Wall Street: Wochen-Ausblick
Die neue Woche ruft die Volkswirte auf den Plan

Da die Ertragssaison in den USA langsam dem Ende entgegen neigt, und die Mehrzahl der Dow-Unternehmen bereits gemeldet hat, beginnt nun wieder die Zeit der Interpretation der Makro-Daten. In der kommenden Woche stehen einige Konjunktur-Zahlen auf dem Plan.

wsc NEW YORK. Der Blick auf die amerikanischen Index-Charts für die abgelaufene Woche vermittelt einen Eindruck der Stabilität. Gegenüber dem Schlußstand der Vorwoche konnte der Dow Jones soagr leicht zulegen. Dabei sah es bis Mitte der Woche so aus, als würden wir die Korrektur der Märkte mit steigender Geschwindigkeit fortsetzen. Am Mittwochmorgen notierte der Dow-Future mit über 200 Zählern im Minus. Doch schon kurz nach der Eröffnungsglocke drehte die Stimmung. Am Ende des Tages handelte der Index für die größten US-Werte mit über 6 % im Plus. Ein ähnliches Bild zeichnete sich an der Technologiebörse Nasdaq ab. Dennoch bleiben die Analysten skeptisch. Nachdem Lehman Brothers und Banc of America bereits am Montag die Kursziele für die großen US-Indizes gesenkt hatten, legte am Mittwoch Salomon Smith Barney nach. Der Chef-Stratege Tobias Levkovich fährt die Prognosen sogar stärker zurück als seine Kollegen - er ist der erste, der den Dow Jones auf Jahressicht unter 10 000 Punkten sieht, was angesichts der aktuellen Schwäche noch immer keine mutige Prognose ist. Levkovich senkt die Erwartungen an den Dow von 11 200 Punkten auf 9 650 Punkte, den marktbreit gefächerten S&P 500 sieht er bei 1 000 Zählern und damit rund 20 % unter seiner bisherigen Prognose. "Die Bilanzskandale der letzten Wochen stinken zum Himmel und verdrängen die guten Nachrichten von der konjunkturellen Erholung und steigenden Unternehmensgewinnen", fasst Levkovich die Situation zusammen. Der Schaden, den die Aktien davontragen, sei nicht so leicht wieder gut zu machen. Da die Ertragssaison langsam dem Ende entgegen neigt, und die Mehrzahl der Dow-Unternehmen bereits gemeldet hat, beginnt nun wieder die Zeit der Interpretation der Makro-Daten. Am Montag meldet das Conference Board das Konsumentenvertrauen für Juli. Dienstag werden die Angaben zum Bruttoinlandsprodukt erwartet. Experten rechnen für das zweite Quartal mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 % gegenüber dem Vorjahr. Außerdem sorgt das Beige Book der Fed und der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago für Spannung. Zum Wochenausklang werden die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe veröffentlicht. Der ISM-Index des produzierenden Gewerbes könnte den Handel belasten - Volkswirte prognostizieren einen Rückgang der Aktivitäten. Zum wiederholten Male könnten die privaten Verbraucher alles richten. Am Freitag könnte ein Anstieg der persönlichen Einnahmen und Ausgaben für Freude sorgen. Sind doch die Haushalte für rund zwei Drittel des US-BIPs verantwortlich. An der Unternehmensfront wird es im Gegensatz zur abgelaufenen Woche wieder ruhiger. Für Bewegung am Markt könnten die aktuellen Quartalszahlen von Chevron Texaco, Exxon Mobil, Liberty Media und Walt Disney sorgen. An der Nasdaq werden die Restaurantkette Applebees, das Online-Reisebüro Priceline und der Chipausrüster KLA Tencor Ergebnisse melden. Ob sich der Investor in der neuen Woche auf eine Berg- oder Talfahrt einstellen muss, hängt wohl zu allererst davon ab, ob neue Finanzskandale für Aufsehen sorgen. Das in der abgelaufenen Woche John Rigas und drei seiner Söhne in Handschellen abgeführt wurden, sollte vorerst für genügend Abschreckung bei den potenziellen Betrügern gesorgt haben. Die Gründerfamilie des sechstgrößten US-Kabelbetreibers Adelphia werden wegen des Verdachts auf Finanzbetrug angeklagt. Die US-Börsenaufsicht SEC spricht von einer der "weitreichensten Betrügerei" in der Geschichte. © Wall Street Correspondents, Inc.

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