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Wall Street weiter auf Talfahrt: Entlassungswelle, Gewinnwarnungen und ein Video

Die US-Märkte setzten am Donnerstag ihre Talfahrt fort. Der Dow Jones Index verlor bis zur Schlussglocke 131 Punkte oder 1,3 Prozent und ging bei einem Stand von 9765 aus dem Handel, die Nasdaq verlor 65 Punkte oder 3,2 Prozent und schloss auf 1946 Punkten. Damit notiert der Technologie-Index erneut unter der 2000-Punkte-Grenze, für den Dow Jones sind die "magischen 10.000" zunächst einmal wieder in weite Ferne gerückt.

Kurz vor Mittag war das Handelsvolumen an der Wall Street drastisch zurückgegangen. Händler verfolgten das Bin-Laden-Video, das auf allen TV-Schirmen am Parkett lief. Kursbewegungen gab es in dieser Zeit kaum. Das Video gilt als letzter Beweis für die Verantwortung des Terror-Fürsten für die Anschläge des 11. September. Auf den späteren Handel hat das Tape dennoch kaum Auswirkungen. Zunehmend verunsichert sind Investoren aber mit Blick auf die Lage im Nahen Osten.

Konjunkturdaten hatten dem Handel am Morgen schon jeden Mut geraubt. Die Einzelhandelsumsätze sind im November um 3,7 Prozent gefallen. Analysten hatten mit einem Rückgang von lediglich 3,1 Prozent gerechnet. Die Verbraucherpreise sind im vergangenen Monat um 0,6 gefallen, doppelt so stark wie erwartet. Die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sind in der vergangenen Woche dagegen erneut gestiegen, allerdings nur um 394.000 und damit geringer als erwartet.

Der Handel auf dem New Yorker Parkett stand im Zeichen der Unternehmensnachrichten, vor allem aus der Telekommunikationsbranche. Der weltgrößte Telekomausrüster Lucent hat die Umsatzziele für das erste Quartal auf 3,2 Milliarden Dollar korrigiert. Analysten waren von 4,47 Milliarden Dollar ausgegangen. Der Verlust wird zwischen 23 und 26 Cents pro Aktie betragen. Auch Wettbewerber Qwest warnt vor Umsatzeinbußen, und ähnlich pessimistisch sind die Aussichten für den Netzwerk-Hersteller Ciena . Das Unternehmen erwartet einen Umsatzeinbruch um 30 bis 40 Prozent.

Die Lucent-Aktie verlor am Donnerstag 15 Prozent, Qwest gab 3,4 Prozent ab und Ciena schloss mit 17 Prozent im Minus. Papiere von Global Crossing brachen gar um 36 Prozent ein. Auf der Aktie lastet ein Kommentar des Wall Street Journal, der Konkursgerüchte um das Unternehmen schürt. Dia zahlreichen Gewinnwarnungen zogen Zulieferer und andere Werte in den Sektoren Netzwerke und Telekommunikations-Chips mit in den Keller. Cisco, JDS Uniphase, Juniper, Broadcom, Vitesse, PMC Sierra und andere Titel verloren im zweistelligen Prozentbereich.

Papiere von Oracle handelten vor der Bekanntgabe der Quartalsergebnisse mit Verlusten, wenngleich geringeren als die übrigen Big Caps zu verkraften hatten. In der Tat gab es seitens des Unternehmens nach Börsenschluss wenig Überraschendes zu vermelden: Oracle musste im abgelaufenen Quartal ein Umsatzminus von elf Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar hinnehmen - damit war nach einer Gewinnwarnung im November allerdings auszugehen. Nachbörslich gab Oracle noch einmal fast drei Prozent ab.

Zu den wenigen Gewinnern am Donnerstag gehört die Aktie von Immunex. Das Biotech-Unternehmen Amgen ist angeblich interessiert, Immunex für 18 Milliarden Dollar zu übernehmen. Zwar wurde der Deal von Unternehmensseite noch nicht bestätigt, doch legten die Papiere von Immunex mehr als zehn Prozent zu. Amgen gab fünf Prozent ab.



Mehr als acht Prozent verlor das Internetportal Yahoo . Das Unternehmen will die Online-Arbeitsvermittlungsagentur Hotjobs.com übernehmen. Problem: Hotjobs.com hat mit TMP Worldwide bereits einen Übernahmepartner gefunden. TMP Worldwide gab drei Prozent ab, der umworbene Onlinedienst legte hingegen 60 Prozent zu.

Eine der wenigen Stützen des Dow ist zur Stunde die Aktie des Maschinenbauers United Technologies . Fast zwei Prozent gewann die Aktie, nachdem Vorstand George David bekannt gegeben hatte, das Unternehmen werde die Gewinnprognosen der Wall Street für 2001 einhalten und peile für das kommende Jahr eine Wachstumsrate von drei Prozent an. Das schwache konjunkturelle Umfeld könne durch eine erfreuliche Nachfrageentwicklung bei dem Aufzughersteller Otis und aus dem Bereich Waffentechnologie ausgeglichen werden.

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