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Walter Bau will nach Fusion wieder in die Gewinnzone

Die Augsburger Walter Bau-AG will nach der Fusion mit der Dyckerhoff & Widmann AG (Dywidag) zum zweitgrößten deutschen Baukonzern schon in diesem Jahr operativ wieder schwarze Zahlen schreiben.

rtr MÜNCHEN. Der bisherige Dywidag-Chef und designierte Walter-Bau-Vorstandschef Hans-Joachim Wolff sagte am Donnerstag in München, der Konzern rechne für 2001 mit einer Umsatzrendite "in Richtung von einem Prozent" auf die Gesamtleistung von 4,3 (2000: 4,4) Mrd. ?. Nach den hohen Verlusten im Inland will Walter-Bau in den nächsten zwei bis vier Jahren auf den als lukrativer erachteten Märkten in Osteuropa vornehmlich durch Zukäufe wachsen. "Die Fusion wird niemand verhindern", unterstrich Mehrheitsaktionär Ignaz Walter.

Walter Bau und Dywidag verbuchten im Jahr vor ihrer Fusion zusammen einen fast dreistelligen Millionen-Verlust. Verluste aus drei Großprojekten in den USA und das anhaltend schlechte Inlandsgeschäft führten bei Walter Bau im vergangenen Jahr zu einem noch höheren Konzernfehlbetrag von 64,7 (Vorjahr: minus 46,4) Mill. ? als ein Jahr zuvor, und auch die Münchener Dywidag rutschte den Angaben zufolge im Zuge der Baukrise mit minus 34,3 (1999: plus 5,6) Mill. ? nach Steuern in die Verlustzone. Erstmals seit Beginn der Baukrise habe Dywidag im Inland ein negatives operatives Ergebnis erzielt, hieß es. "Es gibt keine große deutsche Baufirma, die 2000 im Inland schwarze Zahlen geschrieben hat", sagte Walter.

Die operative Konzern-Bauleistung von Dywidag ging nach den Angaben um nahezu drei Prozent auf 1,97 (2,03) Mrd. ? zurück, bei Walter Bau verringerte sie sich nach der Fusion mit Heilit+Woerner um acht Prozent auf 4,01 (4,37) Mrd. ?. Darin waren rund 1,5 Mrd. ? von der nur im Jahr 2000 konsolidierten Stuttgarter Ed. Züblin enthalten. Ignaz Walter hatte seinen Anteilsbesitz an Züblin Anfang dieses Jahres auf unter 50 % reduziert. An dem neuen Konzern werde er rund 60 % halten und Züblin rund 15 %, sagte Walter.

Wachsen will der Walter-Konzern vor allem in Osteuropa. Auf dem westeuropäischen Markt sei es für eine deutsche Firma sehr schwierig, Fuß zu fassen, sagte Walter. Der Auslandsanteil soll durch Akquisitionen von Baufirmen vor Ort binnen zwei bis vier Jahren auf 35 bis 40 % ausgebaut werden. Derzeit ist er nur halb so hoch. Auch gemeinsame Zukäufe mit Züblin seien denkbar.

Ignaz Walter zeigte sich zuversichtlich, dass die Übernahme von Dywidag wie geplant über die Bühne gehen werde. Am 10. Mai werde auch der Aufsichtsrat von Züblin, der mit rund 25 % an Dywidag beteiligt ist, der Fusion zustimmen, sagte er. Wegen des fehlenden Verschmelzungsberichts war die Abstimmung dort am vergangenen Freitag vertagt worden. Die Aufsichtsgremien von Walter Bau und Dywidag haben die Übernahme bereits gebilligt und das Umtauschverhältnis fest gelegt. Walter verwahrte sich gegen "Versuche, die Fusion kaputt zu reden". In einem Zeitungsbericht hatte es geheißen, Walter Bau wolle sich durch die Übernahme nur sanieren. "An beiden Firmen hängt mein Herzblut", sagte Walter, der an Walter Bau und Dywidag mit Mehrheit beteiligt ist. Die Hauptversammlungen müssen dem Zusammenschluss am 22. und am 29. Juni zustimmen.

Der Unternehmenswert der beiden Bauunternehmen liege nach dem Fusionsgutachten bei 2,0 Mrd. DM, sagte Wolff. Eine Milliarde DM davon entfalle allein auf nicht betriebsnotwendiges Vermögen. Das operative Ergebnis des vereinigten Konzerns, der in vier Säulen gegliedert wird, soll nach Angaben Wolffs 2001 "leicht positiv" ausfallen. Für die Kosten der Fusion, die auf 75 bis 80 Mill. DM veranschlagt werden, seien 2000 bereits 65 Mill. DM zurückgestellt worden. Dem sollen im laufenden Jahr 55 Mill. DM an Einsparungen gegenüber stehen. Insgesamt rechne Walter Bau mit Synergieeffekten von 250 Mill. DM pro Jahr. "Die Fusion ist ein notwendiger und richtiger Schritt", so Wolff.

Dem Zusammenschluss werden den Angaben zufolge rund 1600 der 23 900 Stellen weltweit zum Opfer fallen, die meisten davon in Deutschland. Der Personalabbau werde in den nächsten eineinhalb bis zwei Jahren erfolgen, ein Sozialplan sei bereits vereinbart, sagte Walter. In Deutschland arbeiten bei Walter Bau und Dywidag 15 200 Menschen.

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