunikationssektor, die den Markt bereits in den letzten Tagen belastet hatten. Juniper verliert bereits 5,5 %, auch die übrigen Unternehmen der Branche geben bis zu 6 % nach.

Unter Druck geraten dürfte im Handelsverlauf der Öl-Sektor, der sich am Morgen aber noch im grünen Bereich hält. Die Opec wird die Fördermengen vermutlich nicht weiter senken, im Gegenteil: ab Juni wird man sogar wieder mehr Öl produzieren als bisher. Dadurch könnte der Ölpreis sinken und mit ihm die Gewinnmargen für die Unternehmen. Der Dow-Riese Exxon Mobil steht am Freitag ebenso unter Beobachtung wie ChevronTexaco, Haliburton und .

Auch Dow-Schwergewicht General Electric macht Schlagzeilen. Der Multi will aufgrund zuletzt eingefahrener Verluste und anhaltender Unsicherheit in der Branche die Rückversicherungssparte auszugliedern. Im Fall eines Börsengangs der Sparte könnte die Versicherung, die zu GE Capital gehört, mit rund 8 bis 10 Milliarden Dollar bewertet werden. GE würde damit dem Beispiel der Citigroup folgen. Der Finanzkonzern wird möglicherweise schon nächste Woche das Rückversicherungsgeschäft an die Börse bringen. Die Aktie von GE legt am Morgen 1 % zu.

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