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Wall Street: Rally am Nachmittag – doch keine Euphorie

Am Nachmittag legten die Märkte richtig los. Der Dow Jones gewann 128 Punkte oder 1,3 Prozent und ging mit 9892 Punkten aus dem Handel. Die technologieorientierte Nasdaq legte 58 Punkte oder drei Prozent zu und schloss mit 1962 Punkten.

Woher nahm der Markt nach einem eher mäßigen Vormittag diese Kraft? Vor allem aus dem Chip-Sektor, der schon früh eine beachtliche Performance zeigte. Die Analysten der UBS Warburg glauben, dass die Branche einen Boden erreicht hat, die Trendwende machen sie im zweiten Quartal 2002 aus. Chiphersteller und-zulieferer legen im Branchenmittel 6,5 Prozent zu. Aktien von Vitesse gewinnen mehr als 13, PMC Sierra zwölf Prozent. Novellus profitiert vom Upgrade der UBS Warburg und klettert um elf Prozent.

Den Netzwerk-Sektor stützt Cisco -Chef John Chambers. Er äußerte sich allgemein positiv zur Auftragslage und sagt, die Bestellungen lägen im Rahmen der Erwartungen. Cisco gewinnt 3,3 Prozent, die Branche legt dank Extreme (plus 12 Prozent), JDS Uniphase und Ciena (plus 9,7 Prozent) mehr als sieben Prozent zu.

Microsoft macht frühe Verluste gut und klettert 1,9 Prozent ins Plus. Und das, obwohl den Unternehmen erneut eisiger Wind ins Gesicht bläst: Der US-Bundesstaat West Virginia ist aus der Sammelklage gegen den Software-Riesen ausgestiegen und will nun einen neuen Kartellprozess gegen das Unternehmen aus Seattle anstrengen. Unterdessen bemüht sich Microsoft nach Kräften, eine Übernahme des AT&T -Kabelnetzes durch AOL Time Warner zu verhindern. Den beiden AOL-Konkurrenten um den Kauf, Cox und Comcast , will Microsoft finanzielles Rückgrat sein. Die AOL-Aktie schloss nur schwach behauptet.

Der Dow Jones Index erfuhr indes Unterstützung von allen Seiten. Die Industrie-Multis General Electric und United Technologies machen Verluste vom Montag wett und legen 1,2 beziehungsweise 3,6 Prozent zu. Die Analysten von Morgan Stanley haben ihr Zwölf-Monats-Kursziel für United Technologies von 60 Dollar auf 66 Dollar erhöht. Lehman Brothers stuft Papiere von GE herauf, die Analysten rechnen damit, dass die Aktie im nächsten Jahr eine bessere Performance zeigen wird als der S&P 500 Index.

Fast drei Prozent gewinnt die Aktie von Home Depot . Die Analysten von Merrill Lynch äußern sich wohlwollend über die größte US-Baumarktkette, die weiter auf Expansionskurs ist und im nächsten Jahr 150 neue Filialen eröffnen will. Sie setzen das Kursziel auf 58 Dollar, Home Depot schloss bei 47,77 Dollar.

Hewlett-Packard stellte am Dienstag neue Server vor, die Computer künftig wesentlich kompakter machen sollen. Die Geräte passen auf kleine Steckplatinen und können wie Bücher in einem Regal untergebracht werden. Aktien von Hewlett-Packard legen mehr als fünf Prozent zu.

Mit Gewinnen von jeweils fast zwei Prozent gingen JP Morgan Chase und Citigroup aus dem Handel. Die beiden Gläubigerbanken des Energiekonzerns Enron haben dem Unternehmen noch einmal eine Finanzspritze über 1,5 Milliarden Dollar gegeben. Damit soll der operative Betrieb aufrecht erhalten werden. Zahlreiche Anleger glauben nun wieder an eine Zukunft für Enron und kaufen auch diese Aktien. Enron klettert unterdessen um mehr als 135 Prozent. Papiere von Dynegy legen erstmals nach drei Tagen wieder zu, sie notieren mit 14,6 Prozent im Plus.

Trotz zahlreicher guter Unternehmensmeldungen sind Händler von Euphorie weit entfernt. Hatte sich der Dow Jones letzte Woche noch zweimal der 10.000-Punkte-Grenze genähert, sehen Analysten mittlerweile eher bei 9.800 Punkten eine Marke für den Standardindex. Sollte er unter 9.700 Punkte rutschen, halten Analysten einen weitern Rutsch auf 9.500 Punkte für möglich.

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