Wann kann Götz George tatsächlich die Putzfrau wegklappen?
Mit Power ins Netz

Was will uns Eon mit dem Schimanski-Spot sagen? Per Handy klappt George von seiner Yacht aus das Bett in seinem Haus weg. Die Werbebotschaft: Eon setzt auf Powerline.

DÜSSELDORF. Anfang Oktober unterzeichnete die Eon-Enkelin Oneline, Barleben, einen Kooperationsvertrag mit dem US-amerikanischen IT-Unternehmen Enikia, New Jersey. Enikia zählt zu den Weltmarktführern bei breitbandigen End-zu-End-Geräten in der Telekommunikation. In Form eines Forschungsverbunds sitzen zudem noch 13 andere Technologie-Gesellschaften mit im Enikia-Boot, etwa Cisco Systems, Compaq, Intel, Panasonic, Motorola, Texas Instruments.

Um von Eon-Seite kein Zweifel an der Dringlichkeit von fernsteuerbarer Hausund Haushaltstechnik aufkommen zu lassen, beteiligte sich der Düsseldorfer Energiekonzern gleich mit 3,3 % an den Amerikanern. Ziel: das letzte Quasi-Monopol im bundesdeutschen Kommunikations- und Energiemarkt zu brechen, nämlich die "letzte Meile" einer Fernverbindung. Trotz Liberalisierung ist bei diesem End-/Anfangskilometer einer Telefonleitung nach wie vor die Deutsche Telekom Platzhirsch. Ihr gehört die kurze Strippe vom Übergabepunkt in irgendeinem Stadtteil bis ins Wohnzimmer. Nur wenige Unternehmen starteten bisher den Versuch, eine parallele "letzte Meile" zu installieren. Angesichts der Niedrigtarif-Situation lohnen sich die Investitionen nicht.

Doch entdeckten die Wettbewerber als Alternative das Stromnetz, die Powerline. Die verknüpft sämtliche Wohnstuben Deutschlands. Man kann sie zum Transport von digitalisierter Sprache und digitalisierten Daten mitbenutzen. Also gaben Veba (Eon), RWE und andere ihren Entwicklungsabteilungen die Order, Powerline marktreif zu konfigurieren. Denn die 230-Volt-Adern bieten nicht nur die Chance, preisgünstig die Haushalte anzubinden. Sie lassen noch viel mehr zu.

Mehr als zum Beispiel der derzeitige ISDN-Standard der Telekom vermag. So zum Beispiel bis 20fach höhere Übertragungsraten. Theoretisch bis zwei Megabit pro Sekunde. ISDN dagegen kommt nicht über 64 Kilobit hinaus. Dieses Händeln einer riesigen Datenflut käme etwa dem Internet zugute. "Casablanca" aus dem Internet via ISDN auf den heimischen Bildschirm - unmöglich! "Casablanca" via Powerline - kein Problem.

Ein anderes Schlüsselwort - neben "Übertragungsrate" - ist "Breitbandigkeit". Über die Powerline rasen die Signale entweder mit einer festen Frequenz oder aber variabel im Frequenzband 1,5 bis 30 MHz. Beide Verfahren lassen mehr Spielraum zu als das heutige schmale Festnetz oder der ebenso schmale Mobilfunk-Standard GMS (Global Mobile System). Diese Enge berührt nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Qualität der Signale. Auf der Mobilfunk-Seite kündigt sich mit UMTS allerdings schon die nächste Generation an. UMTS steht für Universale Mobile Telekommunications System. UMTS befördert Signalpakete von zwei Megabit pro Sekunde in höchster Reinheit. Zwei Megabit packt auch Powerline. Der Ring schließt sich.

Er muss sich schließen. Nur dieser Bündelfunk ist in der Lage, außer Sprache und Videobilder komplette Kontroll- und Regelfunktionen für SmartHouse und SmartHome abzuwickeln: Wer sich auf Lanzarote im Liegestuhl aalt, schaltet die Haustürklingel auf sein Handy. Der ungebetene Besucher, der mittags läutet, um festzustellen, ob nachts die Luft rein ist, hört enttäuscht: "Moment bitte, ich liege gerade in der Badewanne." Oder Götz George erkennt in seinem UMTS-Handy das unordentliche Schlafzimmer. Und klappt die Putzfrau weg. Diese Beispiele deuten auf den zweiten großen Markt - neben der klassischen Telekommunikation -, den sich Eon und andere mit Powerline versprechen. So um die 4 000 DM, errechneten die Konzerne, dürfte die intelligente Verdrahtung eines Hauses einspielen. 4 000 DM mal 250 Millionen europäische Haushalte macht summa summarum 1 Billion DM. Plus Software. Plus jährlich noch einmal rund 1 000 DM Internet-Zugang. Ein mehrere Billionen DM-Geschäft.

Eon-Enkelin Oneline startet deshalb in diesen Tagen den ersten Feldversuch in vier Wohngebieten in Norddeutschland mit der letzten Meile Powerline. Allerdings noch nicht mit dem letzten Meter. Der wäre die Verdrahtung im Haus, das Inhouse-Netz. Für diese Peripherie gibt es aber im Moment noch keine Endgeräte. Die sollen erst im nächsten Jahr testreif sein.

Das aktuelle Programm sieht so aus: Ein normales Telefon mündet über eine entsprechende Schnittstelle in die Powerline-Box im Keller ein. Diese Box codiert die Sprache in die entsprechende Frequenz und leitet sie über das Stromnetz zum "Point of Interconnect" in der nächsten Trafostation. Liegt der zu weit entfernt, hüpft das Signal über weitere Boxen auf dieser Wegstrecke zum Ziel: Jede dieser Online-Boxen dient gleichzeitig als Verstärker. In der Trafostation übernimmt dann ein übliches Ferntransportkabel, etwa eine Glasfaser, die Daten. Ob das "draußen im Feld" wirklich so klappt, will man jetzt wissen.

Die Diskussionen um Lizenzen für Übertragungsfrequenzen im Stromnetz berühren Eon nicht. Die Düsseldorfer wählten nicht Variante eins mit direkt zugewiesenen Frequenzen.

In diese Richtung etwa denkt RWE. Eon weicht auf die Variante zwei aus, auf den Frequenzbereich 1,5 bis 30 MHz. In dem darf sich jeder lizenzlos bewegen, wenn er nur bestimmte Randbedingungen wie zum Beispiel (schwache) Sendeleistung und anderes einhält. Deshalb die erwähnten Boxen-Stopps auf der Reise zum Point of Interconnect. Eon geht diesen Weg. 2002 will man am Ziel sein.

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