Wandern
Mitten durch den Gutedel

Das südbadische "Wii-Wegeli" ist eine der schönsten Wanderstrecken Deutschlands. Stramm bergauf führt der Weinweg in halber Höhe durch die Rebgärten des Markgräflerlandes - entlang dem Schwarzwald, mit Sicht ins Rheintal und manchmal gar bis zu den Vogesen.

Die Alemannen lieben es niedlich. Fast jedes zweite Substantiv endet auf-le oder-li. Eine heimtückische Verkleinerung für den Weinweg ist "Wii-Wegeli": Was sich nach einem Schlängelpfad durch die Reben anhört, erstreckt sich 77 Kilometer lang von Freiburg im Breisgau bis nach Weil an der Schweizer Grenze. Manch zermürbenden Anstieg gilt es dabei zu nehmen. Aber die Aussicht entschädigt. Das Wii-Wegeli führt im Markgräflerland meist auf halber Höhe durch die Weingärten, die vornehmlich mit der lokalen Sorte Gutedel bestockt sind. Läuft der Wanderer die Süd-Nord-Richtung, erhebt sich zur rechten Hand der Schwarzwald in zartem Blau oder in dunklem Grün, je nach Witterung und Tagesstunde. Zur Linken geht der Blick über das weite Rheintal. Bei klarer Sicht bieten die Vogesen ein beeindruckendes Schauspiel - vor allem im Abendrot.

Gut tafeln und bechern wird garantiert - noch. Denn auch die badische Küche zeigt Anzeichen des Verfalls. In manchen Dörfern gibt es schon keinen Gasthof mehr. Gibt es einen, schlürft der Gast zu Schäufele und Brägeli - geselchtes Fleisch von der Schweineschulter und Bratkartoffeln - den süffigen Gutedel, der so appetitlich nach frischem Weißbrot und nach Nüssen duftet.

Zurzeit müssen die Wein-Bosse im Markgräflerland den 2003er einbringen, der arg mächtig geraten ist. Aber im Winter wollen sie über eine neue Wanderkarte beraten - mit Änderungen im südlichen, derzeit ziemlich langweiligen Teil. Wer jetzt im Herbst das Wii-Wegeli ablaufen möchte, beginnt am besten erst in Schliengen. Es bleiben nach Norden 50 Kilometer, genug für drei schöne Tage.

In Schliengen sei dreierlei empfohlen: die mittelalterliche Kirche St. Leodegar, das Schloss Entenstein und Rosemarie ("Roy") Blankenhorn. Die wackere Winzerin düngt ihre Rebgärten mit alten Bettfedern. Das sieht von weitem aus, als habe es geschneit. Dem Weingut Blankenhorn ist ein Restaurant angeschlossen, wo zu guten Tropfen badische Spezialitäten besonders pfiffig zubereitet werden.

Vier Kilometer weiter lohnt ein Stopp in Auggen, einem der ältesten und hübschesten Weindörfer. Die örtliche Winzergenossenschaft darf sich rühmen, beim Gutedel-Cup immer an der Spitze zu liegen. Das Wii-Wegeli umgeht das geschäftige Müllheim. Doch wer durchgegorene, staubtrockene Weine liebt, sollte einen Abstecher zu Hermann Dörflinger machen. Stärken kann er sich in der "Alte Post" - seit Jahrhunderten.

Die Stärkung kann der Wanderer brauchen: Die Strecke führt gnadenlos über den 400 Meter hohen Innerberg. Die Aussicht macht die Kraxelei wett. Und erholen kann man sich im Tal Britzingen, an dem das reiche Fachwerk, die gediegene Winzergenossenschaft und das Gasthaus "Zum Hirschen" mit seiner altbadischen Küche bemerkenswert sind.

Sulzburg, nur vier Kilometer weiter, ist ein rundum gastlich-gemütliches Nest. Ob sich Marschierer in verschwitzten Hemden und mit Rucksäcken im piekfeinen "Hirschen" mit Michelin-Stern wohl fühlen, sei dahingestellt. Bodenständiger geht?s im Landgasthaus "Rebstock" zu. Zum Übernachten bieten sich "Erics Weingalerie" oder das völlig ruhige "Waldhotel" drei Kilometer außerhalb an.

Eine andere Möglichkeit: Vor Sulzburg schon links nach Laufen abbiegen und sich dort bei den "Drei Lilien" fallen lassen. Das Gut Hartmut Schlumberger nebenan gehört zu den besten Weinadressen im Markgräflerland. Auch im nächsten Ort, in Grunern, wartet ein gutes Gläschen - beim unermüdlichen Ökowein-Pionier Gerd Köpfer.

Der Fernblick löst sehr gemischte Gefühle aus: Vor dem malerischen Burgberg Hohenstaufen haben gemütsarme Menschen Beton in seiner hässlichsten Form ausgebreitet. Das Städtchen Staufen selbst atmet Geschichte. Dr. Faustus endete dort in Pech- und Schwefeldampf - wahrscheinlich bei einem missglückten chemischen Experiment. Im Ortskern, von Touristen überflutet, findet sich manch Gemäuer aus der Renaissance. Frei von Touristennepp schmeckt es in der "Kreuzpost".

Der nächste Ortsname verwirrt: Ehrenkirchen ist ein Kunstgebilde aus fünf bezaubernden Dörfern. Zuerst führt der Weg nach Ehrenstetten, dessen wackerer Winzerkeller mit dem Ölberg eine der besten Lagen der Gegend besitzt. Am hübschesten ist Kirchhofen. In der "Krone" locken eine reinbadische Weinkarte und gemütliche Zimmer.

Auf dem Rücken des Batzenbergs geht es durch Gutedel-Rebgärten. Vergnüglich ist der Abstieg nach Osten in das Schneckental: In Pfaffenweiler ballen sich die Gaumenfreuden. "Zehner?s Stuben" besitzen einen Michelin-Stern. Neu eröffnet wurde das Hotel "Engel", geeignet zum Speisen wie zum Schlummern.

Das Wii-Wegeli endet im Freiburger Vorort St. Georgen. Busse fahren zur Innenstadt und zum Hauptbahnhof. Die strapazierten Waden des Wanderers können entspannen.

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