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Wall Street reagierte verhalten auf Zinssenkung

"Äußerst verhalten", so könnte man die Marktreaktion auf den jüngsten Zinsschritt der US-Notenbank beschreiben. New Yorks wichtigste Aktienindizes notierten nach Bekanntgabe der Zinssenkung auf ihren Tagestiefständen. Noch nie war eine Zinsentscheidung von Notenbank-Chef Alan Greenspan im Markt so eingepreist wie dieses Mal. Selten war das Handelsvolumen so gering wie an diesem Tag.

Die Freude über die Entscheidung hielt nur wenige Minuten an. Während der Nasdaq Index von Punktgewinnen der Kommunikations- und Glasfaserwerte profitierte, hatte der Dow Jones Index unter den Kursabschlägen der Pharmawerte zu leiden. Finanztitel wie die Citigroup und Morgan Stanley Dean Witter notierten stärker.

Notenbank-Chef Alan Greenspan reduzierte die US-Leitzinsen am Dienstag um 50 Basispunkte auf vier Prozent. Damit senkte die Notenbank die Zinsen in diesem Jahr bereits zum fünften Mal. Die US-Zinsen liegen nun auf dem niedrigsten Stand seit über sieben Jahren. Der US-Offenmarktausschuss zeigt sich weiterhin besorgt über die Entwicklung der US-Wirtschaft. Nach wie vor sei die Gefahr einer Rezession größer als die einer Inflation. Es werde weitere sechs bis neun Monate dauern, bis sich die Auswirkungen der Zinsschritte insgesamt bemerkbar machten. Ein weiterer Zinsschritt ist also nicht ausgeschlossen. Die nächste Notenbanksitzung findet am 27. Juni statt. Nach einem kurzen Aufatmen der Märkte drehte der Dow Jones Index kurze Zeit später wieder in die Verlustzone.

Die Verluste des Dow Jones Index begrenzten die Gewinne bei Alcoa und International Paper. Home Depot gehörte nach einem unerwartet guten Quartal ebenfalls zu den größten Gewinnern der 30 US-Standardwerte. Die weltgrößte Baumarktkette konnte die Gewinnerwartungen der Analysten um zwei Cents schlagen. Das Management hat im Zuge der Quartalsergebnisse die Prognosen für das zweite Quartal erneut bestätigt. Die Gewinnschätzungen von 37 Cents pro Aktie seien realistisch.

Eher trübe sieht es dagegen beim Branchenkollegen Wal-Mart aus. Der weltgrößte Einzelhandelskonzern steigerte zwar den Gewinn im ersten Quartal um vier Prozent auf 31 Cents pro Aktie und konnte die Erwartungen der Analysten erfüllen. Doch die Anleger waren nicht zufrieden. Die Aktie war neben Pharmawert Merck der größte Verlierer der Dow Jones Werte.

Auf den Siegerrängen des Nasdaq Index rangierten am Dienstag Qualcomm, Cisco und Siebel. Qualcomm profitierte von einem Auftrag aus China. China Unicom, die zweitgrößte Mobilfunkgesellschaft der Volksrepublik, hat unter anderem Qualcomm beauftragt, das Mobilfunknetz auszubauen. Insgesamt wird China Unicom rund 1,5 Milliarden Dollar in den Ausbau des Netzes investieren. Neben Qualcomm erhielten auch Lucent, Motorola, Nortel and Ericsson Aufträge von dem chinesischen Konzern. Während Lucent an Wert verlor, konnte Motorola Punkte dazugewinnen. Der weltweit zweitgrößte Mobiltelefonhersteller hat jedoch Schwierigkeiten im Finanzierungsgeschäft. Telsim Mobil, ein türkischer Mobilfunkanbieter, hat eine am 30. April fällige Kreditrückzahlung in Höhe von 728 Millionen Dollar nicht bedient. Ciena gehörte zu den größten Verlierern des Nasdaq Index. Der Hersteller von Komponenten für die Kommunikationsindustrie wird am Donnerstag Quartalsdaten vorlegen. Die Analysten von Lehman Brothers befürchteten, dass die Aktie weiter fallen könnte, wenn Ciena die Prognosen für das kommende Quartal veröffentlicht.

©Wall Street Correspondents Inc.

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