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Wall Street taumelt: Auf und ab nach schwachem Verbrauchervertrauen

Die US-Märkte fanden am Dienstag keine Richtung. Nachdem das Verbrauchervertrauen am Morgen schwächer ausgefallen war als erwartet, taumelten die beiden großen Indizes orientierungslos auf und ab. Beim Klang der Schlussglocke hatte der Dow Jones 31 Zähler oder 0,3 Prozent auf 10114 Punkte verloren. Die Nasdaq gab 3 Pünktchen ab und schloss auf 1767 Punkten.

Nach drei Monaten mit steigender Tendenz spiegelt das schwächere Verbrauchervertrauen der Amerikaner im Februar unter anderem das Misstrauen in Bilanz-Unstimmigkeiten nach der Enron-Krise und die schwache Entwicklung des Aktienmarkts seit Jahresbeginn wieder. "Bei guten konjunkturellen Nachrichten und fallenden Kursen wissen die Leute nicht, woran sie wirklich sind", sagt Delos Smith, Mitglied der Forschungsgruppe "The Conference Board", die den Index ermittelt.

Dass die Anleger sich vom schwachen Verbrauchervertrauen nicht völlig entmutigen ließen, zeigt ein Blick auf den Handelsverlauf: Wie ein Jojo sausten die Indizes rauf und runter. Denn wichtiger als die Zahl vom frühen Vormittag ist eine Rede, die Notenbankchef Alan Greenspan am Mittwoch vor dem Kongress halten wird. Die Mehrheit der Börsianer rechnet damit, dass das Konjunktur-Orakel die Rezession für beendet erklärt.

Dass der Handel trotzdem auf lange Sicht schwach bleiben wird, glauben die Analysten von Robertson Stevens. Das Brokerhaus hat, wie bereits die ABN Amro am Vortag, die Ertragserwartungen für die Kollegen gekürzt. Für Bear Stearns, Goldman Sachs, Lehman Brothers, Merrill Lynch und Morgan Stanley sehe man anhaltende Schwäche im laufenden Quartal, die Aktien geben im Mittel 1 Prozent ab. Stark schloss am Dienstag hingegen ein Sektor, den viele Anleger als sicheren Hafen ansteuern: Gold. Die Feinunze verteuerte sich zeitweise um 6 Dollar, Gold-Förderer wie Newmont Mining legten im Schnitt mehr als 5 Prozent zu.

Uneinheitlich schlossen die Tech-Aktien. Der Chip-Riese Intel rutschte 3,2 Prozent ins Minus, obwohl aus dem Umfeld des Unternehmens gute Nachrichten kamen. So stellte Rambus - Tagessieger mit einem Plus von 24 Prozent - einen neuen Speicherchip vor, der auf Intel-Technologie basiert und der zur Zeit stärkste seiner Klasse ist. Des weiteren sagte CEO Craig Barrett auf dem Entwicklerforum in San Francisco, er rechne damit, dass sich Taktfrequenzen für Chips weitere 15 Jahre lang alle 18 Monate verdoppeln würden, und dass Intel weiter Marktanteile ausbauen könne.

Schlechter erging es Flextronic. Der Netzwerk- und Telekomausstatter hatte gewarnt, dass man bei einem Umsatz im Rahmen der Erwartungen die Gewinnprognosen im laufenden Quartal nicht einhalten werde. Die Investitionen der Unternehmen, so CEO Michael Marks, seien nach wie vor gering. Die Analysten der Credit Suisse First Boston setzen ihre Erwartungen für Flextronic ebenfalls herunter, die Aktie gab 6 Prozent.

Weitere Tech-Verlierer waren die Aktien von Macrovision und Yahoo . "Kaufen Sie Yahoo nicht für mehr als 10 Dollar", warnte am Mittag Thomas Underwood, Analyst beim Brokerhaus Legg Mason und gab der Aktie eine Einschätzung als "Marktperformer". Underwood findet den Ausblick für Yahoo zu undurchsichtig, für nennenswertes Wachstum in absehbarer Zeit fehlten die Signale. Solange Yahoo seine Marktstellung und Datenbank nicht gewinnträchtiger nutze, sei eine Marktkapitalisierung von 9 Milliarden Dollar nicht gerechtfertigt. Yahoo schloss 0,5 Prozent schwächer auf unter 15 Dollar.

Macrovision unterdessen korrigierte seinen Ausblick für das laufende Quartal nach unten. Das Unternehmen, das Kopierschutz-Software für CDs und DVDs herstellt, hat im abgelaufenen Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen, gibt sich in einem schwachen Tech-Umfeld aber vorsichtig. Die Aktie verliert fast 10 Prozent.

Besser schnitt der Bausektor ab. Von einem Bau-Boom profitierte Toll Brothers , eines der größten Unternehmen der Branche. Man hat mit einem Gewinn von 1,20 Dollar pro Aktie die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen und erwartet, auch das Jahr 2002 über den Schätzungen beschließen zu können. "Toll Brothers und einige andere Unternehmen der Branche scheinen die Rezession übersprungen zu haben - vom Aufschwung werden sie dennoch profitieren", sagt ein Analyst am Morgen. Die Aktie legte 7 Prozent zu.

Die Baumärkte hingegen konnten frühe Gewinne nicht halten. Marktführer Home Depot hat in 2001 dank des Bau-Booms 3 Milliarden Dollar verdient, das ist eine Gewinnsteigerung von 18 Prozent. Der Anteilsgewinn lag mit 30 Cent pro Aktie 2 Cent über den Erwartungen des Marktes. Der Trend scheint vorerst auch nicht abzubrechen. So teilte das Management mit, dass die Analystenschätzungen für das nun angebrochene erste Quartal erreicht werden sollten. Goldman Sachs hält die Aktie für kaufenswert. Home Depot verlor dennoch 1 Prozent, etwas weniger als Konkurrent Lowe?s, der bereits am Montag Ergebnisse über den Erwartungen der Analysten gemeldet hatte und ein Downgrade von Prudential Securities auf "Halten" einstecken musste. Die Aktie des Heimausstatters Pier 1 Imports legte um 10 Prozent zu. Das Unternehmen setzte die Gewinnerwartungen deutlich herauf, nachdem die Verkaufszahlen im Februar unerwartet hoch gewesen seien.

Gewinne gab es auch im Einzelhandelssektor. Die Analysten der ABN Amro hatten sich den Sektor vorgenommen. Für die spezialisierten Händler vor allem im Bereich Mode rechnen die Experten mit Umsatz- und Gewinnwachstum. Rückblickend loben die Experten die Performance des Sektors. Seit Jahresbeginn hat sich der Branchenindex um 1 Prozent verbessert, der S&P 500 hat in derselben Zeitspanne 5 Prozent verloren. Beste Aktien, so ABN Amro, seien The Gap, Chicos und .

The Gap verlor 2,2 Prozent, bevor das angeschlagene Unternehmen am Abend Quartalsergebnisse meldete. Bei einem Umsatzeinbruch um 17 Prozent in den Läden, die schon mehr als ein Jahr geöffnet sind, fuhr man einen Anteilsverlust von 4 Cent ein. Es ist der zweite Quartalsverlust in Folge, nachdem man 10 Jahre lang schwarze Zahlen geschrieben hatte.

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