Wandelanleihe stößt auf Widerstand
Neukirchen muss sich kritischen Fragen stellen

Kajo Neukirchen, der Vorstandsvorsitzende der MG Technologies AG, gibt nicht auf. Obwohl die Aktionäre der ehemaligen Metallgesellschaft vor einem Jahr seinem Wunsch nach einer Wandeloptionsanleihe über 1 Mrd. Euro nicht nachkamen, steht der Punkt beim Aktionärstreffen am Donnerstag erneut auf der Agenda. Doch das Vorhaben stößt bei einigen Investoren erneut auf Ablehnung.

jkn/mm FRANKFURT/M. Das Thema Anleihe dürfte vor allem Otto Happel, den opponierenden Großaktionär, auf den Plan rufen. Seine Stimmen (10 % der MG-Aktien) sowie die des kanadischen AIM-Fonds hatten vor Jahresfrist dafür gesorgt, dass die Anleihe nicht die Dreiviertelmehrheit erhielt. Happels Vertreter dürfte das heutige Aktionärs-Forum ausgiebig dazu nutzen, die bekannte Kritik am MG-Management zu erneuern.

Der ehemalige Eigner der heutigen MG-Tochter GEA wirft Neukirchen Bilanzmanipulationen vor. Mit außerordentlichen Erträgen sowie anderen Maßnahmen soll dieser das Zahlenwerk der Gesellschaft geschönt haben. Zwar steht Happel mit seinem Vorwurf der Manipulation alleine. Allerdings sind auch institutionellen Investoren aus Großbritannien einige Positionen in der MG-Bilanz ein Dorn im Auge, heißt es in Finanzkreisen.

Dabei gehe es in erster Linie um die Verschuldung des Konzerns. Offiziell betrugen die Finanzverbindlichkeiten der MG im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,154 Mrd. Euro. Dem stehen liquide Mittel und Wertpapiere im Wert von rund 317 Mill. Euro gegenüber. Allerdings sei die tatsächliche Verschuldung des Konzerns deutlich höher, wird kritisiert.

Der Punkt: Das MG-Management nutzt die Möglichkeiten der so genannten "asset-backed securities" seit Jahren intensiv. Dabei werden Forderungen an eine eigens gegründete "Zweckgesellschaft" verkauft und damit ausgelagert. Obwohl dieser Posten eigentlich den Verbindlichkeiten zu zu rechnen ist, muss er nach US-Gaap in der Konzernbilanz nicht berücksichtigt werden. Bei der MG reduzierten sich die Verbindlichkeiten so um immerhin 579 Mill. Euro.

Zwar weist das MG-Management im Geschäftsbericht ausdrücklich auf den Verkauf der Forderungen hin, verschleiert ihn also keineswegs. Dennoch beobachten Investoren und Analysten diese Politik mit Sorge. So weisen die Experten der Deutschen Bank in ihrer jüngsten MG-Studie vom 8. Februar ausdrücklich auf mögliche Risiken solcher Bilanzmaßnahmen hin.

Würde die MG die Verkäufe angesichts der schlechteren Geschäftsaussichten reduzieren, hätte dies negative Folgen für den Free Cash-flow, heißt es.

Aussagen wie diese dürften dem Streit zwischen Neukirchen und Happel neue Nahrung geben. Dass es am Donnerstag deshalb zu einer Revolte gegen den MG-Chef kommt, bezweifeln Beobachter allerdings.

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