Walther wirbt für weitere Kapitalmaßnahmen
Gold-Zack bewegt sich auf dünnem Eis

Der Vorstandschef des angeschlagenen Finanzdienstleisters Gold-Zack hat anlässlich der außerordentlichen Hauptversammlung für zusätzliche Kapitalschritte zur Rettung des Unternehmens geworben.

Reuters METTMANN. "Uns drückt, wenn die Kapitalmaßnahmen nicht umgesetzt werden, eine mögliche Überschuldung, zudem eine angespannte Liquiditätslage", sagte Gold-Zack-Chef Dietrich Walther am Montag in Mettmann. Finanzvorstand Rolf Rickmeyer sagte: "Gold-Zack steht auf dünnem Eis." Aktionärsvertreter gingen sowohl mit Walther als auch seinem Vorgänger Christian Stolorz hart ins Gericht. Vorstand und Aufsichtsrat seien für einen "Scherbenhaufen" verantwortlich und hätten grob fahrlässig gehandelt.

Die Fortführung des Unternehmens setze "zwingend" die Realisierung der geplanten Kapitalschritte voraus, bekräftigte Walther zum Auftakt. Finanzchef Rickmeyer bezifferte die frei verfügbaren Bankguthaben auf 1,4 Millionen Euro. Walther hält mit seiner Familie rund 30 Prozent der Aktien, weitere fünf Prozent gehören dem Management, der Rest liegt im Streubesitz.

Vor 600 Aktionären bekräftigte Walther, die Eigenkapitaldecke sei so dünn, dass ohne die notwendige Restrukturierung ein weiterer Verzehr des Eigenkapitals und eine Insolvenz nicht auszuschließen sei. Nach früheren Angaben will sich Gold-Zack vom Emissionsgeschäft verabschieden und intensiv in die Beratung von mittelständischen Unternehmen einsteigen.

Auf der Hauptversammlung des im MDax notierten Unternehmens sollen die Aktionäre über eine Herabsetzung des Kapitals in Verbindung mit einem erneuten vorzeitigen Umtauschangebot für eine Wandelschuldverschreibung entscheiden. Im Kern ist eine Herabsetzung des Kapitals im Verhältnis 7:1 geplant. Gold-Zack rechnet damit, dass 75 Prozent der Anleihe im Volumen von 111,5 Millionen Euro in Aktien gewandelt würden.

Ohne den Namen seines Vorgängers zu nennen, ging der nach einjährigem Ausflug aus dem Aufsichtsrat zurückgekehrte Walther mit dem ehemaligen Vorstandschef Christian Stolorz hart ins Gericht. Die Entwicklungen seien nicht überraschend gewesen. Es hätte rechtzeitig gegengesteuert werden können. Stolorz musste Ende März zurücktreten, als die Schieflage deutlich wurde. Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) wurde deutlicher. Stolorz habe die Aktionäre mit Gewinnprognosen getäuscht. Aufsichtsratschef Walther hätte früher handeln müssen, mahnte der DSW-Vertreter.

Der Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SDK) sagte, "nicht die Aktionäre haben die Gesellschaft in den Ruin gebracht, sondern Vorstand und Aufsichtsrat." Da Gold-Zack ihre künftigen Ertragsaussichten nicht vorgelegt habe, sei es "unzumutbar", über die geplanten Kapitalschritte abzustimmen, sagte SDK-Vertreter Markus Kienle.

Walther räumte zudem im Zusammenhang mit der Mitte Mai erfolgten Insolvenz der Gontard&MetallBank weitere finanzielle Risiken ein. Es existiere gegenüber dem Bundesverband deutscher Banken (BdB) eine Verpflichtungserklärung für die Bank. Der Vereinbarung von 1996 zufolge müsse Gold-Zack als Gegenleistung 25 Prozent der Ergebnisse im gewöhnlichen Geschäft von 2004 bis 2006 abführen. Dieser Fall trete nicht ein, wenn mindestens 50 Prozent der Wandelanleihe in Eigenkapital umgewandelt würden. Die Insolvenz der Bank belaste das Unternehmen mit rund 100 Millionen Euro, sagte Walther. Gold-Zack hält 45 Prozent an dem Institut.

Gold-Zack hatte am Freitag verspätet den ersten Quartalsbericht für 2002 veröffentlicht und eine "sehr angespannte Finanzlage" eingestanden. Der Kurs der Gold-Zack-Aktie gab um rund elf Prozent auf 0,24 Euro nach.

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