Warenhaus hat Umsatz verdoppelt
Karstadt Quelle bleibt hinter Fusionsprognosen zurück

dpa/Reuters/ap ESSEN. Im ersten Geschäftsjahr nach der Fusion hat der neue Karstadt Quelle-Konzern seine ehrgeizigen Planungen nicht ganz erreicht. "Wir hängen hinter der Prognose zurück", räumte Konzernchef Walter Deuss bei der Bilanzvorlage in Essen ein. Deuss kündigte einen "Aufholeffekt" durch verstärkte Aktivitäten im Internet an.

Mit Einsparungen durch die Fusion von 103,8 Mill. DM seien im vergangenen Jahr bereits 90 Prozent der angekündigten Synergieeffekte erreicht worden, sagte Deuss. "Hochrechnungen zeigen, dass wir deutliche Chancen haben, das auch zu erreichen", sagte der Konzernchef. Die Ergebnisplanziele aus dem 1998 vorgelegten Verschmelzungsbericht mit der Quelle AG seien vor allem wegen der zu optimistisch eingeschätzten Handelskonjunktur "nicht voll" eingetreten.

Die Börse reagierte dagegen am Dienstag mit einem kräftigen Kursrückgang. Bis zum Mittag ging der Kurs der Karstadt Quelle-Aktie um 6,43 Prozent auf 36,07 Euro zurück. "Das ist nicht zufrieden stellend", kommentierte ein Analyst, die Unternehmenszahlen.

Im ersten gemeinsamen Geschäftsjahr der beiden Unternehmen konnte der Karstadt Quelle-Konzern seinen Konzernjahresüberschuss von 199 Mill. DM auf 428 Mill. DM mehr als verdoppeln. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erhöhte sich um 62,8 Prozent auf 503 Mill. DM. Den größten Ergebnisbeitrag habe dabei mit über 40 % der Versand geleistet, so das Unternehmen. Ohne Mehrwertsteuer ergebe sich für den Konzern ein Umsatz von 29,03 (18,39) Mrd. DM. In vergleichbarer Rechnung zeige sich gegenüber 1998 ein Plus von 4,4 %.



In der zur Fusion von Karstadt und Quelle vorgelegten Prognose hatte der Konzern für das vergangene Jahr dagegen ein Ergebnis vor Steuern von 705 Mill. DM angekündigt. Der Konzernumsatz ohne Mehrwertsteuer erhöhte sich im vergangenen Jahr um 57,9 Prozent auf 29,03 Mrd. DM, während der Gesamtabsatz einschließlich der Touristik-Aktivitäten um 1,6 Mrd. DM auf 38,1 Mrd. DM anstieg.

1999 habe die Warenhaus- und Versandhandelsgruppe ihren Marktanteil am deutschen Einzelhandel von 2,9 % auf 4,6 % gesteigert, obwohl der Markt nur um 0,7 % auf ein Volumen von 722 Mrd. DM zugenommen hätte, hieß es weiter. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres steigerte der Konzern seinen Umsatz Deuss zufolge um gut sechs Prozent. Die Warenhäuser und Fachmärkte erhöhten ihren Umsatz um vier Prozent. Die Versandtochter Neckermann erreichte, beflügelt von den Sonderangeboten zum 50-jährigen Firmenjubiläum ein Umsatzplus von 16,5 Prozent, die zweite Versandtochter Quelle legte immerhin 8,8 Prozent zu. Der Touristikkonzern C&N, an dem KarstadtQuelle mit 50 Prozent beteiligt ist, konnte bis Ende Mai seine Veranstaltungserlöse um vier Prozent steigern. Bei anhaltender konjunktureller Belebung sieht der Vorstandsvorsitzende gute Chancen, das Betriebsergebnis im laufenden Jahr um mehr als zehn Prozent zu steigern. Neben dem E-Commerce kündigte Deuss eine weitere Expansion im Touristik-Bereich der zu 50 Prozent zu dem Konzern gehörenden Reisegruppe C & N an. In den kommenden vier Jahren sei nahezu eine Verdreifachung der Zahl der zur Verfügung stehenden Hotelbetten von derzeit 37 300 auf rund 100 000 geplant, sagte Deuss. Nach der gescheiterten Übernahme der britischen Thomson Travel Group würden bereits weitere Gespräche unter anderem mit einem Unternehmen in Frankreich geführt. "Der Bär ist bereits heftig angeschossen", sagte Deuss.

Im Wachstumsfeld E-Commerce kündigte der Konzernchef in den kommenden fünf Jahren Investitionen von rund 400 Mill. DM an. Noch im laufenden Jahr sei ein Umsatzwachstum des Handels im Internet von 214 Mill. DM im Jahr 1999 auf rund 700 Mill. DM geplant. "Wir haben ideale Voraussetzungen für E-Business", sagte Deuss.

Das DVFA-Ergebnis je Aktie erhöhte sich um 89 % auf 3,10 DM. Aus dem Bilanzgewinn von 142,5 Mill. DM soll eine auf 24,2 (22) Prozent erhöhte Dividende gezahlt werden. Das entspreche 0,62 Euro je Aktie.



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