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Wall Street: US-Märkte sehen nach Rekord-November rot

Die Wall Street sah zum Wochenanfang rot. Der Dow Jones schloss am ersten Dezember-Handelstag mit einem Minus von 88 Punkten oder 0,9 Prozent bei 9764 Punkten. Die Nasdaq gab 25 Zäher oder 1,3 Prozent ab und ging mit 1905 Punkten aus dem Handel.

Von Gewinnen waren die beiden großen Indizes den ganzen Tag über weit entfernt. Doch angesichts zahlreicher schlechter Nachrichten überraschte das nicht. Nicht nur der Krieg in Afghanistan, sondern auch der Konflikt im Nahen Osten sorgen für Unsicherheit. Die Finanzkrise in Argentinien weitet sich aus. Und Zahlen aus dem ökonomischen Umfeld zeigen noch keinen Weg aus der Rezession. Den zweiten Monat in Folge ist das Einkommen der Amerikaner nicht gestiegen. Die Konsumentenausgaben sind um 2,9 Prozent gestiegen, das ist aber nicht mehr als eine Reaktion auf den Rückgang im September. Der Index der nationalen Einkäuferorganisationen lag im November bei 44,5 Punkten, ein Stand unter 50 Punkten bedeutet, dass die Wirtschaftsaktivitäten in der verarbeitenden Industrie weiter nachgelassen haben.

Dazu kommt, dass die Märkte einen historisch starken November hinter sich haben, in dem Dow Jones und Nasdaq jeweils 14 Prozent an Wert zulegten. Diese Kletterpartie ist den Händlern zu steil und zu schnell, viele stiegen mit Gewinnmitnahmen aus.

Es passt in das "big picture", dass die Analysten der Bank of America zur Vorsicht raten. Investoren sollten die Weihnachts-Rally nicht zu früh starten, damit dem Markt nicht vor dem Fest die Luft ausgehe. Zwar erwarte man für 2002 branchenübergreifend Gewinne, doch werde das erste Halbjahr noch einmal kritisch. Aktien der Bank of America legten am Montag minimal zu, ansonsten schlossen Papiere der Banken und Broker mit Verlusten. Morgan Stanley verlor nach einem Downgrade von Goldman Sachs mehr als sechs Prozent, Goldman Sachs gab 4,5 Prozent ab und JP Morgan Chase schloss mit einem Minus von 3,2 Prozent.

Für Kopfschütteln sorgte Enron - aus mehreren Gründen. Dass das Unternehmen Gläubigerschutz beantragt hat, wollen die Analysten von Prudential Securities nicht verstehen: "Wenn Enron Gläubigerschutz beantragt, dann ist das wie wenn ein Toter den Notarzt ruft". Dass das Unternehmen Dynegy verklagt hat, löst dort Unbill aus. "Das beweist, dass Enron wieder einmal nicht in der Lage ist, eigene Fehler zuzugeben", ärgert sich Dynegy Vorstand Chuck Watson. Enron legt am Montag noch einmal 57 Prozent zu, da Spekulanten die Aktie kaufen. Dynegy verliert zehn Prozent und notiert nun unter dem Niveau, das die Aktie vor den Verhandlungen mit Enron hatte.

Auf der Verliererseite stehen die drei großen US-Autohersteller. Zwar konnten General Motors und Ford die Verkäufe im Oktober um 13 beziehungsweise 4,4 Prozent steigern. Doch zeigen sich Investoren nicht überzeugt. General Motors verlor 1,4 Prozent. Ford brach um fast acht Prozent ein. Analysten rechnen damit, dass der zweitgrößte Auto-Konzern der Welt noch in dieser Woche eine Ertragswarnung aussprechen wird. DaimlerCrysler gab 2,4 Prozent ab. Bei dem deutsch-amerikanischen Hersteller sind die Autoverkäufe um 24 Prozent zurückgegangen. DaimlerChrysler hatte sich - anders als die Konkurrenz - gegen Sonderangebote und Billig-Finanzierungsmodelle entschieden.

Auf den Dow Jones drückte die Aktie von General Electric . Der Industriegigant gab vier Prozent ab, nachdem Salomon Smith Barney die Gewinnerwartungen nach unten revidiert hatte. Auch United Technologies belastete das Standardbarometer mit einem Minus von 2,1 Prozent.

Technologie-Werte starteten schwach in die neue Woche. JP Morgan's Tech-Spezialist Doug Cliggott sagt, Tech-Aktien wären überbewertet. Investoren sollten verkaufen und in Konsum-Werte investieren. Cliggott sieht mittelfristig keine großen Gewinne für die Unternehmen. Die angekündigten "geringen Anteilsgewinne" vieler Firmen hält er für optimistisch.

Von den Big Caps handelte am Montag allein Microsoft in der Gewinnzone. Mit positiven Kommentaren von JP Morgan im Rücken schloss das Papier schwach behauptet. Die Analysten hatten ihre Gewinnerwartungen für den Softwareriesen erhöht. Oracle verlor 2,2 Prozent nachdem Vize Präsident Jay Nussbaum seinen Rücktritt erklärt und die Analysten von Robertson Stephens ihre Erwartungen gesenkt hatten.

Als schwächster Sektor schloss mit einem Minus von 3,6 Prozent erneut die Netzwerkbranche. Chip-Titel geben 1,5 Prozent ab. Allein Intel gibt zwei Prozent ab, obwohl die Analysten von Morgan Stanley die Gewinnschätzungen für das vierte Quartal um zwei auf zehn Cents pro Aktie anheben.

Fast fünf Prozent verliert der Online-Buchhändler Amazon . Die Aktie hatte zu Beginn letzter Woche stark zugelegt, nachdem das Weihnachtsgeschäft überraschend gut gestartet war. Eine Woche später warnt Holly Becker, Analystin von Lehman Brothers, dass "im Moment nichts dafür spricht, dass Amazon besser abschneidet als zuvor erwartet."

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