Wall Street wirkt sich negativ aus
Dax stürzt ab

Minus-Vorzeichen bestimmen den Kurstrend an den deutschen Aktienbörsen. Vor der Rede von US-Präsident George W. Bush zu den Terroranschlägen wollten institutionelle Anleger keine Käufe vornehmen. Der Dax fiel zeitweise unter die Marke von 3800 Punkten.

pk/Reuters FRANKFURT/M. Die deutschen Aktienbörsen spürten auch am Donnerstag wieder die Nachwirkungen der Terror-Anschläge in den USA. Schon vor der Eröffnung der amerikanischen Handelsplätze waren die deutschen Dividendenpapiere unter Druck geraten. Die schwache Wall Street beschleunigte dann die Talfahrt des Deutsche Aktienindex (Dax). Er beendete den Handel mit einem Minus von 5,74 % bei 3809,67 Punkten und damit auf dem tiefsten Stand seit November 1997. Sein Tagestief hatte er kurz vor Handelsschluss bei bei 3778,18 Zählern markiert.  

Im Handel waren die Einschätzungen insgesamt sehr in Moll gehalten, ein Marktteilnehmer sprach von "japanischen Verhältnissen" in Anspielung an die mehr als ein Jahrzehnt alte Börsenbaisse in Tokio. Viele institutionelle Adressen seien angesichts der Verluste an den Vortagen wohl gezwungen, aus Gründen der Verlustbegrenzung und des Risiko-Controllings auch auf sehr tiefen Kursständen auszusteigen. "Möglicherweise gibt es noch einen größeren Sell-Off, bevor sich Anzeichen einer Bodenbildung zeigen können", sagte ein Broker. In den USA stoppten offenbar die gerüchteweise vermuteteten Stützungskäufe von Pensionskassen, weshalb sich das gesamte Ausmaß des Abschwungs erst jetzt zeige. Allerdings höre auch "der schlimmste Regenschauer" einmal auf.

Händler wiesen darauf hin, dass sich jetzt das Interesse auf die Folgekosten der Attentate konzentriere und dass hier die höheren Schadenschätzungen der Rückversicherer auf die Stimmung drückten. Die Münchener Rück hatte am Morgen bekannt gegeben, der Konzern müsse nach den Anschlägen in New York mit mehr als zwei Mrd. Euro den größten Einzelschaden der Unternehmensgeschichte verkraften.

Auch Swiss Re teilte mit, stärker belastet zu sein, als nach einer ersten Schätzung in der vorigen Woche angenommen. Die Investmentbank Goldman Sachs senkte die Gewinnprognosen für mehrere europäische Versicherer, was den Druck auf die Kurse erhöhte. Münchener Rück schlossen gut 7 % unter dem Schlusskurs des Vortags.

Lufthansa brachen nach einer Gewinnwarnung bei hohen Umsätzen um 14 % ein und sackten auf ein Rekordtief von 8,90 und waren damit Tagesverlierer unter den deutschen Standardwerten. Konzernchef Jürgen Weber hatte einen operativen Verlust in diesem Jahr nicht mehr ausgeschlossen. Analysten zeigten sich vor allem über die Dramatik der Ergebnisprognose etwas überrascht, sprachen der Lufthansa aber erneut wirtschaftliche Standfestigkeit zu.

Unter Abgabedruck standen auch die Titel des Sportartikelherstellers Adidas-Salomon , die sich um fast 11 % verbilligten. Seit der Ankündigung des Unternehmens vom Dienstag, bei dem deutschen Fußballverein FC Bayern München einsteigen zu wollen, sei der Verkaufsdruck besonders stark, sagte ein Händler. "Dass neue Aktien ausgegeben werden, wird vom Markt derzeit negativ beurteilt", hieß es. Außerdem meinte ein Händler, die Aussichten für Großveranstaltungen wie Fußballspiele könnten derzeit schwer eingeschätzt werden.

Auf der Seite der Kursgewinner fanden sich seit dem Nachmittag nur SAP und Deutsche Post. Die Aktie der Softwareschmiede SAP zog um 1,6 % an. Am Morgen hatte SAP nach einer ersten Einschätzung möglicher Folgen der Anschläge in den USA auf die eigenen Geschäfte mitgeteilt, die bisherigen Geschäftsprognosen für 2001 vorerst beizubehalten. Die Papiere der Deutschen Post gewannen knapp 0,9 %.

Bei der knapp behaupteten Epcos -Aktie wirkte die Einschätzung der Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Sie stuften die Aktien des Herstellers passiver Bauelemente auf "Buy" von zuvor "Reduce" nach oben.

Auch an den Regionalbörsen überwogen die Abschläge. In Stuttgart gaben Hermle nach, in Berlin konnten Mühl und Mologen zulegen. In München bildete sich bei den Lokalwerten kein einheitliches Kursbild heraus. Während Leoni und Vogt Electronic abbröckelten, tendierten Hasen-Bräu etwas fester.

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