Warenverkehr mit den Ländern in Osteuropa steigt kräftig
Deutschlands Handel mit neuen EU-Mitgliedern boomt

Der Export boomt - vor allem nach Osteuropa. Outsourcing verzerrt die Bilanz, da insbesondere die Autoindustrie in den neuen EU-Staaten viele Fabriken unterhält.

FRANKFURT/M. Die deutschen Unternehmen haben bereits vor der Osterweiterung der Europäischen Union kräftig vom Handel mit den Beitrittsländern profitiert. Im vergangenen Jahr lieferten Firmen aus der Bundesrepublik Waren im Wert von 56,5 Milliarden Euro dorthin, 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr, berichtete das Statistische Bundesamt in Frankfurt (Main). In den kommenden Jahren werde Deutschland noch stärker von der Osterweiterung profitieren, prognostizierte die Behörde.

"Der Kompass von Ein- und Ausfuhr wird sich Richtung Osten verschieben", sagte Walter Radermacher, Vizechef der Behörde. Polen und Tschechien würden sich mittelfristig unter die zehn größten Handelspartner Deutschlands schieben, schon heute gehören sie zu den 15 wichtigsten. Das Potenzial für die deutsche Exportwirtschaft sei gehörig, auch wenn die Handelsbilanz negativ ist. Die Importe aus den neuen Mitgliedstaaten stiegen im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 57,3 Milliarden Euro. Insgesamt ist der Handel mit den neuen Mitgliedern in den vergangenen Jahren Radermacher zufolge "explosionsartig" gestiegen. "Die Handelsbeziehungen haben sich seit 1993 verzehnfacht."

Größter und wichtigster Partner Deutschlands unter den Beitrittsländern ist Tschechien, auf das fast ein Drittel des Außenhandels mit dieser Staatengruppe entfällt. In den letzten zehn Jahren hat sich die Ausfuhr mehr als vervier-, die Einfuhr sogar verfünffacht. Polen folgt dicht hinter Tschechien. Auf Ungarn entfallen 21 Prozent des Handels mit den Beitrittsländern. Die stärksten Zuwächse gab es im Handel mit der Slowakei, die Ausfuhr kletterte 2003 um 620 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro, die Importe sogar um 860 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro.

Exportweltmeister dank Eurostärke

Insgesamt konnte sich die Bundesrepublik im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1993 wieder den Titel des Export-Weltmeisters sichern. Deutschland führte Waren im Wert von 662 Milliarden Euro aus und kaufte vom Ausland Waren für 532 Milliarden Euro. Die Ausfuhren Deutschlands lagen wertmäßig mit fast 749 Milliarden Dollar höher als die Ausfuhren der USA mit 725 Milliarden Dollar. Entscheidend für diese Entwicklung war den Statistik-Experten zufolge vor allem der starke Euro. "Die Erhöhung des Wertes der deutschen Exporte in US-Dollar ist ein Umrechnungseffekt und kein Zeichen für verstärkte Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie", sagt Radermacher. Rechne man den Wechselkurs-Effekt heraus, hätte das Exportvolumen bei 626 Milliarden Dollar statt bei 749 Milliarden gelegen.

Verzerrt wird die Bilanz durch das Outsourcing, insbesondere der Autoindustrie, die in Osteuropa viele Fabriken unterhält. Ein Viertel der Einfuhren nach Deutschland entfällt auf diesen Bereich. Besonders markant ist diese Struktur im Handel mit der Slowakei, wo die Hälfte des Exportes Richtung Deutschland und ein Drittel der Einfuhren auf den Automobilsektor entfallen. VW und die Schwestermarke Skoda prägen das Bild. Zweitwichtigste Gütergruppe für die Einfuhr aus den Beitrittsländern sind Elektrogeräte.

Autor: ro

Quelle: Der Tagesspiegel Nr. 18456 vom 23.04.2004, Seite 18

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%