Wandelanleihe sorgt für Aufruhr am Wachstumssegment
Lagardère setzt T-Online dramatisch in Szene

Großes Aktientheater ist selten geworden am Neuen Markt, besonders die heiteren Stücke. Auch am Dienstag stand Dramatisches auf dem Spielplan: Der angekündigte Teilausstieg des französischen Medienkonzerns Lagardère brachte den Kurs des Schwergewichtes T-Online ins Rutschen.

FRANKFURT. Da die dafür notwendigen Stars selten geworden sind, fehlen oftmals die Darsteller. Eine, die sich eine milliardenschwere Marktkapitalisierung und damit das Zeug zur Diva bewahrt hat, ist die Telekom-Tochter. Das Schwergewicht sorgte mit Kurseinbrüchen von bis zu zehn Prozent für die unverhoffte Rückkehr zum großen Theater.

Wie es sich für echte Bühnen-Heroinnen gehört, war T-Online jedoch nicht selbst verantwortlich für das Desaster. Der Schurke kommt aus Frankreich und trägt den Namen Lagardère. Der Medienkonzern kompromittierte Ron Sommers Internet-Töchterchen mit der Nachricht, eine 700 Mio. Euro schwere Wandelanleihe auf ihre Aktien zu begeben, um sich auf diesem Wege von gut zwei Dritteln seines knapp sechsprozentigen Anteils zu trennen.

Hedge Funds, die sich mit der vom 30. April nächsten Jahres an in Aktien umwandelbaren Anleihe eindecken, stellen nach Angaben von Marktteilnehmern zu ihrer Risikoabsicherung nun T-Online-Papiere zum Verkauf. Am Abend notierten die Papiere entsprechend noch um knapp vier Prozent im Minus bei 10,63 Euro.

Das mangelnde Interesse an den im Übermaß angebotenen Papieren der Neue-Markt-Diva lastete auch schwer auf dem Gesamtmarktindex, der zur selben Zeit um knapp 1,3 Prozent im Minus lag und bei 874 Zählern notierte. Der Auswahlindex Nemax 50 verlor 1,6 Prozent auf 835 Punkte.

Der eher der zweiten Reihe zugerechnete Oberhachinger Telematikanbieter GAP konnte nicht nur gegen den Trend Kursgewinne für sich verbuchen, sondern schob sich mit einem Plus von fast 15 Prozent auf 1,18 Euro sogar an die Spitze der Siegerliste.

Den Ausschlag dafür gab offenbar das Engagement von Awa Garlinska. Bei der 43-jährigen, die ab sofort dem Führungsgremium des Technologieunternehmens vorsitzt, dürfte es sich jedoch um alles andere als eine Diva handeln. Die Diplom-Ingenieurin verantwortete nach Unternehmensangaben bislang als Mitglied der Geschäftsleitung den weltweiten Vertrieb des Halbleiterproduzenten Infineon. Sie übernimmt die Regie von den zwei Vorständen, die vor einigen Wochen wegen der unbefriedigenden Geschäftsentwicklung die Bühne verlassen mussten.

Im Vergleich zu den vergangenen Quartalen wieder etwas besser, den Anlegern aber anscheinend nicht gut genug, gehen dagegen die Geschäfte bei Onvista. Der vor allem im Internet präsente Finanzinformationsdienstleister bekräftigte, in diesem Jahr unter dem Strich wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Den Kurs trieb es trotzdem abwärts: Bis zum Abend verbilligte sich das Papier um fast 13 % auf 3,70 Euro.

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