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Wall Street: Wenig Euphorie nach Quartalsergebnissen und vor Greenspan

Vier Unternehmen aus dem Dow meldeten am Mittwoch Quartalszahlen, dazu Motorola und Pfizer. Und sogar aus dem Chipsektor kamen vereinzelt gute Nachrichten. Doch dem Handel an der Wall Street konnte all das keine Kraft geben. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 17 Punkten auf 9730 Punkten, die Nasdaq kletterte um immerhin 40 Punkte oder 2,1 Prozent und ging mit 1922 Punkten aus dem Handel.

Gründe für den flauen Handel gab es vor allem drei: Zum einen waren die Quartalsergebnisse der Blue Chips nicht berauschend, sondern lediglich im Rahmen oder minimal über den Erwartungen der Analysten. Die Aussichten von Industrie- und Basiswerten wie Caterpillar, Du Pont oder Boeing legen einen baldigen Turnaround nicht nahe. Zudem warnte selbst die stets optimistische Abby Joseph Cohen, Chef-Strategin bei Goldman Sachs, die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 würden in 2002 unter den bisherigen Erwartungen zurückbleiben.

Dass am morgigen Donnerstag Notenbankchef Alan Greenspan spricht, hat den Markt zusätzlich gelähmt. Traditionell ist der Handel alles andere als volatil, bevor sich das Orakel zur Lage der Wirtschaft äußert. Marktteilnehmer wollen von Greenspan hören, dass es bereits Zeichen einer Erholung gebe, und sie wollen weitere Hinweise auf eine eventuelle erneute Zinssenkung Ende dieses Monats.

Zunächst hielten sich die Investoren an die Quartalsergebnisse: Der Ölriese Exxon Mobil meldete aufgrund des schwachen Ölpreises einen Gewinnrückgang um fast 50 Prozent im vergangenen Quartal. Mit einem Anteilsplus von 39 Cent trifft man allerdings die Konsensschätzung der Wall Street punktgenau. Das schwache Ergebnis belastete die Exxon-Aktie im Handel nicht, denn der Gewinnrückgang ist eingepreist. In den letzten drei Monaten einer der schwächsten Titel unter den Blue Chips, legte Exxon am Mittwoch 2,3 Prozent zu.

Auch beim Chemieriesen Du Pont sind die Gewinne dramatisch zurückgegangen, man beendete das vergangene Viertel um 75 Prozent schwächer als das Vergleichsquartal. Das Unternehmen weist einen Gewinn von 12 Cent pro Aktie aus, was die Erwartungen des Marktes um einen Penny schlägt. Du Pont erwartet ein weiterhin schwaches erstes Quartal, rechnet für das gesamte Jahr 2002 aber mit einem Gewinnwachstum gegenüber 2001. Die Aktie verbesserte sich um 2,1 Prozent.

Der Flugzeughersteller Boeing hat mit einem Quartalsgewinn von 722 Millionen Dollar oder 90 Cent die Erwartungen des Marktes erfüllt. Das Unternehmen muss aber außerordentliche Kosten von fast 600 Millionen Dollar verbuchen, größtenteils Folgekosten der September-Attacken. Die Zukunft ist düster: Obwohl man mehr Flugzeuge ausliefern werde als zunächst erwartet, rechnet man bei Boeing in 2002 und 2003 mit weiteren Gewinneinbrüchen auf bis zu 52 Millionen Dollar. Die Aktie ist seit Jahresbeginn schwächster Wert im Dow und verlor am Mittwoch erneut 1,2 Prozent.

Der Baumaschinenhersteller Caterpillar meldete ein Nullwachstum für das vierte Quartal. Mit einem Anteilsplus von 64 Cent pro Aktie trifft man die Schätzungen. Für die erste Jahreshälfte 2002 gibt sich das Management pessimistisch, die Gewinne werden "deutlich unter dem aktuellen Ergebnis" liegen. Auf das ganze Jahr gesehen hofft Caterpillar, die Gewinne leicht steigern zu können, die Analysten der Wall Street haben ihre Erwartungen an das Unternehmen aber bereits nach unten revidiert. Caterpillar schloss mit einem Plus von 1,2 Prozent.

Wirklich gute News kamen nur von Pfizer . Der weltgrößte Pharmakonzern und Viagra-Hersteller hat mit einem Quartalsgewinn von 34 Cent pro Aktie die Erwartungen der Analysten erfüllt, doch viel beeindruckender ist die Tatsache, dass das Unternehmen seine Gewinne um 21 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal steigern konnte und dieses Wachstum auch noch stabilen Gewinnen in sämtlichen Produktreihen zu verdanken hat. Pfizer, als einziges großes Pharmaunternehmen auf absehbare Zeit nicht von auslaufenden Patenten und der Konkurrenz von Generika bedroht, erwartet auch für 2002 ein Gewinnwachstum im zweistelligen Bereich. Am Mittwoch legte die Aktie ein halbes Prozent zu.

Mit Bayer geht am morgigen Donnerstag einer der großen Konkurrenten von Pfizer in das Rennen an der New Yorker Börse. Der Konzern aus Leverkusen wird zum ersten Mal an einer US-Börse gelistet.

Die Flaute beim Handyhersteller Motorola hält unterdessen an. Das Unternehmen hat den vierten Quartalsverlust in Folge gemeldet und rechnet mit einem "noch schlechteren Ergebnis" im nächsten Quartal, nicht zuletzt weil Motorola weiter mit den Konkurrenten Nokia und Texas Instruments um Marktanteile kämpft. Die Analysten von JP Morgan sind dennoch optimistisch und verpassen der Aktie ein Upgrade auf "kaufen". Motorola gibt 1,7 Prozent ab.

Tagesgewinner an der Nasdaq war der Speicherchiphersteller Emulex: Die Analysten von JP Morgan und Salomon Smith Barney halfen dem Titel mit einem Upgrade auf "kaufen". Emulex hatte am Vorabend einen Quartalsgewinn von 13 Cent und damit über den Erwartungen gemeldet. Zwar ist der Gewinn gegenüber dem Vorjahresquartal gefallen, gegenüber den drei Vormonaten aber um 18 Prozent gestiegen. Emulex legte um mehr als 10 Prozent zu.

Auch einige Chip-Ausrüster wurden von JP Morgan aufgestuft. Die Analysten sehen angesichts optimistischer Meldungen aus dem Speichersektor eine künftig stabilere Nachfrage für die Zulieferer, die Chipdesigner und die Hersteller von Testgeräten. "Das Schlimmste ist überstanden", sagen die Experten und raten Novellus, Applied Materials, KLA-Tencor, Teradyne und Varian Semi "langfristig zu kaufen". Der Sektor büßte frühe Gewinne im Tagesverlauf allerdings ein und schloss mit leichten Verlusten.

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