Wanderpreis unter Hollywood-Studios steht wieder zum Verkauf: Kerkorian will mit MGM Kasse machen

Wanderpreis unter Hollywood-Studios steht wieder zum Verkauf
Kerkorian will mit MGM Kasse machen

Die Hollywood-Studios Metro Goldwyn Mayer, Santa Monica, (MGM) stehen mal wieder zum Verkauf. Das Unternehmen erklärte, man verhandle, jedoch gebe es noch keine Ergebnisse. Es gäbe auch keine Gewissheit, ob man überhaupt irgendeine Transaktion werde abschließen könne. Rund sieben Mrd. Dollar will Großaktionär Kirk Kerkorian (81 %) laut Medienberichten diesmal für die Film- und Fernseh-Company erlösen. Es wäre das dritte Mal, dass er die Studios gekauft und wieder abgestoßen hätte.

DÜSSELDORF. Die "Los Angeles Times" berichtet, dass die Großbank Goldman Sachs mit der Käufersuche beauftragt worden sei und Gebote habe einholen sollen. Diese seien angesichts der horrenden Preisforderungen aber ausgeblieben. Der Börsenwert von MGM liegt bei rund 5,3 Mrd. $. Am Dienstag zog der Kurs des Papiers um über 12 % an, am Mittwoch im frühen Handel lag er nach Gewinnmitnahmen bei 21,98 $.

MGM wäre ein interessantes Filetstück im Unterhaltungsbereich. Als potenzielle Kaufinteressenten werden alle großen Unterhaltungkonzerne gehandelt. Doch die Aktienkurse der Medienkonzerne sind in den letzten Monaten drastisch gefallen, was eine Übernahme per Aktientausch erschwert. Konzerne wie Vivendi Universal sind zudem bereits durch Übernahmen hoch verschuldet. Die Bertelsmann AG hat zwar eine volle Kriegskasse, ist aber eher auf der Suche nach einem US-TV-Konzern.

Die 1924 gegründete MGM - zu der auch die United Artists Studios gehören - hält nach eigenen Angaben die größte Bibliothek an modernen Spielfilmen (ab 1948), vor Warner, Universal und Sony. Die Verwertung der Bibliothek hat 2001 alleine 37 % des Umsatzes beigesteuert und bekommt zusätzliches Gewicht durch den Boom bei dem VHS-Nachfolgemedium DVD. Die Margen bei einer Video-DVD liegen laut MGM bei einem Einzelhandelspreis von 19,95 $ bei über 50 %. Eine VHS-Kassette bringt bei 9,95 $ gerade noch 25 %. Das, zusammen mit den Auswertungsmöglichkeiten im Free- und Pay-TV macht die Bibliothek für Übernehmer wertvoll. MGM selber besitzt nur Minderheitsbeteiligungen an TV-Kanälen. Gut 48 % des Umsatzes wird an den Kinokassen erzielt. MGM produziert derzeit eine neue Folge der legendären James Bond Filme.

Trotzdem ist MGM zu klein, um alleine überleben zu können. In den zwölf Monaten von September 2000 bis September 2001 wurden insgesamt rund 1,3 Mrd. $ umgesetzt. Die Filmsparte von AOL Time Warner wird dieses Jahr aber zum Beispiel alleine 1,5 Mrd. $ nur an den Kinokassen einnehmen. Blockbustern wie "Harry Potter", "Herr der Ringe" oder "Ocean?s Eleven" hat MGM derzeit wenig entgegenzusetzen. Zudem wurden zuletzt tiefrote Zahlen geschrieben (Nettoverlust 1999: 530 Mill. $). Erst 2000 wurde mit 51 Mill. $ Nettogewinn mühsam die Gewinnzone erreicht.

Kerkorian hatte erstmal 1969 MGM übernommen und 1986 an den CNN-Gründer Ted Turner veräußert, danach dann den Großteil der Anteile wieder zurückerworben. MGM wechselte mehrmals den Besitzer, bis Investoren um Kerkorian 1996 das Studio von der französischen Bank Credit Lyonnais für den Schleuderpreis von 1,3 Mrd. $ erwarb. Die Großbank soll bis zu 4 Mrd. $ Verlust mit MGM gemacht haben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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