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Wall Street: Optimismus vor Greenspan

Vor einer weiteren Rede von Fed-Chef Alan Greenspan zeigt sich die Wall Street weiter optimistisch. Eine halbe Stunde vor Handelsbeginn deuten die Futures auf die drei großen US-Indizes ins stabil Plus. Der marktbreite S&P 500 verbessert sich um 5 Zähler.

Der Notenbankchef wird am Vormittag (Ortszeit; 16 Uhr MEZ) vor dem Finanzausschuss des Senats sprechen und sich erneut zu den konjunkturellen Aussichten äußern, wie er das schon vor zwei Wochen vor dem Kongress getan hatte. Ungewöhnlich dabei: Normalerweise sind die Greenspan-Berichte vor beiden Kammern gleich. Zahlreiche Analysten und Beobachter rechnen aber damit, dass sich Greenspan nach einer Flut positiver Fundamentaldaten in den vergangenen Tagen deutlich optimistischer zeigen wird, und die bisher stets erwähnten Risiken für den ökonomischen Turnaround zurückstellen wird. "Die Konjunktur schleicht nicht moderat nach oben, sie steht vielmehr ausgesprochen robust da", meint Greg Valliere von Schwab Washington Research. Bereits am Mittwoche hatte das "Beige Book" der Fed die aktuell optimistischen Einschätzungen der Chefs der regionalen Notenbanken offenbart.

Weitere Konjunkturdaten untermauern die These von der neuen Stabilität am Morgen: Die Produktivität im 4.Quartal wurde auf ein Plus von 5,2 % revidiert. Das zeigt, das sich die US-Unternehmen schneller als erwartet restrukturiert haben. Die höhere Produktivität bringt höhere Gewinnmargen mit sich. Nachrichten gibt es auch aus dem Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist im Rahmen der Erwartungen gesunken, ein besserer Überblick steht indes am Freitag an, wenn die Arbeitslosenquote bekannt gegeben wird.

Mit dem selben Optimismus wie die Greenspan-Rede erwarten Anleger und Analysten die Intel-Konferenz am Abend, bei der der Chipgigant einen Quartalszwischenbericht vorlegen will. Zwar ist man bei der UBS Warburg skeptisch, was die Umsatz- und Gewinnprognosen für Intel angeht. Doch gehen die Analysten von Morgan Stanley, Bear Stearns, Lehman Brothers und der Bank of Amerika davon aus, dass Intel die Erwartungen auf das obere Ende der ursprünglichen Prognosen einengen werde. Intel legt vorbörslich 1 % zu.

Auch andere Chipwerte handeln im Plus. Intel-Konkurrent AMD verbessert sich um 3 %. Der Speicherchip-Riese EMC macht Verluste aus dem Mittwochshandel teilweise wieder gut. Die Aktie, die am Vortag durch die Ertragswarnung von McData unter Druck geraten war, notiert mit 3,5 % im Plus.

Die übrigen Tech-Branchen werden den Handel ebenfalls im Plus beginnen: Der Netzwerkriese Cisco verbessert sich um 1,3 Prozent und zieht die Konkurrenten JDS Uniphase und Juniper Networks mit. Auch die Software-Hersteller notieren branchenweit mit fast 1 % in grünem Terrain.

Eine Ausnahme indes ist Microsoft. Nach japanischen Presseberichten muss der Konzern die in Japan verkaufte XBox Spielkonsole zu Reparaturen zurück zu rufen. Der Software-Konzern habe in den ersten 10 Tagen nach Markteinführung fast 250 Beschwerden über zerkratzte CDs und DVDs erhalten, heißt es.

Zu den vorbörslich aktivsten Aktien gehört das Papier von General Motors. Der weltgrößte Automobilkonzern wird bei Merrill Lynch auf "kaufen" gesetzt. Die Analysten erwarten "solides Gewinnwachstum in 2002". Der einzige Risikofaktor sei ein zyklisch bedingter Einbruch der Pkw Absatzzahlen in den USA. Dieses Szenario sei in Anbetracht der sich abzeichnenden Konjunkturerholung allerdings unwahrscheinlich.

Die Aktien von Merrill Lynch belasten am Donnerstag den Finanzsektor. Das Brokerhaus hat am Mittwoch nach Handelsschluss bekannt gegeben, dass man Wandelanleihen im Wert von 1 Milliarde Dollar ausgeben werde. Anlegern gefällt nicht, dass auf diese Weise Gewinne verwässert werden. Sie gehen auf Distanz von der Aktie, die um mehr als 2 % fällt.

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