Wandel auf schmalem Grat
Oberbefehlshaber Bush zeigt nun Flagge

Am Anfang ließ sich der Oberbefehlshaber kaum sehen. George W. Bush war in den ersten Tagen des Irak-Krieges auf dem besten Weg, zum "Unsichtbaren Mann" zu werden. Die Absicht, die wohl dahinter steckte: er wollte als souveräner Chef wirken, der siegesgewiss über den Dingen steht. Das hat sich inzwischen gründlich geändert.

HB/dpa WASHINGTON. Der US-Präsident wollte am Donnerstag erneut Flagge zeigen und Camp Lejeune im Bundesstaat North Carolina besuchen, einen Stützpunkt der Marineinfanterie. Er trat schon im US-Zentralkommando in Tampa (Florida) und bei der Küstenwache in Philadelphia (Pennsylvania) auf. In Camp Lejeune stand ein Treffen mit Familien von Marineinfanteristen auf dem Programm, die im Irak kämpfen. Mindestens 12 der bislang getöteten "Marines" waren in North Carolina stationiert.

Das Weiße Haus bestreitet, dass der Kriegsverlauf etwas mit der Aufgabe der Zurückhaltung zu tun hat. "Der Präsident legt Wert darauf, viele der Plätze zu besuchen, die an der "Operation Irakische Freiheit' beteiligt sind", sagt Sprecher Ari Fleischer. Er wolle demonstrieren, wie das Land hinter den Soldaten und ihren Angehörigen stehe.

US-Medien halten es hingegen nicht für Zufall, dass der Präsident desto mehr aus der Deckung kam, je stärker Strategien und Verlauf des Krieges in die Schusslinie gerieten. Bis dahin hatte er sich nicht nur in den Kulissen aufgehalten, sondern nach Fleischers Darstellung angeblich auch so gut wie nie im Fernsehen das Geschehen verfolgt - was Bekannte bestritten: Bush habe sich am ersten Wochenende kaum vom Bildschirm losreißen können.

Nun aber läuft nach dieser Einschätzung eine konzertierte Aktion gegen die Annahme, dass der Feldzug schlechter als geplant verlaufe. Gleichzeitig bereitet Bush die Bevölkerung darauf vor, dass der als sicher bezeichnete Sieg nicht ohne Opfer errungen werden könne. "Viele Gefahren liegen vor uns", sagte der Präsident in Philadelphia. Der zu allem entschlossene Feind könne gar "Terror zu unseren Ufern bringen". Bisher hat er mit dieser Taktik Erfolg. In Umfragen erhält er Zwei-Drittel-Mehrheiten für seinen Kurs.

Eine weitere Adressatin des Präsidenten ist die irakische Bevölkerung, die anders als von US-Optimisten erwartet den Invasionstruppen nicht jubelnd in Massen entgegen geeilt ist. Seine Rede in Philadelphia wurde sofort übersetzt, um sie über Radiosender in Flugezugen in den Irak auszustrahlen. "Ich gebe den Menschen des Irak dies Versprechen: Wir kommen mit einer mächtigen Streitmacht, die Herrschaft Eurer Unterdrücker zu beenden. Wir werden nicht stoppen und nicht nachgeben, bis das Land frei ist." Die Botschaft, dass die Stunde von Saddam Hussein endgültig geschlagen habe, will er immer wieder vortragen.

Durch das neue Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit hat sich der US-Präsident auf einen schmalen Grat begeben. Er zeigt Anteilnahme und Führungskraft und will gleichzeitig den Eindruck eines besorgten "Mikromanagers" vermeiden. "Ich denke nicht, dass sich der Präsident auf dieser Ebene darum schert", sagte sein Sprecher auf die Frage, ob Bush zwischen Kritikern und Verteidigern der Strategie in den US- Streitkräften vermittele.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%