Wandel zum Unterhaltungskonzern
Juventus Turin wird nach Börsengang zu "Mondo Juve"

Mit dem Gang an die Mailänder Börse wird Italiens Fußball-Rekord-Meister Juventus Turin endgültig zum breit gefächerten "Unterhaltungskonzern". Mit den geschätzten 530 Mill. DM (rund 265 Mill. Euro) aus dem Börsengang will der Agnelli-Clan "Mondo Juve" (Die Juve-Welt) ins Leben rufen.

dpa TURIN. Statt neuer Spieler wollen die Turiner mit den Einnahmen das Turiner "Stadio delle Alpi" kaufen und zu einer Freizeitanlage ausbauen. Außerdem soll auf dem Gelände der Turiner Pferderennbahn vor den Toren der Stadt ein großes Sportzentrum mit Geschäften, Kinos, Restaurants und Bars entstehen. "Wir werden neue Einnahmequellen erschließen", erklärte Juves Geschäftsführer Antonio Giraudo. Mit Juve soll der Aktionär Geld verdienen können, auch wenn die Mannschaft mal schlechter spielt.

Die Pläne für "Mondo Juve" lagen seit Jahren in den Schubladen der Agnellis. Wo das Geld in schier unendlichen Massen vorhanden ist, gab es keinen Grund zur Eile. "Wir sind ein solides Unternehmen", sagte Giraudo, der mit Stolz seit fünf Jahren positive Jahresbilanzen präsentieren kann. Im letzten Jahr nahm "Juve" 171,1 Mill. Euro ein, 24 % mehr als im Vorjahr. Der Gewinn stieg um fünf Prozent auf 5,8 Mill. Euro. Und das ist wahrlich nicht schlecht in einer Liga, die im abgelaufenen Geschäftsjahr nach Angaben der Wirtschaftszeitung "Sole 24 Ore" mit ihren 18 Clubs ein Defizit von 1,4 Mrd. DM zu verzeichnen hat. Allein Inter Mailand fehlten zum Jahresabschluss fast 300 Mill. DM in der Kasse.

"Juves" Kassen dagegen waren immer gut gefüllt. Und in Zukunft sollen sie noch voller werden. Noch ist das Geschäft mit Fan-Artikel nicht ausgereizt. Das Potenzial der Turiner ist enorm. "Juve" hat nach einer Untersuchung 17 Millionen Fans in Europa, 11 Millionen davon in Italien. Dies ist ein Drittel aller Fußball-Fans des Landes. Kein anderer Serie A-Club erreicht so hohe Zahlen. Dies garantiert nicht nur hohe Einnahmen durch den Verkauf von Fan-Artikeln, sondern auch durch staatliche Fernsehgelder. Je mehr Fans ein Club hat, umso mehr bezahlen die Pay-TV-Sender für die Rechte. Schließlich sind es vor allem die Fans, die bereit sind, für Live-Übertragungen der Spiele ihrer Mannschaft zu zahlen.

Sieben Jahre hat "Juve" nach Angaben von Giraudo am Börsengang gearbeitet. Nach Lazio Rom und Meister AS Rom ist «Juve» ab Dezember der dritte italienische Fußball-Club, der an der Mailänder Börse gehandelt wird. Andere Top-Vereine wie AC und Inter Mailand planen ebenfalls den Gang aufs Börsenparkett, ohne jedoch konkrete Termine zu nennen. Für die Aktionäre waren die Börsengänge der italienischen Clubs bislang allerdings keine großen Erfolge. Die Aktie von Lazio ist gemessen an ihrem Ausgabewert ähnlich wie das Papier von Borussia Dortmund nur noch die Hälfte wert.

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