Wandlung
Das „System Obama“: Cool und authentisch

Barack Obama hat mit einem fast perfekten Wahlkampf das Rennen gegen Hillary Clinton und John McCain entschieden - und erlaubt Einblicke, wie er Amerika führen wird.

WASHINGTON/CHICAGO. Barack Obama nimmt den Sieg an, wie er seinen Wahlkampf geführt hat. Die Rede im Grant Park von Chicago ist konzentriert, die Tonlage ernst. Von Siegestaumel keine Spur. Die Botschaft klingt bekannt und simpel und sagt doch alles: "Yes we can." Dieser Stil ist sein Markenzeichen geworden, seine Ruhe und Überlegtheit hat ihn zum Sieg über John McCain geführt - und lässt schon jetzt erkennen, wie dieser erste Afroamerikaner im Weißen Haus Amerika führen wird.

Fast scheint es, als habe sich Barack Obama in den 20 harten Wahlkampfmonaten überhaupt nicht verändert. Genauso wie jetzt beim Auftritt vor der Skyline von Chicago kam der schlacksige Schwarze seit der Ankündigung seiner ehrgeizigen Bewerbung vor gut 20 Monaten immer daher. Elegant im schwarzen Anzug, ausgesprochen lässig. Und mit wohlklingenden Worten, deren Anspruch, wenn nicht gar Anmaßung, erst später deutlich wird.

Von Anfang an war sich der Junior-Senator seiner selbst gewiss, doch er ist im Wahlkampf gereift, wohl auch gehärtet. Aber noch mehr hat sich das Bild geändert, das die Öffentlichkeit von ihm hat. Galt er zunächst als Träumer und Schönredner, ein Nichts ohne seinen Teleprompter, so konnte er im Kampf gegen John McCain und noch mehr gegen Hillary Clinton beweisen, dass er das Zeug zum Präsidenten hat. Gerade weil die Amerikaner glauben, dass er sie besser aus der so bedrohlichen Finanz- und Wirtschaftskrise herausführen kann, gaben sie ihm ein so starkes Mandat.

Doch was wird Barack Obama mit diesem Auftrag machen, wie wird er regieren, wie wird er sein Kabinett führen? Da der 47-Jährige nie in der Exekutive war, nie Gouverneur oder Bürgermeister, gibt es nur Anhaltspunkte. Der beste davon ist seine Kampagne: Die hat der Senator aus Illinois präzise geführt wie ein Uhrwerk. Geholfen hat ihm dabei zwar sein Alter Ego David Axelrod, der als Wahlkampfmanager den Kurs bestimmte. Doch ohne den disziplinierten Obama hätte auch die beste Strategie nichts genützt. Obama, der über Monate mit gedämpftem Broccoli, Erdnussriegeln, und Shrimps auskommen kann, verkörpert, was für die ganze Kampagne steht: Konzentration, Authentizität, Coolness.

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