Wall Street: Nur fahles Licht am Ende des Tunnels

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Wall Street: Nur fahles Licht am Ende des Tunnels

Die beiden großen Indizes schrieben am Dienstag grüne Zahlen, doch die Gewinne hielten sich in Grenzen. Nach sechs Handelstagen im Minus kletterte der Dow Jones Index um 35 Zähler und ging bei 9924 Punkten aus dem Handel. Die Nasdaq verbesserte sich nach drei Tagen auf der Verliererseite um 7 Pünktchen und schloss punktgenau auf 2000.

Beide Indizes hatten fast den ganzen Tag über im Plus gehandelt. Nur am Nachmittag, zwei Stunden vor der Schlussglocke, stürzten beide Barometer kurzzeitig ins Minus - einen direkten Grund gab es dafür nicht. Im Gegenteil: Zur gleichen Zeit kommentierte Finanzminister Paul O?Neill die jüngsten konjunkturellen Entwicklungen. "Wir sehen einen Wandel von schlecht zu gemischt", sagte er. Optimismus blitzte bei O?Neills Rede nicht auf, insofern wiederholte er, was schon Alan Greenspan vor dem Wochenende gesagt hatte.

Der Handel stand am Dienstag ganz im Zeichen der Ertragssaison. Vor allem zahlreiche Tech-Unternehmen legten am Abend Ergebnisse vor, und entsprechend moderat war das Kaufvolumen in den entsprechenden Sektoren. Aktien des Chipriesen Intel gaben ein halbes Prozent ab, bevor das Unternehmen hervorragende Zahlen bekannt gab: Intel weist ein Anteilsplus von 15 Cent aus, Analysten hatten mit 11 Cent pro Aktie gerechnet. Aktien von Juniper Networks verloren 1,1 Prozent. Das Unternehmen hat im abgelaufenen Quartal die Erwartungen der Analysten erfüllt. Papiere von Ebay legten 1,1 Prozent zu. Der Online-Auktionator übertraf den Wall Street Konsens um einen Penny und weist einen Gewinn von 14 Cent pro Anteil aus.

Bereits am Morgen hatte Tyco Quartalszahlen gemeldet. Zwar hat das Unternehmen mit einem Anteilsgewinn von 74 Cent die Analystenerwartungen im ersten Quartal um zwei Cent übertroffen. Für das laufende Viertel reduziert man allerdings die Ertragserwartungen um vier Cent und reagiert damit auf die anhaltende Unsicherheit in bezug auf die kurzfristige Entwicklung vor allem der Elektrobranche. Die Aktie des Elektro- und Industriemultis war meist gehandeltes Papier und gab 8,6 Prozent ab. Nicht besser erging es unterdessen den zyklischen Aktien im Dow Jones: United Technologies, 3M, Honeywell, Caterpillar und International Paper verloren jeweils zwischen 1,6 und 3 Prozent.

Satte Gewinne konnte der Airline-Sektor einfahren: Die Credit Suisse First Boston hatte United Airlines aufgestuft. Die Experten sagen, das Unternehmen zeige erste Zeichen einer Erholung, wenngleich es sie stutzig mache, dass United seine Mitarbeiter zu angeblich notwendigen Lohnkürzungen überreden will. Für AMR, die Holding hinter American Airlines, setzen die Analysten von CSFB und UBS Warburg die Ertragserwartungen für 2002 herauf.

Goldman Sachs stuft die Aktie von American West auf "Market Outperformer" auf, nachdem das Unternehmen dank der Unterstützung der Regierung eine verbesserte Liquidität vorweise. Goldman Sachs sagt weiter, man habe den kleinen Carrier Midwest Express unterschätzt: die Experten setzen die Erwartungen für 2001 herauf und bestätigen das Unternehmen als "Marktperformer". United Airlines gewann sechs, AMR fünf Prozent. American West verbessert sich um 24, Midwest Express um 5,8 Prozent.

Den zweitstärkster Sektor bildeten die Schuh-Fabrikanten. Merrill Lynch hat die Ertragserwartungen für Nike auf 2,85 Dollar angehoben, das ist elf Cent mehr als der bisherige Konsens der Wall Street. Ein Kursziel von 63 Dollar könne die Aktie in sechs bis neun Monaten erreichen. Am Abend schloss Nike bei 57,30 Dollar. Konkurrent Skechers hatte am Morgen eine neue Marketingkampagne gelauncht: Pop-Sternchen Britney-Spears wird dem Unternehmen helfen, während des weltweiten Inliner-Booms die klassischen Rollschuhe mit vier paarweise angeordneten Rädern zu verkaufen. Bereits 2001 war eine Kampagne mit Spears sehr erfolgreich verlaufen. Aktien von Nike legten 4,7 Prozent zu, Skechers verbesserte sich um 3,8 Prozent.

Nach wie vor im Gespräch ist das Schicksal von Enron , doch beeinflusst es den Handel an der Wall Street nicht länger. Aus der Milliarden-Pleite des einst siebtgrößten Unternehmens der USA ist aufgrund eventueller Verstrickungen der Regierung Bush und der Vernichtung brisanter Akten ein Politikum geworden. Nachdem das Papier fünf Tage vom Handel ausgesetzt war, wurde es am Dienstagnachmittag ganz gestrichen.

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