Walt Disney würde 100 Jahre alt
Disney: Die Maus, ein Mann und sein Imperium

Unter den berühmtesten Markennamen des 20. Jahrhunderts besitzt der von Walt Disney die größte Magie. Denn damit verbinden sich für die ganze Welt Erinnerungen an die freche Mickymaus, den tollpatschigen Enterich Donald Duck und anrührende Kinostunden mit Trickfilmklassikern wie "Bambi".

ap FRANKFURT/MAIN. Dazu steht der Name Disney für die riesigen Freizeitparks in Kalifornien und anderswo, für einen Unterhaltungskonzern mit Milliardenumsatz und nicht zuletzt auch für einen außergewöhnlichen Mann, der zum amerikanischen Mythos wurde.

Geboren vor 100 Jahren, am 5. Dezember 1901, in Chicago als Walter Elias Disney, wuchs er im ländlichen Mittelwesten auf, dort besuchte er die Schule. Der Vater, der sich ohne Erfolg als Farmer versuchte, war kanadisch-irischer, die Mutter deutscher Abstammung. Walt zeigte einiges Talent fürs Zeichnen, nahm noch kurz am Ersten Weltkrieg in Europa als Rotkreuzfahrer teil und wurde, zurück in Kansas City, Mitarbeiter einer Werbefirma. Dort lernte er den gleichaltrigen Ub Iwerks kennen, als Zeichner viel talentierter als Disney, aber längst nicht so visionär und führungsstark wie dieser.

Zusammen machten sich die jungen Männer selbstständig und stiegen ins Geschäft mit Trickfilmen ein. Das war zu Beginn der 20er Jahre bereits ein bekanntes Genre, wenngleich technisch noch in den Anfängen. Nach dem ersten geschäftlichen Schiffbruch gab Disney keineswegs auf, sondern zog nach Hollywood. Dort keineswegs mit offenen Armen empfangen, musste er sich die ersten Jahre mit belanglosen Trickfilmen über Wasser halten. Die Wende im Leben des jungen Mannes brachte seine Erfindung der legendären Mickymaus, mit der er im Herbst 1928 in seinem Film "Steamboat Willy", dem ersten vertonten Zeichentrickfilm, sensationellen Erfolg hatte.

Disney ruhte sich darauf nicht aus, das tat er bis zu seinem Tod nie. Das verdiente Geld, auch darin blieb er sich sein ganzes Leben lang treu, wurde sofort in neue, noch anspruchsvollere Projekte investiert. Bereits 1932 konnte Disney für eine Episode in der Weltneuheit eines farbigen Trickfilms den ersten von insgesamt 32 Oscars seiner Karriere gewinnen. 1934 wurde mit dem Enterich Donald Duck eine weitere Legendengestalt des vergangenen Jahrhunderts «geboren». Der Mann aus Kansas wurde in Hollywood zum Chef eines ständig wachsenden Studios, in dem sich die begabtesten Zeichner und Tricktechniker jener Zeit konzentrierten.

Ihr längst unumstrittener, wenngleich autoritärer Chef trieb sie an zu einer Pioniertat, die ein Markstein der Filmgeschichte ist: Mit «Schneewittchen und die sieben Zwerge» kam 1937 der erste abendfüllende Zeichentrickfilm in die Kinos und wurde ein Welterfolg. Mit dem ungeheuren Aufwand von über 400 000 Zeichnungen, der individuellen Ausstattung jeder einzelnen Figur und dem Einsatz von Musik und Gesang setzte dieser Disney-Streifen Maßstäbe, die bis in die Gegenwart gelten.

Der "gute Mensch von Hollywood"

Der egomanische Bewunderer der Despoten Adolf Hitler und Benito Mussolini, der Mann, der den kommunistischen russischen Filmemacher Sergej Eisenstein ebenso hofierte wie die Nazi-Propagandistin Leni Riefenstahl, war von nun an einer der ganz Mächtigen in Hollywood. Daran änderten auch einige kriegsbedingte geschäftliche Rückschläge und der erbittert geführte große Streik in den Disney-Studios 1941 nichts mehr. Aber der Produzent gab sich von nun an überaus patriotisch, strikt antikommunistisch und gewerkschaftsfeindlich.

Gleichwohl gelang es dem Mann mit dem gepflegten Oberlippenbärtchen und der warmen väterlichen Stimme sein Image als "guter Mensch von Hollywood", als Märchenonkel der westlichen Welt aufzubauen. Dass er Juden und Schwule nicht mochte, am liebsten nur unter Männern weilte und mit seiner überdimensionalen Spielzeugeisenbahn kindlich vergnügt im Garten herumfuhr, störte nur wenige. Privat war er schließlich ein skandalfreier Ehemann und Vater zweier Töchter. Vor allem aber galt er als der "erfolgreichste Eroberer seiner Zeit, weil er Herzen und Hirne besetzte".

Was er anfasste, wurde zu Gold: Nach dem Krieg produzierte er höchst erfolgreich auch normale Spielfilme und Naturdokumentarfilme wie den Klassiker "Die Wüste lebt" (1953). Und 1955 setzte er sich mit der Einweihung von "Disneyland" selbst ein Denkmal. Einer unter Abermillionen hatte es verstanden, seine Träume ganz real werden zu lassen und damit Abermillionen zu verdienen. Der grandiose, nach Disneys Plänen gebaute Vergnügungspark im kalifornischen Anaheim wurde rasch nach der Eröffnung zur Wallfahrtsstätte für Familien und Touristen. Daran hat sich in den 46 Jahren seit der Eröffnung nichts geändert.

Als Walt Disney am 15. Dezember 1966 an den Folgen einer Operation starb - der starke Raucher hatte Lungenkrebs -, war er bereits eine legendäre Gestalt. Er hatte noch vor seinem Tod an der Planung von "Disneyworld" in Florida und des Kinoklassikers "Dschungelbuch" mitgewirkt. Mit internationalen Orden und Ehrendoktorhüten überhäuft, galt er als Symbolfigur des amerikanischen Traums, immer neu alte Grenzen zu überwinden. Disney machte tatsächlich nicht Filme, um Geld zu verdienen, sondern Geld, um Filme zu machen und seine Visionen zu realisieren. Auch solche Menschen sind sterblich, ihre Namen jedoch nicht.

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