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Wall Street: US-Märkte setzen sich im roten Bereich fest

Zur Mittagsstunde setzen sich die beiden großen US-Indizes im roten Bereich fest. Dow Jones und Nasdaq verlieren jeweils ein Prozent. Beim Standardbarometer sind das rund 100 Punkte, an der Nasdaq etwa 20 Zähler.

Ursachen dafür gibt es zum Wochenbeginn genügend. Zum einen haben die Märkte einen historisch starken November hinter sich, in dem Dow Jones und Nasdaq jeweils 14 Prozent an Wert zulegten. Diese Kletterpartie ist den Händlern zu steil und zu schnell, viele steigen mit Gewinnmitnahmen aus. Dann sorgt man sich um die Entwicklung im Nahen Osten. Israels Bomben auf den Gazastreifen schüren die Kauflaune nicht. Die Finanzkrise in Argentinien schwächt die Märkte weiter.

Aus dem ökonomischen Umfeld gibt es gemischte Nachrichten: Den zweiten Monat in Folge ist das Einkommen der Amerikaner nicht gestiegen. Das gab es seit Jahren nicht mehr. Die Konsumentenausgaben sind um 2,9 Prozent gestiegen. Das ist zwar mehr als der Markt erwartet hatte, aber doch nur eine Reaktion auf den Rückgang im September. Der Index der nationalen Einkäuferorganisationen lag im November bei 44,5 Punkten und damit über den Prognosen des Marktes. Trotz der Erholung bedeutet ein Stand unter 50 Punkten, dass die Wirtschaftsaktivitäten in der verarbeitenden Industrie weiter nachgelassen haben.

Es passt in das "big picture", dass die Analysten der Bank of America zur Vorsicht raten. Investoren sollten die Weihnachts-Rally nicht zu früh starten, damit dem Markt nicht vor dem Fest die Luft ausgehe. Zwar erwarte man für 2002 branchenübergreifend Gewinne, doch werde das erste Halbjahr noch einmal kritisch.

Die Schlüsselbranche der Finanzdienstleister und Broker steht am Montag unter Druck. Trotz eines Downgrades von Goldman Sachs notieren Papiere von Morgan Stanley im Plus - im Gegensatz zu den Aktien der übrigen Banken und Brokerhäuser, die im Branchenmittel mehr als zwei Prozent verlieren.

Zu den größten Gewinnern am Mittag gehören Aktien von Enron . Tatsächlich wird die Aktie bei hohem Volumen von Zockern gekauft und legt zur Stunde 46 Prozent zu. Analysten sehen den Konzern unterdessen am Ende. Die Experten von Prudential Securities schreiben: "Wenn Enron Gläubigerschutz beantragt, dann ist das wie ein Toter, der den Notarzt ruft." Enron hat nicht nur Gläubigerschutz beantragt, sondern auch Klage gegen Dynegy eingereicht. Dynegy habe, so sie Lesart der Enron-Juristen, die neun Milliarden Dollar schwere Übernahme widerrechtlich abgeblasen und damit Vertragsbruch begangen. Enron klagt auf zehn Milliarden Dollar Schadenersatz. Papiere von Dynegy verlieren sieben Prozent.

Auf der Verliererseite stehen die drei großen US-Autohersteller. Zwar sind die Verkäufe im Oktober gestiegen. Doch zeigen sich Investoren nicht überzeugt. DaimlerChrysler und General Motors verlieren 0,8 beziehungsweise 2,4 Prozent. Ford notiert mit fast sechs Prozent in der Verlustzone. Das Unternehmen leidet unter Kommentaren des Wall Street Journal. Die Experten rechnen damit, dass der zweitgrößte Auto-Konzern der Welt noch in dieser Woche eine Ertragswarnung aussprechen wird. Das Branchenblatt erwartet im vierten Quartal bei Ford einen Verlust von rund 35 Cents pro Aktie. Die durchschnittlichen Analystenschätzungen liegen bei Minus 10 Cents pro Aktie.

Technologie-Werte gehen allgemein schwach in die neue Woche. JP Morgan's Tech-Spezialist Doug Cliggott sagt, Tech-Aktien wären überbewertet. Investoren sollten verkaufen und in Konsum-Werte investieren. Cliggott sieht mittelfristig keine großen Gewinne für die Unternehmen. Die angekündigten "geringen Anteilsgewinne" vieler Firmen hält er für optimistisch.

Die Unternehmen des Netzwerksektors, der schon seit zwei Wochen in Folge eine schwache Performance zeigt, verlieren erneut 2,6 Prozent, die Chip-Branche notiert mit 1,5 Prozent im roten Bereich. Intel gibt zwei Prozent ab, obwohl die Analysten von Morgan Stanley die Gewinnschätzungen für das vierte Quartal um zwei auf zehn Cents pro Aktie anheben. Auch dass der Industrieverband für die Chipindustrie eine leichte Erholung der Verkaufszahlen für Oktober meldet, nehmen Händler nicht ernst, zumal es auch kritische Stimmen gibt. Dan Niles, Analyst bei Lehman Brothers sieht "keine Anzeichen für eine Erholung", und noch in der letzten Woche wurde ein Rückgang der Chipbestellungen um 17 Prozent bekannt gegeben.

Fast fünf Prozent verliert der Online-Buchhändler Amazon . Die Aktie hatte zu Beginn letzter Woche stark zugelegt, nachdem das Weihnachtsgeschäft überraschend gut gestartet hatte. Eine Woche später warnt Holly Becker, Analystin von Lehman Brothers, dass "im Moment nichts dafür spricht, dass Amazon besser abschneidet als zuvor erwartet."

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