Wall Street: Stabiler Handel vor Greenspan-Rede

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Wall Street: Stabiler Handel vor Greenspan-Rede

Der Wall Street scheint es in der zweiten Wochenhälfte besser zu gehen. Der Dow Jones notiert eine halbe Stunde nach Handelsbeginn mit 100 Punkten im Plus, die Nasdaq gewinnt 32 Punkte. Die Indizes scheinen am Vormittag stabil zu sein, doch das erinnert ein wenig an den ersten beiden Handelstage dieser Woche. Die hatten vielversprechend gewonnen, dennoch haben die großen Indizes seit dem Wochenende verloren.

Wie sich der Tag an der Wall Street entwickeln wird, ist zu einem großen Teil von Alan Greenspan abhängig, der um 10 Uhr (16 Uhr MEZ) vor dem Kongress zur Lage der Wirtschaft spricht. Die Marktteilnehmer hoffen auf eine klarere Aussage als vor zwei Wochen, als der Notenbankchef sagte, er sehe Zeichen einer Stabilisierung, aber auch jede Menge ernstzunehmender Risiken. Die Wall Street hatte dies als einen Hinweis auf eine anstehende weitere Zinssenkung Ende Januar gedeutet, doch beeilten sich einige Offiziere und Präsidenten der regionalen Notenbanken, diese Aussage zu relativieren. Vor der Greenspan-Rede ist also nichts klar; Eine weitere Zinssenkung würde die Kurse wohl nur noch kurz stützen, stabile Zinsen würden den Marktoptimismus mittelfristig stärken.

Für ein wenig Optimismus sorgt am frühen Morgen der Blick auf den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung ist erneut um 15.000 gesunken, während die Analysten auf eine Steigerung um 15.000 getippt hatten. Doch wird die Nachricht den Handel nicht nachhaltig stärken, denn die Zahlen hören sich optimistischer an als sie sind: Immerhin haben in der vergangenen Woche weitere 376.000 Amerikaner ihren Job verloren. Die Arbeitslosenquote wird Ende nächster Woche bekannt gegeben.

Auch am Donnerstag hagelt es an der Wall Street Quartalszahlen. Positiv ist, was der Handyhersteller Nokia zu berichten hatte. Der finnische Handyhersteller meldet für die vergangenen drei Monate einen Gewinn von 21 Cent pro Aktie, die Analysten hatten mit einem Plus von 3 Cent pro Papier gerechnet. Nokia konnte seine Marktanteile in 2001 deutlich ausbauen und profitierte ein deutlich stärkeres Weihnachtsgeschäft als die Konkurrenz. Nokia legt vorbörslich 6 Prozent zu. Trotz der enttäuschenden Zahlen vom Vortag verbessert sich allerdings auch US-Konkurrent Motorola . Die Aktie gewinnt 8,9 Prozent.

Der Business-Software-Hesteller Siebel Systems , den Analysten schon im Vorfeld der Quartalsmeldung zum Indikator für den Tech-Markt erkoren hatten, meldet einen Quartalsgewinn von 65,9 Millionen Dollar oder 13 Cent pro Aktie. Das entspricht zwar einem Gewinnrückgang um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, doch schlägt man die Erwartungen der Wall Street deutlich um vier Cent. Für 2002 erwartet das Unternehmen deutliches Wachstum in Umsatz und Gewinn und Tom Siebel, der als einer der nüchternsten Beobachter unter den CEOs im Silicon Valley gilt, sagt: "2001 war ein schweres Jahr, aber 2001 ist Vergangenheit." Die Aktie legt 10 Prozent zu.

EMC , der weltgrößte Hersteller von Speichersystemen verkündet am Morgen zwar einen Verlust, aber einen kleineren als Analysten prognostiziert hatten. Das Unternehmen macht den erbitterten Preiskampf mit IBM dafür verantwortlich, dass man über ein Minus von 70 Millionen Dollar oder 3 Cent pro Aktie nicht hinauskam. Im Vergleichsquartal vor einem Jahr hatte man noch einen Gewinn von 562,8 Millionen Dollar oder 25 Cent pro Anteil ausgewiesen. EMC verbessert sich am Morgen um 11,7 Prozent. Die Aktie von IBM legt 1,4 Prozent zu.

Auch bei SBC Communications, dem zweitgrößten US-Telefonanbieter und Mitglied im Dow Jones, sind die Gewinne eingebrochen, allerdings nur minimal. Das Unternehmen weist für Q4 ein Anteilsplus von 37 Cent aus, im Vergleichszeitraum vor einem Jahr war es ein Penny mehr. Mit einem pro forma Plus von 64 Cent schlägt SBC die Erwartungen der Wall Street um 2 Cent, und die Wachstumsprognosen des Management auf ein Plus von 5 bis 7 Prozent im Jahr 2002 verhelfen der Aktie zu leichten Gewinnen: SBC legt 1,9 Prozent zu.

Ebenfalls einen Gewinneinbruch, und zwar den vierten in Folge, meldet McDonald?s. Auf das Ergebnis der Fastfoodkette drückte nicht nur eine teure Umstrukturierung, sondern vor allem das schwache Geschäft in Südamerika. Unter?m Strich bleibt dem Unternehmen ein Gewinn von 271,9 Millionen Dollar oder 21 Cent pro Aktie. Vor Abzug außerordentlicher Kosten schloss man mit einem Anteilsplus von 34 Cent ab - in Höhe der Erwartungen. Analysten sind dennoch enttäuscht. "Wir hatten mit einer stärkeren Erholung in Europa gerechnet und mit einem wetter-bedingt höheren Dezember-Umsatz in den USA", meint Mark Kalinowski, Restaurant Analyst von Salomon Smith Barney. McDonald?s verliert am Morgen etwa 1 Prozent.

Ganz schlecht sieht es bei Eastman Kodak aus. Die Aktie, die seit Monaten einer der schwächsten Performer im Standardindex ist, legt am Morgen zwar 6 Prozent zu, doch die Aussichten, die der Konzern am Morgen vorlegt sind alles andere als rosig. Im vierten Quartal hat das Unternehmen die Erwartungen der Analysten zwar geschlagen, doch senkt man die Aussichten für das erste Halbjahr 2002. Im laufenden ersten Quartal werde man wohl nur ein Anteilsplus von 5 bis 15 Cent statt der bisher erwarteten 26 Cent erwirtschaften. Und für das zweite Quartal rechnet man statt der bisherigen 80 Cent mit einem Gewinn zwischen 60 und 70 Cent pro Papier.

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