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Wall Street rettet sich ins Plus: Banken schwach, Techs stark

Am Ende reichte es doch noch ins Plus: Nachdem die großen US-Indizes die Woche optimistisch begonnen hatten, handelten sie doch fast den ganzen Tag über im Minus. Erst eine halbe Stunde vor der Glocke retteten sie sich über die Null-Linie. Der Dow Jones verbesserte sich schließlich um 25 Punkte auf 9865 Punkte, die Nasdaq ging mit einem Plus von 6 Punkten bei 1943 Punkten aus dem Handel.

Noch am Morgen hatten positive Quartalsmeldungen von Xerox und optimistische Analystenkommentare zu Chip- und Automobilsektor den Handel gestärkt. Doch dann drückten düstere Prognosen von GE-Chef Jeffrey Immelt und von Kenneth Chenault, dem CEO von American Express, auf den Handel. Beide sehen wenig Grund, eine konjunkturelle Trendwende herbeizubeschwören. Alan Greenspan wird es vernommen haben und in die zweitägige Fed-Sitzung mitnehmen, die am Dienstag beginnt. Dennoch rechnet man auf dem Parkett nicht mit einem weiteren Eingriff der Notenbank in Zinspolitik und Wirtschaft.

Optimismus verbreitete am Morgen eine Statistik: Mehr als die Hälfte der im S&P 500 notierten Unternehmen haben bislang Quartalszahlen gemeldet, und 58 Prozent haben die - wohlgemerkt revidierten! - Erwartungen der Analysten übertroffen. Dem Trend schloss sich am Morgen Xerox an. Der Kopiererhersteller überraschte mit einem Quartalsgewinn von 15 Cent pro Aktie. Darüber hinaus gibt man sich zuversichtlich, was die nahe Zukunft angeht. Xerox bleibt bei seinen Erwartungen für das laufende Quartal und rechnet für 2002 mit einem operativen Gewinn. Die Aktie kletterte um 13 Prozent.

Schlecht sieht es hingegen bei American Express aus. Das Kreditkartenunternehmen hat die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt und verzeichnet bei einem Umsatzeinbruch um 56 Prozent nur noch einen Gewinn von 297 Millionen Dollar oder 22 Cent pro Aktie. Für das Jahr 2002 bleibt das Management "vorsichtig". CEO Chenault: "Wir gehen davon aus, dass die Konjunktur noch bis Ende des Jahres schwach bleibt." American Express verlor 2 Prozent.

Ebenso viel gab das Papier von JP Morgan Chase ab. Die zweitgrößte US-Bank ist nach den beiden größten US-Pleiten aller Zeiten (Enron, Kmart) nun auch an der viertgrößten Pleite beteiligt, nachdem das Telekommunikationsunternehmen Global Crossing am Mittag Gläubigerschutz unter "Chapter 11" beantragt hat.

Der nahe Konkurs der Unternehmens, das ein weltweites Glasfasernetz aufbauen wollte, kommt auch für Experten überraschend. "Das ist eine komplette Katastrophe", sagte Pat Comack, Telekommunikations-Analyst bei Guzman & Co. "Ich dachte, sie hätten eine wahre Chance." Die Aktie wurde am Montag vom Handel ausgesetzt, ferner droht ein "De-Listing", da das Papier nach 30 Handelstagen mit einem Kurs unter 1 Dollar den Anforderungen der NYSE nicht mehr gerecht wird. Im Frühling 2000 notierte das Papier des Dot-Com-Profiteurs bei 61 Dollar. Einen Funken Hoffnung gibt es für Global Crossing noch: Hutchison Whampoa, eine Holding aus Hong Kong, und Singapore Technologies Telemedia wollen noch einmal 750 Millionen Dollar in das Unternehmen investieren. Die Schulden des Glasfaser-Spezialisten belaufen sich aktuell aber auf 12,4 Milliarden Dollar.

Der Chip-Hersteller Texas Instruments gab stattliche Gewinne ab je näher die "Stunde der Wahrheit" rückte, und schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent. Nach Börsenschluss sollte das Unternehmen Quartalszahlen bekannt geben. Zuvor profitierte man von einem Upgrade der Credit Suisse First Boston. Diese hatten die Aktie am Morgen auf "kaufen" gesetzt.

Die Aktie von Cisco gewann zum Wochenauftakt 3 Prozent und stützte den Netzwerksektor. Das Unternehmen hat eine verstärkte Zusammenarbeit mit IBM angekündigt, nach der Firmenkunden Kommunikationstechnologie schneller nutzen und Mitabeitern über Intranet zugänglich machen können. IBM gab 1 Prozent ab.

Im allgemein schwachen Dow hielt der Automobilriese General Motors wacker sein Fähnchen hoch und schloss mit einem Plus von 3,7 Prozent als bester Wert. Die Analysten von Morgan Stanley sehen für GM und den ganzen Sektor trotz der weitreichenden Finanzierungsangebote Ende letzten Jahres eine weiter stabile Nachfrage. Zudem seien Lagerbestände abgebaut worden, und die Aktien von GM und Ford auf ein attraktives Niveau gefallen. Beide Unternehmen werden von "neutral" auf "outperform" heraufgestuft. Für DaimlerChrysler bleiben die Experten bei "neutral". Zudem raten sie, den gesamten Automobilsektor im Depot überzugewichten. Ford verbesserte sich um 3 Prozent, und DaimlerChrysler legt 1,7 Prozent zu.

Um 6 Prozent verbesserte sich das Papier des Spielwarenriesen Toys?R?Us. Die Nummer zwei auf dem US-Spielzeugmarkt hat sich eine Schlankheitskur verordnet und will 1900 Angestellte (drei Prozent der Belegschaft) entlassen sowie 64 Filialen schließen, die noch nicht nach dem neuen Unternehmenskonzept "Mission Possible" umgestaltet worden sind. Nach diesem Konzept ähneln die Läden immer mehr einem Spaziergang durch einen Themenpark als dem veralteten Supermarkt mit Lagerhallen-Charme. "Diese Läden noch umzubauen hätte mehr Geld gekostet, als wir auf absehbare Zeit hätten erwirtschaften können", begründet CEO John Eyler die Schließungen.

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