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Wall Street: Offizielle Rezession belastet die US-Märkte nicht

Es ist amtlich: Die USA befinden sich in einer Rezession. Das haben die Experten vom National Bureau for Economic Research bekannt gegeben. Diese Analyse belastete den Handel an der Wall Street aber nur kurzfristig. Im Laufe des Nachmittags schaffte der Dow Jones den Sprung in die Gewinnzone, die Nasdaq hatte den ganzen Tag über im grünen Bereich gehandelt. Das Standardbarometer schloss mit einem Plus von 23 Punkten oder 0,2 Prozent bei einem Stand von 9983 Punkten. Der Techno-Index legte 38 Punkte oder zwei Prozent zu und ging bei einem Stand von 1941 Punkten aus dem Handel.

Dass die offizielle Erklärung einer Rezession durch das National Bureau of Economic Research keine schwerwiegenden Folgen hatte, lag schlicht daran, dass es keine wahre Überraschung war. "Was das Bureau vorgelegt hat ist eine Studie historischer Daten und keine Vorhersage", meinte John Rydon, Analyst bei Bear Stearns. Im Detail erklärten die Marktexperten, dass die Wirtschaft seit März schrumpfe. Damit sei der längste Aufschwung der US-Geschichte nach exakt zehn Jahren zu Ende. Angesichts steigender Arbeitslosenzahlen , fallender Industrieproduktion, sinkendem Haushaltseinkommen und der Nachwirkungen der Terrorattacken habe man die zehnte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg ausgerufen. Im Schnitt dauerten diese Abwärtsphasen sechs bis 18 Monate. Zu den stärksten Sektoren gehörte zum Wochenauftakt die Chipbranche, die im Mittel 4,2 Prozent zulegte Vor allem Intel war für einige gute Nachrichten gut. Der Branchenprimus hat neue Transistoren entwickelt, die höhere Geschwindigkeiten bei der Datenverarbeitung ermöglichen und dabei weniger Strom verbrauchen als bisher. Außerdem hat Intel eine weitere Preissenkung angekündigt. Ab Januar 2002 sollen Chips erneut 14 Prozent billiger werden. Die Intel-Aktie gewann 1,7 Prozent und stützte neben dem eigenen Sektor auch die Unternehmen der Hardware-, Softwarebranche sowie die Computerbauer. Aktien von Gateway legten 8,6 Prozent zu, Papiere von Apple kletterten um mehr als sieben Prozent ins Plus. Mit einem Branchenplus von mehr als drei Prozent gehörten die Biotechwerte zu den großen Gewinnern. Nachdem es der Firma Advanced Cell Technology gelungen ist, menschliche Embryonen zu klonen, kletterten die Aktien der Firmen, die sich mit Stammzellen-Forschung beschäftigen. Marktführer Geron gewann im Handel 7,6 Prozent, das Papier von StemCells legte 9,2 Prozent zu. Die beiden Unternehmen arbeiten an Methoden, geklonte Stammzellen als "Ersatzteillager" zu züchten, aus dem verschiedene Krankheiten behandelt werden könnten. Uneinheitlich handelten am Montag die Papiere der Einzelhändler. Nach dem Thanksgiving-Wochenende, einem Indikator für das Weihnachtsgeschäft, standen Analysen an. Während die Gesamtverkäufe um 2,4 Prozent zunahmen, fiel der Durchschnittsbetrag, den jeder Kunde ausgab um 4,6 Prozent. Die besten Verkäufe erzielten die Elektronik-Ketten: Papiere von Circuit City und Best Buy legten entsprechend zu. Gute Verkäufe verzeichneten die Internet-Händler, allen voran Amazon.com. Der Online-Buchhändler, der längst nicht mehr nur Lesestoff verkauft, setzte allein 75 Prozent mehr DVD-Player ab als noch vor einem Jahr. Insgesamt orderten Kunden im Vergleich zum ersten Vorweihnachts-Wochenende des letzten Jahres pro Stunde 12.000 Titel mehr. Die Aktie von Amazon legte zur Glocke 33 Prozent an Wert zu. Ein Plus von 15 Prozent verzeichnete der Internet-Multi Yahoo, der am Wochenende ebenfalls Rekordverkäufe gemeldet hatte. Das Thanksgiving-Wochenende ist nicht nur das wichtigste für den Einzelhandel, sondern auch ein Indikator für die Airlines. Deren Flüge waren am Wochenende nahezu ausgebucht, allerdings hatte man die Kapazitäten um 15 Prozent zurückgefahren. Händler sehen die Branche aber im Aufwind, Aktien der Carrier legten im Mittel 2,5 Prozent zu. Mit einem Plus von neun Prozent ist Continental Airlines Tagessieger unter den Fluggesellschaften, Papiere von US Airways gewannen mehr als fünf Prozent. Unter dem Druck eines weiter sinkenden Ölpreises handelte der Ölsektor erneut schwach. Zwei Prozent gab die Branche ab, und den Branchenriesen ChevronTexaco und Exxon Mobile halfen auch positive Kommentare im Investmentmagazin "Barron?s" wenig. Die Papiere der beiden Unternehmen verloren ebenfalls jeweils 1,6 Prozent.

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